Nahverkehr

Nahverkehr: Nicht nur herumdoktern am kranken Mann Europas

Redakteur Michael Kohlstadt.

Redakteur Michael Kohlstadt.

Foto: Kai Kitschenberg / Kai Kitschenberg/ FUNKE Foto Services

Um das Verkehrssystem im Revier zu modernisieren, darf man nicht herumdoktern, sondern muss sehr viel Geld in die Hand nehmen.

Diese Zahlen sprechen Bände: Zehn Prozent beträgt der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr des Ruhrgebiets. 58 Prozent aller fünf Millionen Einwohner nutzen hingegen das Auto, neun Prozent steigen aufs Rad. Selbst in den Revierkernstädten mit ihrem vergleichsweise dichten Bus- und Stadtbahn-Netz liegt der ÖPNV-Anteil im Schnitt bei nur zwölf Prozent. In Berlin, mit dem sich das Ruhrgebiet so gerne vergleicht, nutzen deutlich über 20 Prozent der Menschen Busse und Bahnen, in Wien sind es sogar fast 40 Prozent.

Auch wenn das Ruhrgebiet mit seiner Zersplitterung in viele Zentren an die Verkehrsplanung andere Anforderungen stellt als Ballungsräume mit nur einem Zentrum: Das Revier ist nahverkehrstechnisch der kranke Mann Europas. Es muss also unbedingt etwas geschehen. Schon allein unter Klima-Gesichtspunkten kann es so nicht weitergehen. Doch machen wir uns nichts vor. Mit ein paar Förderzuschüssen hier und ein paar netten Digitalisierungsideen dort ist es nicht getan. Um das Verkehrssystem im Revier zu modernisieren, darf man nicht herumdoktern, sondern muss sehr viel Geld in die Hand nehmen. Das kann die Region unmöglich alleine stemmen. Aber sie kann voran gehen. Eine regionale ÖPNV-Planung wäre ein erster Schritt.

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