Leitartikel

Martin Schulz ist an sich selbst gescheitert

Selten wurden die unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen den Menschen in den Ortsvereinen und „denen da oben“ so deutlich wie in der Personalie Schulz.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Selten wurden die unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen den Menschen in den Ortsvereinen und „denen da oben“ so deutlich wie in der Personalie Schulz. Foto: Kay Nietfeld / dpa

Vor einem Jahr war Martin Schulz noch Mister 100 Prozent. Jetzt steht der noch amtierende SPD-Chef mit leeren Händen da.

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Tiefer kann man nicht fallen: Vor einem Jahr war er Mister 100 Prozent, der Retter der deutschen Sozialdemokratie. Jetzt steht der noch amtierende SPD-Chef Martin Schulz mit leeren Händen da. Er erklärte seinen Verzicht auf das Amt des Außenministers, weil er keine andere Wahl hatte. Schulz hat zu viele Fehler gemacht, war bereits als Parteichef überfordert, unglaubwürdig und daher in der SPD nicht mehr vermittelbar.

Dabei hatte die Parteispitze zum Abschluss der Koalitionsgespräche in dieser Woche viel getan, um die Genossinnen und Genossen zu befrieden. Die SPD ging als klarer Sieger aus den GroKo-Verhandlungen hervor, zudem gab Schulz den Vorsitz an Andrea Nahles ab. Sie verfügt parteiintern über mehr Rückhalt und ist eher in der Lage, auf der PR-Tour zum Mitglieder-Entscheid für Zustimmung zu sorgen. Dennoch reichte es für Schulz nicht, um sich ins Außenministeramt zu retten. Denn in der SPD brachen Wut und Enttäuschung über das würdelose Postengeschacher in einem Maße aus, das Nahles und Schulz unterschätzt haben dürften. Auch war es naiv zu glauben, Außenminister Sigmar Gabriel lasse sich ohne Gegenwehr abservieren.

Selten wurden die unterschiedlichen Wahrnehmungen zwischen den Menschen in den Ortsvereinen und „denen da oben“ so deutlich wie in der Personalie Schulz. Ein Musterbeispiel gelebter Basisdemokratie. Und ein Beleg für die Angst der SPD-Spitze vor einem Scheitern der Koalition per Mitglieder-Entscheid. Denn der Schulz-Frust drohte die Verhandlungserfolge zu entwerten, vor allem in NRW. Hier schlägt weiterhin das Herz der SPD, hier leben rund ein Viertel der bundesweit 460 000 stimmberechtigten Mitglieder. Und hier war der Tenor klar: Sowas tut man nicht! Auch deshalb drängte letztlich NRW-Parteichef Michael Groschek Schulz zum Abgang. Die Wahrscheinlichkeit einer Großen Koalition ist gestern deutlich gestiegen.

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