Kommentar

Man darf den Stichwortgebern für Hassmails keine Ruhe lassen

 Frank Preuß

Frank Preuß

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Die Beleidigungsflut im Netz hat längst bedrohliche Ausmaße erreicht. Wer sich dagegen mit Anzeigen zur Wehr setzt, ist keineswegs zu empfindlich

Einen an der Klatsche haben – das klingt als Beleidigung vergleichsweise niedlich. Vor allem, wenn man bedenkt, was Richter schon an Widerwärtigkeiten gegen Politiker aus den sogenannten sozialen Netzwerken durchgewunken haben. War also Lamya Kaddor zu empfindlich, als sie Henryk Broder, der zumindest schriftlich so zitiert wurde, damals anzeigte?

Es gilt, Zeichen zu setzen in einer Anpöbelungsflut, die bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Henryk Broder und sein Umfeld sind daran nicht unschuldig. Häme und Verächtlichmachung gehören zu ihrem Konzept, über die Aussage von Claudia Roth, dass „sein Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht“, beschwerte Broder sich vor Gericht bislang erfolglos.

Sprache transportiert eben nicht nur Informationen, sie bestimmt unser Bewusstsein. Ein Mensch, der sich Hassmails und Morddrohungen ausgesetzt sieht und eine gedruckte Beleidigung mit einer Anzeige beantwortet, ist nicht zu empfindlich: Er wehrt sich gegen die vermeintlichen Stichwortgeber.

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