Dunkelfeldstudie

Land befragt Bürger zum Thema Gewalt: Ein politisches Risiko

WAZ-Redakteur Gordon Wüllner-Adomako

WAZ-Redakteur Gordon Wüllner-Adomako

Foto: Marit Langschwager / FUNKE Foto Services

Wenn das Land mehr Gewaltopfer zur Anzeige motiviert, ist das ein Erfolg. Aber die Dunkelfeldstudie kann politisch zu einem Dilemma werden.

Wir leben in einem Land, das immer sicherer wird – zumindest laut polizeilicher Kriminalstatistik. Allerdings liefert diese natürlich nur Informationen über tatsächlich bekanntgewordene Delikte. Wie groß ist die Dunkelziffer? Es ist begrüßenswert, dass das Land mit seiner Befragung von 60.000 Bürgern Fakten schaffen will – und Gewaltopfer motivieren möchte, dunkle Kapitel ihrer Vergangenheit bei der Polizei zu melden.

Politisch könnte die Studie allerdings zu einem Dilemma werden. Im ersten Schritt nimmt so ein Projekt Rechtspopulisten Wind aus den Segeln – indem man dort Fakten schafft, wo die AfD das Horrormärchen von dem Land verbreitet, in dem schon der Nachhauseweg nach der Dämmerung zum Lebensrisiko wird. Wenn das Vorhaben aber dafür sorgt, dass mehr Gewaltverbrecher angezeigt werden, bringt das die Zahlen in der Kriminalstatistik nach oben.

Für Rechts außen ein gefundenes Fressen: Sehet her, Deutschland wird tatsächlich unsicherer! Innenminister Reul müsste kommunikative Kunststücke vollbringen, um schlechtere Zahlen in der Statistik als Erfolg zu verkaufen. Das macht die Dunkelfeldstudie zu einem mutigen, aber politisch risikoreichen Projekt.

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