Einzelhandel

In Essen hat die Gewerkschaft Verdi schlechten Stil gezeigt

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen.

Foto: WAZ

Ein Kommentar von Frank Stenglein, Redaktionsleiter der WAZ Essen. Foto: WAZ

Essen.  Im Streit um die verkaufsoffenen Sonntage hat Verdi kurzfristig völlig überraschend geklagt – mit dem Willen maximalen Schaden anzurichten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gewerkschaften und Unternehmen haben nicht dieselben Interessen, was in der Natur der Sache liegt. In aller Regel geht man aber zumindest fair miteinander um in der Erkenntnis, dass im Wirtschaftsleben alle Akteure aufeinander angewiesen sind. Die Gewerkschaft Verdi hat diese unausgesprochene Übereinkunft grob verletzt, als sie wenige Tage vor einem lange geplanten verkaufsoffenen Sonntag völlig überraschend den juristischen Weg suchte.

Verdi versucht sich nun herauszureden, aber es ist leicht zu sehen, dass der Wille entscheidend war, durch die Kurzfristigkeit maximalen Schaden anzurichten. Der Hinweis auf die Stadt ist Unfug. Denn wo kein Kläger (Verdi), da hätte es auch keinen Richter gegeben.

Auch die eigenen Mitglieder, die sich auf den Sonntag eingestellt hatten, wurden düpiert

Der Schaden entstand übrigens nicht nur Kaufhaus-Konzernen und kleinen Ladenbesitzern, obwohl das schon schlimm genug wäre. Auch viele Hundert Mitarbeiter hielten sich für den gestrigen Sonntag bereit (und hatten womöglich Privates abgesagt), um dann doch nicht arbeiten zu dürfen. Verdi hat also potenziell auch etlichen eigenen Mitgliedern geschadet, was die Dinge vollends absurd macht.

Aber ideologisch getriebene Prinzipienreiterei ist Funktionären ja leider nicht fremd. In diesen Kreisen spielte übrigens auch nie eine Rolle, ob die Mitarbeiter im Einzelhandel nicht sogar ganz gerne mal einen lukrativen Sonntagsdienst ableisten, was bei vielen zweifellos der Fall ist. Die Verdi-Oberen bilden sich aber ein, besser zu wissen, was die Menschen wollen, als diese selbst. Das ist nichts als Anmaßung.

Die Fairness des Einzelhandelsverbands wurde bestraft

Eine besondere Perfidie liegt darin, dass der Einzelhandelsverband nach dem alten Gesetz in diesem Jahr nur wenige verkaufsoffene Sonntage beantragt hatte – was ganz im Sinne der Gewerkschaft sein müsste. Zu Recht wies Verbandsgeschäftsführer Marc Heistermann darauf hin, dass man genausogut das mittlerweile geltende neue, liberalere Ladenöffnungsgesetz hätte abwarten können, um dann aus dem Vollen zu schöpfen.

Die Fairness des Einzelhandelsverbands wurde also bestraft. Vertrauen ist schnell zerstört, aber nur mühsam wieder aufgebaut. Zu verantworten haben das ausschließlich die Verdi-Funktionäre.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (44) Kommentar schreiben