Kommentar

Gaspipeline Nord Stream 2: Ein überraschender Kompromiss

Ein Kommentar von NRZ-Politikchef Jan Jessen.

Ein Kommentar von NRZ-Politikchef Jan Jessen.

Foto: NRZ

Seit Jahren wird über die Pipeline Nord Stream 2 gestritten – nun gibt es offenbar einen Kompromiss. Für Deutschland sind es gute Nachrichten.

Die USA geben den Widerstand gegen die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 auf. Das ist angesichts des bisher erbitterten Widerstands Washingtons gegen das Milliarden-Projekt überraschend. Wie schon sein republikanischer Vorgänger Donald Trump sieht der amtierende US-Präsident Joe Biden das Vorhaben kritisch, bereits als Vize-Präsident unter Barack Obama bezeichnete er es als „fundamental schlechten Deal“.

Anders als Trump ist Biden aber fähig und willens, Kompromisse einzugehen. Die sind möglich, weil die USA zwar an erster Stelle aus wirtschaftlichen Gründen gegen das Projekt sind, da sie ihr eigenes Gas auf dem europäischen Markt verkaufen wollen, aber weil der Streit auch ein politischer ist.

Die Ukraine als enger westlicher Partner soll nun in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag von Deutschland bekommen, zudem die Zusicherung, auch weiterhin für den Transit russischen Erdgases Gebühren zu erhalten. Gleichwohl werden Kiew, aber auch die baltischen Staaten und Polen entsetzt über die Nachricht sein, da sie einen wachsenden Einfluss Moskaus befürchten.

Nord Stream 2: Gute Nachrichten für Deutschland

Für Deutschland hingegen sind es gute Neuigkeiten. Bei der Energieversorgung ist es strategisch sinnvoll, nicht von einem Lieferanten allein abhängig zu sein. Außerdem hat sich Deutschland in die Energiefalle hineinmanövriert. Der Ausstieg aus der Atomkraft und der Kohle werden nicht mit dem notwendigen Nachdruck beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und der entsprechenden Netze flankiert.

Erdgas gilt nun als passabler Lückenfüller, weil es energieeffizienter ist als Kohle. Klimaschützer halten dieses Argument allerdings für verfehlt, weil bei der Produktion von Erdgas erhebliche Mengen klimaschädlicher Emissionen entstehen; in der Gesamtrechnung halten sie Erdgas für mindestens ebenso schädlich wie Kohle.

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