US-Strafzölle

Europas große Chance, als Einheit aufzutreten

Im Kampf gegen US-Strafzölle haben die europäischen Staaten jetzt Gelegenheit, endlich als Einheit aufzutreten.

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Handelskriege sind alles andere als gut und hinterlassen in der Regel mehr Verlierer als Gewinner. Das zu betonen, ist banal und wäre überflüssig – hätte nicht der mächtigste Mann der Welt das Gegenteil behauptet und sein Land auf eine Zollschlacht gegen den Rest der Welt eingeschworen. Der hat von Australien über China bis Europa Vergeltung angedroht. Was nach einem sehr wilden Western aus den 70ern klingt, ist im Welthandel des 21. Jahrhunderts ausdrücklich erlaubt: Nach den Regeln der WTO dürfen einseitige Strafzölle mit Gegenmaßnahmen beantwortet werden.

Weil das eine für alle ungute Zoll-Spirale auslösen könnte, sollte es niemand wollen. Doch wenn das Land der Freien mit einem Großprofiteur des Kapitalismus an der Spitze gut 240 Jahre nach seiner Gründung sich wieder abschotten will, soll es das tun. Die Antwort darauf können nur Strafzölle auf amerikanische Exportschlager wie Jeans oder Erdnüsse sein. Sonst dürfte Trump weiter behaupten, Handelskriege seien gut und leicht zu gewinnen. Die Welt muss ihm zeigen, wie sehr er irrt.

Europa hat sich entschieden – für offene Handelsgrenzen. Der Freihandelszone mit Kanada folgt eine mit Japan, derzeit verhandelt die EU mit einem südamerikanischen und einem südostasiatischen Staatenbund. Die EU muss jetzt beweisen, dass sie ihre Überzeugung vom Freihandel auch gegen einen neuen US-Protektionismus zu verteidigen gewillt ist. Und zwar auch, wenn hiesige Branchen darunter vorübergehend leiden sollten – bis sie neue Handelswege oder die Amerikaner zur Vernunft finden. Brüssel zeigt sich bereit. Berlin sollte die EU dabei nach Kräften unterstützen und nicht aus berechtigter Sorge um die eigene Autoindustrie bremsen. Europa hat in diesem Konflikt die Chance, sich der Welt endlich als Einheit zu präsentieren. Es ist jetzt an der Zeit, nationale Interessen hintanzustellen. Oder sich für alle Zeit wohlfeile Kritik an der Schwäche der EU zu sparen.

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