Knast für Schwarzfahrer

Ersatz-Haft ist Unsinn

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Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Sollten Kleinkriminelle, die Geldstrafen nicht bezahlen (können) in den Knast? In vielen Fällen ist das sinnlos.

Nehmen wir an, ein Mensch fährt immer wieder schwarz, wird oft erwischt, bezahlt aber seine Strafen nicht. Er will oder kann seine Schuld auch nicht mit gemeinnütziger Arbeit „abstottern“ Dann muss er irgendwann ins Gefängnis. Vielleicht für einen Monat oder zwei Für diese Praxis, die jedes Jahr in Deutschland Zehntausende trifft, spricht nur, dass Schwarzfahren aus Prinzip nicht folgenlos bleiben sollte und die Hoffnung, dass harte Strafen Täter und andere Personen in ihrem Umfeld womöglich abschrecken.

Dagegen spricht aber sehr viel mehr. Den Staat kommt die Haltung „Strafe muss sein“ teuer zu stehen. Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hat Recht: Das Geld, das diese Haftstrafen kosten, sollte besser für die karg ausgestatteten Gefängnisse ausgegeben werden. Außerdem wird durch die Haft nichts erreicht. Im Gegenteil. Im Knast werden solche Kleinkriminellen selten geläutert, rutschen dafür aber umso öfter noch tiefer ab in die Kriminalität. Die allermeisten Betroffenen leben am oder unter dem Existenzminimum. Viele reagieren nicht mehr auf Mahnungen, lesen ihre Post nicht mehr, sind alkohol- und drogenabhängig sowie suizidgefährdet. Sie gehören nicht ins Gefängnis, sie müssten intensiv betreut werden.

Die Alternativen, die in vielen Bundesländern ausprobiert werden – Abstottern kleinster Raten oder Arbeit nach dem Motto „Schwitzen statt Sitzen“ – wirken auch kaum. Menschen, die so durch alle Raster fallen, sollten als Härtefälle gelten. Knast macht hier alles noch schlimmer.

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