Grundschulempfehlung

Eltern müssen mitreden

Mit dem Halbjahreszeugnis werden für Tausende Viertklässler in NRW entscheidende Weichen für ihre Zukunft gestellt. Die Empfehlung der Grundschule legt in den meisten Fällen fest, an welche Schulform die Kinder im Sommer wechseln. Häufig folgen die Eltern dem Votum der Lehrer, doch dürfen sie sich darüber hinwegsetzen, wenn sie zum Beispiel der Ansicht sind, dass ihr Sprössling mehr drauf hat, als die Grundschullehrer ihm zutrauen.

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Mit dem Halbjahreszeugnis werden für Tausende Viertklässler in NRW entscheidende Weichen für ihre Zukunft gestellt. Die Empfehlung der Grundschule legt in den meisten Fällen fest, an welche Schulform die Kinder im Sommer wechseln. Häufig folgen die Eltern dem Votum der Lehrer, doch dürfen sie sich darüber hinwegsetzen, wenn sie zum Beispiel der Ansicht sind, dass ihr Sprössling mehr drauf hat, als die Grundschullehrer ihm zutrauen.

Es ist eine schwierige Abwägung. Eltern sollten die Empfehlung der Schule nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Lehrer haben die Kinder vier Schuljahre intensiv betreut, nehmen es aus einem professionellen Blickwinkel wahr. Doch kann es auch zu Fehleinschätzungen kommen. Etwa wenn ein Junge Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben hat, aber ansonsten aufmerksam, wissbegierig und intelligent ist. Klassenlehrer könnten geneigt sein, ihm eine Realschulempfehlung zu geben, obwohl er womöglich die Fähigkeiten hätte, später Ingenieur zu werden.

Solche Fälle zeigen das ganze Dilemma des gegliederten Schulsystems. Zu früh wird festgelegt, welche Bildungskarriere die Kinder einschlagen können. Mit neun Jahren lässt sich seriös nicht absehen, wie sich ein Kind entwickeln wird. Oft entdeckt es seine Stärken und Fähigkeiten deutlich später.

Dagegen spricht auch, dass Lehrer nicht selten daneben liegen. Die Dortmunder IGLU-Studie (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) ergab, dass Schulformempfehlungen in 40 Prozent der Fälle nicht mit den gemessenen Fähigkeiten der Schüler übereinstimmten.
Jeweils 20 Prozent schätzten die Schüler zu gut oder zu schlecht ein. Eine Ursache lag darin, dass Schüler aus unteren sozialen Schichten deutlich bessere Leistungen für eine Gymnasialempfehlung erbringen müssen als Akademiker-Kinder. Daher kann die Empfehlung der Grundschule zwar eine wichtige Einschätzung geben, verbindlich aber sollte sie nicht sein.

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