TV-Duell

Ein Abend der Großkoalitionäre

Bei vielen Themen sah das Publikum zwei Großkoalitionäre, von denen Schulz bemüht Konflikte suchte und Merkel mögliche Kanten glättete.

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Das TV-Duell war für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die erste und letzte Chance, im direkten Aufeinandertreffen vor einem Millionenpublikum den Rückstand seiner Partei auf die CDU und seinen persönlichen Rückstand auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verringern. Schulz hatte nichts zu verlieren, wollte attackieren, das war offensichtlich. Er musste Differenzen betonen und durfte Merkel zugleich nicht zu aggressiv angehen, weil das bei der Mehrheit der Deutschen nicht gut ankommt.

Schulz machte einen guten Job, leistete sich kaum Fehler, hatte vor allem dann stärkere Momente, wenn er Emotionen zeigte, etwa bei den Themen soziale Gerechtigkeit, Diesel-Affäre oder beim Rückblick auf das Maut-Dilemma. Und dennoch gelang es ihm während der Sendung nicht, sich entscheidend abzusetzen. Vielmehr herrschte zwischendurch gepflegte Langeweile.

Die Gründe liegen auf der Hand: Es gibt keine wirklichen Unterschiede zwischen der Politik Angela Merkels und den Vorstellungen des SPD-Kandidaten: Flüchtlingspolitik, Integration, Abschiebungen, Trump, Erdogan, Nordkorea, innere Sicherheit, Entlastungen für Familien, eine soziale Rentenpolitik – bei vielen Themen sah das Publikum zwei Großkoalitionäre, von denen Schulz bemüht Konflikte suchte und Merkel mögliche Kanten glättete. Deutlich wurde auch immer wieder: Die wesentlichen Entscheidungen in der Innen- und Außenpolitik haben CDU und SPD gemeinsam getroffen. Für Schulz bleibt es daher bis zur Wahl die größte Herausforderung, eine Kanzlerin zu kritisieren, die eine sozialdemokratisierte CDU führt.

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