Arbeit auf Abruf

Das Gesetz verfehlt seine Wirkung

Arbeit auf Abruf ist besonders im Niedriglohnsektor verbreitet. Das Gesetz, das Arbeitnehmer schützen sollte, verfehlt jedoch seine Wirkung.

Wenn sich an sonnigen Wochenenden die Biergärten wieder füllen, müssen viele Kellner spontan die Schürze umbinden. Um Kosten zu sparen, beschäftigen viele Wirte ihre Angestellten nur auf Abruf und minimieren so ihr Risiko, an schlecht frequentierten Tagen auf fixen Personalkosten sitzenzubleiben. Aus unternehmerischer Sicht durchaus nachvollziehbar, den Beschäftigten hingegen dürfte diese Praxis weniger gut schmecken.

Dass die Bundesregierung Arbeitgeber durch mehr vertraglich zuzusichernde Mindeststunden stärker in die Pflicht nehmen will, ist deshalb zu begrüßen. Sie verlangt nun 20 statt bisher zehn Pflichtstunden.

Doch das Gesetz hat leider einen großen Schönheitsfehler. Die Arbeitgeber können die Regeln relativ einfach mit Minijobs umgehen, für die sie nicht gelten. Dies umso mehr, weil Beschäftigte mit einer Wochenarbeitszeit ab 20 Stunden sozialversicherungspflichtig und damit für Arbeitgeber unattraktiver werden.

Wenn aber das Gesetz denen, für die es gemacht wurde, nicht hilft, muss die Regierung es dringend nachbessern. Auch Menschen, die auf Abruf arbeiten, brauchen gewisse Sicherheiten: Eine klar geregelte Mindestarbeitszeit, die Minijobs nicht außen vor lässt, wäre ein Anfang. Auch Gelegenheits-Kellner müssen jeden Monat Miete zahlen.

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