Die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten bleibt konstant hoch. Es liegt an Selbstüberschätzung, an Alkohol – und zunehmender Rücksichtslosigkeit.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind auf deutschen Straßen jeden Tag sechs Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben, 766 wurden verletzt. Diese traurigen Zahlen sind ziemlich konstant. Alkohol und Selbstüberschätzung fahren zu oft mit. Doch es kommt noch etwas hinzu, das sich – zugegebenermaßen gefühlt – beobachten lässt: Der mobile Mensch der Gegenwart verhält sich rücksichtsloser, aggressiver als früher, und er nimmt dabei auch Gefahren für andere in Kauf.

Wer täglich auf den Autobahnen unterwegs ist, kennt die lichthupend heranrasenden Tiefflieger. Aber auch, wer einfach nur spazieren geht, wird mitunter barsch und von Radfahrern oder Menschen auf E-Scootern zur Seite gedrängt. Gerade Älteren macht die Aggressivität zu schaffen. Das gilt im Übrigen nicht für den Straßenverkehr.

Tempolimit wird sich nicht durchsetzen lassen

Natürlich wäre ein Tempolimit zu diskutieren, um wenigstens auf den Autobahnen die Raser auszubremsen. Das ist im „Freie-Fahrt-für-freie-Bürger“-Deutschland zwar ein Dauerreizthema, aber offenkundig nicht umsetzbar – egal übrigens, wer gerade an der Regierung ist. Dabei würde gleichmäßiges langsameres Fahren nicht nur die Straßen etwas sicherer machen, sondern auch dem Klima nutzen.

Weil diese Einsicht fehlt, muss man anders ansetzen. Wir befinden uns im Straßenverkehr ja in einem eng begrenzten Raum, egal ob auf der Autobahn oder auf dem Fußweg. Dieses enge Terrain verzeichnet immer mehr Teilnehmende. Soll das Miteinander zum Beispiel zwischen Auto- und Radfahrenden funktionieren, brauchen wir vor allem mehr gegenseitigen Respekt, müssen wir mehr aufeinander aufpassen, einen Gang runterschalten.

Vor dem Start einen Gang runterschalten

Im Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung steht dazu übrigens: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Es wäre schon viel geholfen, wenn die Menschen erstmal mental auf die Bremse träten, bevor sie losfahren.