Mut zur Besonnenheit: Bei der Debatte um die Lieferung von Panzern aus Deutschland in die Ukraine nerven die beständigen Profilierungs-Reflexe.

Nur kurz nachdem bekannt wurde, dass der französische Präsident Macron dem ukrainischen Militär Spähpanzer schicken will, meldete sich die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann: Deutschland müsse nun endlich schwere Panzer liefern, forderte sie, und man darf davon ausgehen, dass sie deswegen erneut in Talkshows eingeladen wird. Diese beständigen Reflexe nerven.

Auch die CSU stimmte ins „Jetzt aber!“ ein und verlangt, Leopard-2-Kampfpanzer ins Kriegsgebiet zu schaffen. Mal abgesehen davon, dass besonders Unionspolitiker der vergangenen Bundesregierungen dafür sorgten, dass die Bundeswehr eher gefechtsuntauglich geworden ist, hilft die aufgeregte Debatte niemandem. Höchstens dem Geltungsbedürfnis einiger Politiker.

US-Präsident Biden wird gute Gründe haben

Dass Frankreich die Lieferung leichter Panzer ankündigt, wird als Signal sicher nicht missverstanden. Auch Washington denkt über solche Panzer nach, lehnt aber bislang schwerere Modelle wie den Abrams-Panzer ab. Präsident Joe Biden wird gute Gründe dafür haben.

Biden hat Selenskyj sehr viele Milliarden Dollar und Rüstungsmaterial zugesagt – als klare Botschaft an Putin, dass USA und Nato den russischen Angriffskrieg nicht hinnehmen. Zugleich macht Biden immer wieder klar, dass sich der Westen nicht in den Krieg hineinziehen lassen will. Das ist ein sehr, sehr schmaler Grat.

„Marder“-Lieferungen: Kein Einknicken, sondern stimmiges Vorgehen

Bundeskanzler Scholz sollte also weiter in dieser Allianz mitgehen, Vorreiter darf die Bundesregierung aber nicht sein. Dazu gibt es gute Gründe aus historischer Sicht, die auch nach der „Zeitenwende“ gelten. Dass nun wohl deutsche „Marder“-Schützenpanzer geliefert werden könnten, ist daher kein Einknicken, sondern passt in die mit den USA und den Nato-Partnern vereinbarte Vorgehensweise.

Vermutlich ist das alles richtig, um Putin zu stoppen. Zugleich bleibt Besonnenheit in diesem von Moskau angezettelten Krieg weiter wichtig. Hitzköpfe gibt es genug.