Russlands Militär bombardiert mehrere ukrainische Städte. Das Ziel: maximaler Terror und ein Signal eigener Stärke. Doch die Fassade bröckelt.

Russland hat am Montagmorgen mit massiven Vergeltungsschlägen auf die Beschädigung der strategisch wichtigen Krimbrücke reagiert. Raketeneinschläge gab es in Kiew, in Lwiw, Dnipro, Winnizya, Saporischja, Sumy, Charkiw und anderen Städten. Videos aus der Hauptstadt, die seit Juni von Angriffen verschont geblieben war, zeigen brennende Autos und dichte schwarze Rauchwolken. Die Explosionen ereigneten sich zur morgendlichen Rushhour und hatten nur ein Ziel: maximalen Terror verbreiten.

Diese Angriffe auf zivile Ziele zeigt zweierlei: Die maßlose Wut des Kremls über die jüngsten militärischen Niederlagen und die Attacke auf die Krimbrücke – und wie sehr die innerrussische Kritik insbesondere aus nationalistischen Kreisen Putin mittlerweile zusetzt. Der Angriff auf die Krimbrücke am Samstagmorgen ausgerechnet am Tag nach Putins 70. Geburtstag war nicht nur ein strategisches Desaster für Moskau, sondern eine Demütigung, die der Versenkung des Kreuzers Moskwa im April gleichkommt.

Attacke auf Krimbrücke zeigt desaströsen Zustand von Militär und Geheimdiensten

Die Brücke, die zwischen 2015 und 2018 für die enorme Summe von umgerechnet drei Milliarden Euro gebaut wurde, war ein Prestigeprojekt Putins und ein Symbol dafür, dass die Krim für alle Zeiten Russisch sein soll. Über die Brücke wird die Halbinsel vom russischen Festland aus versorgt. Sowohl die Zivilisten dort, unter denen rund eine Million nach der Annexion im Jahr 2014 angesiedelte Festlandrussen sind, als auch das auf der Krim allgegenwärtige Militär. Noch vor wenigen Wochen erklärte das russische Fernsehen vollmundig, wie gut die Brücke geschützt sei und warum sie nicht attackiert werden könne.

Dass dies nun gelungen ist, und zwar vom russischen Festland aus, ist ein weiteres Indiz für den desaströsen Zustand nicht nur des russischen Militärs, sondern auch der russischen Geheimdienste. Anders als die Versenkung der Moskwa hat der Kreml die Beschädigung der Krimbrücke nicht als Unfall dargestellt. Es ist ein Eingeständnis der eigenen Schwäche und des Versagens der Sicherheitskräfte, jedoch auch die Legitimation für die massiven Terrorangriffe auf ukrainische Städte, die von russischen Militärbloggern und Falken wie dem tschetschenischen Despoten Ramsan Kadyrow schon seit Wochen gefordert werden. Nationalistische Kreise haben die Attacken vom Montagmorgen umgehend gefeiert.

Das nimmt den innenpolitischen Druck von Putin. Die Moral der Ukrainer wird durch die mörderischen Angriffe nach den bisherigen Erfahrungen jedoch nicht gebrochen werden. Wahrscheinlicher ist es, dass sie jetzt noch entschlossener Widerstand gegen die russischen Aggressoren leisten.