Die Einhaltung einer Schuldenbremse zur Entlastung künftiger Generationen ist Unfug, wenn am Schulsystem nur herumgedoktert wird.

Die Integration ukrainischer Kinder und Jugendlicher in das ohnehin auf Kante genähte Schulsystem in NRW stellt die Kommunen vor enorme Herausforderungen. In manchen Städten wird bereits Land unter gemeldet, schulpflichtige Kinder können dort nicht versorgt werden. Das ist bitter. Die Schule ist der wichtigste Ort, um in Deutschland ankommen zu können. Ein weiteres Problem für die neue Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU). Ohnehin droht an den Schulen in Nordrhein-Westfalen ein schwieriger Herbst.

Es ist abzusehen, dass coronabedingte Personalausfälle zu erheblichen Einschnitten im Unterricht führen werden. Der Lehrermangel in den Grundschulen insbesondere auf dem Land ist noch immer nicht ansatzweise behoben. Alle Probleme sind hinlänglich bekannt.

Um das Bildungssystem zukunftsfest zu machen – und damit weitere Herausforderungen wie den Fachkräftemangel bewältigen zu können – braucht es jedoch mehr als die üblichen Nachjustierungen. Nötig sind umfassende und radikale Reformen. Der Zugang zum Lehramtsstudium muss erleichtert werden, der Beruf durch bessere Bezahlung, weniger Bürokratie und kleinere Klassen attraktiver gemacht werden. Es müssen aktiver und engagierter Quereinsteiger beworben und Lehrerinnen und Lehrer durch Schulassistenten und sozialpädagogisches Personal entlastet werden. Die Digitalisierung und Modernisierung von Schulen muss mit Nachdruck vorangetrieben werden.

Das alles kostet viel Geld, ist aber zielführend, wie ein Blick ins Bildungsmusterland Finnland zeigt, wo all das Wirklichkeit ist, woran es hierzulande mangelt. Die Einhaltung einer Schuldenbremse zur Entlastung künftiger Generationen ist Unfug, wenn das dazu führt, dass am Schulsystem weiter nur herumgedoktert werden kann. Bildung ist die Grundvoraussetzung für eine prosperierende Gesellschaft.