Politik darf sich nicht auf dem Glauben ausruhen, dass auch bei der nächsten Katastrophe die Hilfsbereitschaft groß sein wird. Sie muss handeln.

Die Flut vor einem Jahr riss Menschen aus ihren Leben und aus ihren Lebenswirklichkeiten. 49 Menschen starben in Nordrhein-Westfalen, 135 waren es in Rheinland-Pfalz. Tausende standen plötzlich vor den Trümmern ihrer Existenzen, Tausende wurden an Körper und Seele verwundet. Diese Katastrophe hat einmal mehr gezeigt, dass das vermeintlich so stabile Fundament, auf dem unser Sicherheitsgefühl ruht, sehr brüchig ist.

Auch ein Jahr nach der Flut sind längst nicht alle Schäden behoben, sind noch immer nicht alle Betroffenen entschädigt worden, dauert die Aufarbeitung der staatlichen Versäumnisse und Fehleinschätzungen an. Aus dem, was vor einem Jahr geschehen ist, müssen zwingend Lehren gezogen werden. Zurecht bemängeln Umweltverbände, dass der Hochwasserschutz nicht mit dem nötigen Engagement vorangetrieben wird. In Zukunft werden extreme Wetterereignisse wie Starkregen zunehmen.

Abläufe beim Katastrophenschutz müssen effizienter werden

Nicht jedes Flüsschen kann mit Dämmen eingehegt werden, aber an jedem Flüsschen können Räume geschaffen werden, auf denen sich das Wasser ausdehnen kann, und überall können Betonflächen entsiegelt werden. Dazu braucht es den politischen Willen, Menschen davon zu überzeugen, dass nicht jedes ausgewiesene Wohngebiet eine Perspektive haben kann. Zudem müssen die Abläufe beim Katastrophenschutz verschlankt und effizienter werden.

Was diese Katastrophe auch bewiesen hat, ist, dass die Gesellschaft dann zusammensteht, wenn Menschen in Not sind. Was die ehrenamtlichen Helfer vor Ort geleistet haben und wie sehr Hunderttausende andere Menschen mit Spenden unterstützt haben, das verdient höchsten Respekt. Die Politik sollte sich aber nicht auf der Gewissheit ausruhen, dass auch bei der nächsten Katastrophe die Hilfsbereitschaft hoch sein wird. Ihre Aufgabe ist es, dass Katastrophen wie die vor einem Jahr so unwahrscheinlich wie irgend möglich werden.