Der aktuelle Konflikt mit Russland deckt einmal mehr ein großes Manko der EU auf: Nationale Interessen verhindern ein gemeinsames Auftreten.

Auf dem Papier herrscht in der Europäischen Union Konsens. Jede russische Aggression in der Ukraine werde „massive Konsequenzen und hohe Kosten“ für Moskau zur Folge haben, warnen die EU-Außenminister einhellig. Tatsächlich aber ist die Europäische Union weit entfernt von einer gemeinsamen und stringenten Strategie gegenüber Russland; zu unterschiedlich sind die nationalen Interessen der Mitgliedsländer.

Länder wie Deutschland oder Österreich sind zu abhängig von den Lieferungen fossiler Energieträger aus Russland, um glaubhaft harte Sanktionen fordern zu können, die baltischen Staaten, Polen und Rumänien fühlen sich vital bedroht von der Truppenmassierung im russischen Grenzraum, Ungarn profitiert von günstigen russischen Gaspreisen, in Frankreich stehen Präsidentschaftswahlen an. Die hektische Reisediplomatie dieser Tage kann nicht kaschieren, dass die EU in exakt dem Zustand ist, in dem sie der russische Präsident Wladimir Putin haben will – uneins und unsicher.