Der Abschied von der Kohle fällt leichter, wenn es Wohlstand gibt. Diese Lehre des Klimagipfels sollte sich Deutschland zu Herzen nehmen.

Dein Grubengold hat uns wieder hochgeholt... So heißt es melancholisch im bekannten Lied „Bochum“ von Herbert Grönemeyer. Tatsächlich hat die Kohle das Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland erst möglich gemacht. Viele Menschen können sich noch gut daran erinnern. Damals redete kaum jemand über die üblen Schäden, die die Kohle in Mensch und Natur anrichtet. Um dies zu begreifen, mussten erst einmal Wohlstand und Demokratie in unserem Land her.

In dieser Art argumentierte jetzt Indiens Premierminister Modi: Wir können erst auf die Kohle verzichten, wenn bei uns die Armut beseitigt ist, sagte er. Für engagierte Klimaschützer und alle, die schneller aus der Kohle herauswollen, klingt solch ein Satz natürlich verheerend. Doch man muss nur an die eigene Geschichte erinnern, um die teuflische Abwägung zwischen sozialer Not und Klima- und Umweltschutz zumindest nachzuvollziehen. Immerhin wollen die reichen Länder nun den ärmeren bei der Klimawende helfen. Das ist immerhin ein kleines positives Ergebnis von Glasgow.