Absturz einer Ikone

Kommentarfoto von Stefan Schulte, Mitarbeiter der Funke Mediengruppe, am Montag, 12. September 2016 im Europa-Center in Essen. Foto: Dana Schmies / FUNKE Foto Services.

Kommentarfoto von Stefan Schulte, Mitarbeiter der Funke Mediengruppe, am Montag, 12. September 2016 im Europa-Center in Essen. Foto: Dana Schmies / FUNKE Foto Services.

Foto: Dana Schmies / FUNKE Foto Services

Thyssenkrupp schrumpft, aber schrumpft sich die Industrie-Ikone auch gesund? Das bleibt die große und nach wie vor völlig offene Frage.

Der Abstieg des Traditionsunternehmens aus dem Dax ist bitter und bedeutet selbstverständlich auch einen nicht zu kleinen Prestigeverlust. Aber er ist nicht entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des einstigen Schwergewichts der ersten Deutschen Börsenliga. Sondern, ob Thyssenkrupp durch die geplante Radikalkur wieder eine gesunde, tragfähige Struktur erhält. Mit Geschäftsbereichen, die sich einerseits ergänzen, andererseits aber auch jeweils für sich überlebensfähig sind. Sprich genügend Gewinne zu erzielen, um Schulden tilgen und Investitionen in die Zukunft bezahlen zu können.

Weil der Konzern diese betriebswirtschaftlichen Grundbedingungen derzeit nicht erfüllt, sondern übers Jahr mehr Geld ausgibt als einnimmt, ist ein radikaler Schnitt, wie ihn Vorstandschef Kerkhoff nun plant, unumgänglich. Noch ist nicht ausgemacht, ob die Aufzugssparte als derzeit einzige Ertragsperle ganz oder nur zum Teil verkauft wird. Milliarden-Einnahmen aus einem Börsengang oder aber Komplettverkauf bauchen die Konzernlenker aber in jedem Fall, um gegensteuern zu können.

Denn die verbleibenden Kerngeschäfte – Stahl, Autoteile, Industrieanlagen – laufen allesamt nicht rund. Ob für Sanierungen, Zukäufe, Investitionen in Zukunftstechnologien (etwa ins CO2-neutrale Stahlwerk) oder nicht zuletzt die Entschuldung: Thyssenkrupp muss mit frischem Geld endlich wieder agieren können statt sich von Krise zu Krise zu hangeln. Das Ziel ist längst nicht mehr, zu altem Glanz zurückzufinden. Sondern aus den Resten der Industrie-Ikone ein gesundes MDax-Unternehmen zu schmieden.

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