Clan-Kriminalität

„4 Blocks“ in Essen

  Das LKA darf in NRW erstmals das Problem mit kriminellen Großfamilien beim Namen nennen. Und das wurde höchste Zeit.

Über die Weihnachtsfeiertage hat NRW-Innenminister Reul endlich „4 Blocks“ sehen können, die viel gelobte TV-Serie über einen fiktiven Clan in Berlin-Neukölln. Die düstere Milieustudie war ihm schon länger empfohlen worden. Was Reul jedoch am Mittwoch in Düsseldorf präsentierte, dürfte ihn stärker gruseln: das erste Lagebild zur Clan-Kriminalität in Nordrhein-Westfalen.

Sein Landeskriminalamt hat 104 Großfamilien ausgemacht, die sich nicht um den Rechtsstaat scheren und unverblümt dunkle Geschäfte betreiben. Unangefochtene Hauptstadt der Clan-Kriminalität ist Essen mit vielen Zuwanderern aus dem Libanon. Es ist bundesweit das erste Mal, dass ein Innenminister das Phänomen der kriminellen Großfamilien mit ihrem kruden Ehrbegriff, ihrem Hang zu Gewalt, protzigen Autos und krummen Geschäften so öffentlich analysieren lässt. Es ist gerade in NRW ein Paradigmenwechsel zur rot-grünen Innenpolitik, die aus Angst vor der Stigmatisierung einzelner Volksgruppen unhaltbare Zustände lieber beschweigen wollte. Reuls setzt sich mit öffentlichkeitswirksamen Razzien in Shisha-Bars gewiss auch gern selbst in Szene. Aber er setzt unbestreitbar das Signal: „4 Blocks“ soll wieder Fiktion sein.

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