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Essener Muslim (17) hat keine Angst vor Austauschjahr in USA

Alae Eddine Sanaa macht an der Gesamtschule Holsterhausen sein Abitur. Die Stufe 12 wird er wiederholen müssen. Doch das nimmt er gerne in Kauf für ein Jahr Erfahrung in Amerika. Hinten: Sein Talent-Scout Cahit Bakir.

Foto: STEFAN AREND

Alae Eddine Sanaa macht an der Gesamtschule Holsterhausen sein Abitur. Die Stufe 12 wird er wiederholen müssen. Doch das nimmt er gerne in Kauf für ein Jahr Erfahrung in Amerika. Hinten: Sein Talent-Scout Cahit Bakir. Foto: STEFAN AREND

Essen.   Die ungewöhnliche Geschichte des Schülers Alae Eddine Sanaa: Er fiel auf durch ein besonderes Talent. Das bringt ihn jetzt in die USA.

Als Muslim für ein Jahr nach Amerika – hat er da nicht Sorge, im Trump-Land diskriminiert zu werden? „Nein, das ist meine kleinste Sorge“, sagt Schüler Alae Eddine Sanaa aus Katernberg.

Seine Geschichte steht beispielhaft für einen bemerkenswerten Bildungsaufstieg im Ruhrgebiet. Sanaas Mutter ist Deutsche, sein Vater kommt aus Tunesien. Vor einem Jahr machte Sanaa erstmals von sich reden, weil er auf eigene Faust die NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann an seine damalige Schule einludt, die Gertrud-Bäumer-Realschule in Altenessen. Die Politikerin kam wirklich, sprach mit Sanaa und seinen Mitschülern über Integration und Vorurteile.

Die Löhrmann-Aktion machte Talentscouts auf Sanaa aufmerksam

Damals wurden Talentscouts auf Sanaa aufmerksam. Das sind Erwachsene, die regelmäßig Schüler darin unterstützen, die richtigen Wege zu finden, sie zeigen Fördermöglichkeiten auf und Bildungswege, über die den Jugendlichen vorher noch niemand was gesagt hat.

Das Ganze ist mittlerweile ein Landesprogramm mit einem „NRW-Zentrum für Talentförderung“ im Norden des Ruhrgebiets; man empfiehl Sanaa, mal bei einem Schülerstipendienprogramm mitzumachen: „Ruhrtalente“. Heute ist der 17-Jährige ein „Ruhrtalent“, hat mittlerweile den Weg zum Abitur beschritten an der Gesamtschule Holsterhausen.

Sanaa geht mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm des Bundestags

Und jetzt? Geht Sanaa nach Amerika. Er setzte sich gegen zehn Mitbewerber durch beim Parlamentarischen Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestags. „Für ein Jahr werde ich in einer Gastfamilie leben und eine High School besuchen“, sagt Sanaa; mehr Details weiß er noch nicht. Nur, dass es im August losgeht.

Und was ist jetzt seine größte Sorge, was Amerika betrifft? „Nicht das Jahr in Amerika, sondern das Wiederkommen. Denn dann muss ich die Stufe wiederholen – wieder neue Leute, dabei habe ich mich gerade so gut eingelebt.“

Die Stufe 12 muss er wiederholen, wenn er wieder in Deutschland zurück ist

Schließlich ist es die Jahrgangsstufe zwölf, die Sanaa in Amerika verbringen wird, da zählt schon jeder Klausurpunkt fürs Abi, deswegen gibt’s zum Wiederholen keine Alternative. Doch die riesige Chance, ein Jahr in den USA zu verbringen, will sich der Schüler nicht nehmen lassen. „Egal, wie unterschiedlich die Jugendlichen sind, woher sie kommen – ein Jahr USA ist mit Abstand das beliebteste Austausch-Jahr“, sagt Marcus Kottmann, Abteilungsleiter der Westfälischen Hochschule, an die das Talentförder-Zentrum angedockt ist.

Sanaa sei ein Beispiel für ein Talent, das auf keinem Zeugnis vermerkt wird: „Er kann sehr gut organisieren und vernetzen. Das hat er in der Vergangenheit mehrfach gezeigt. Solche Begabungen werden oft nicht gesehen. Wir wollen, dass das anders wird“, sagt Kottmann.

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