Ausbildung

Berufsbildungswerk bringt junge Azubis auf den richtigen Weg

Die Ausbildung im Berufsbildungwerk Volmarstein gibt eine erste Richtung vor.

Die Ausbildung im Berufsbildungwerk Volmarstein gibt eine erste Richtung vor.

Foto: WR

Wetter.   Zu wissen, in welche Richtung es im Leben gehen soll, ist für viele junge Leute schwierig. Für körperlich beeinträchtigte Jugendliche ist es jedoch noch einmal ungleich schwieriger. Das Berufsbildungswerk Volmarstein bietet ihnen die Chance, ihren eigenen Weg zu finden.

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Das Berufsbildungswerk (BBW), welches zur evangelischen Stiftung Volmarstein gehört, ist ein Internat für Auszubildende. Es wird von körperlich beeinträchtigen Menschen, die einen schweren Start in Schule, Ausbildung oder Beruf hatten, besucht.

Zum neuen Ausbildungsjahr haben 85 junge Erwachsene ihre Ausbildung begonnen. Sie werden in sieben Berufsbereichen ausgebildet: Grafik, kaufmännischer Bereich, Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft, Orthopädietechnik, Elektronik und Metall. Wir führen ein Interview mit den Auszubildenden Thilo und Michelle, um mehr über das BBW zu erfahren. Sie absolvieren beide eine Ausbildung im Berufsbereich Grafik und wohnen im BBW.

Wir treffen sie in einem großen Arbeitsbereich, in dem jeder Auszubildende einen eigenen Computer hat, im Altbau des Berufsbildungswerkes.

Im Gespräch mit dem Ausbilder

Dabei berichten sie uns, wie sie zum Berufsbildungswerk gekommen sind. ,,Man entscheidet sich nicht einfach dafür, das Internat zu besuchen. Die meisten jungen Menschen haben einen steinigen Weg hinter sich und wurden durch das Arbeitsamt nach einer beschwerlichen Suche hierher vermittelt’’, so Andreas Kersting, Ausbilder im Bereich Grafik.

Thilo ergriff die Chance, seinen Hauptschulabschluss dort zu machen, bevor er die Ausbildung begann. Da sowohl Thilo als auch Michelle körperlich eingeschränkt sind, mussten sie zwischen kaufmännischer und grafischer Ausbildung wählen. Sie seien positiv in diese Ausbildung gestartet. Beide wohnen allerdings schon seit längerer Zeit im Internat. Thilo seit 2007 und Michelle seit 2009. Darum bestehe an so manchem Tag die Gefahr, einen „Lagerkoller“ zu bekommen. „Wenn man immer mit denselben Leuten und Betreuern zusammenlebt, kann das anstrengend werden“, so Thilo.

Vier Wochen Urlaub zu Hause

Während ihrer Arbeitszeit von etwa 7.15 Uhr bis 16.30 Uhr können sie zwei Pausen – einmal 15 und einmal 30 Minuten – zum Essen und Trinken nutzen. Diese können sie in der Cafeteria, Kantine oder in der eigenen Gruppenküche des Internats verbringen.

Ihren dreiwöchigen Sommer- und einwöchigen Weihnachtsurlaub verbringen die Internatsschüler zu Hause, da das Internat in der Zeit geschlossen ist. Die Bewohner der Außenwohngruppen können jedoch in Absprache mit ihrem Betreuer in diesen Zeiten in anderen Einrichtungen wohnen.

In Außenwohngruppe 15 gibt es mehr Geld

„Manche Betreuer können wir duzen. Das stärkt das Vertrauen zwischen uns und ihnen“, erzählt Michelle. Mit einigen Regeln sind Michelle und Thilo nicht immer einverstanden. Im Großen und Ganzen fühlen sich die beiden – was ihre Ausbildung betrifft – wohl. In den Wohngruppen des Internats dagegen nicht so sehr, da die Zimmer recht eng seien für zwei Personen. Über das Wohnen im Berufsbildungswerk berichten Thilo und Michelle uns weiter, dass sie es in den ersten Monaten genossen haben, von zu Hause weg zu sein. Nun betonen sie allerdings, dass sie sich manchmal mehr Privatsphäre wünschen.

Das BBW hat 15 Wohngruppen, von denen Gruppe 15 eine sogenannte Außenwohngruppe ist. Thilo hat sich hierfür beworben, da er selbstständiger werden möchte. In der Außenwohngruppe hat jedes Zimmer ein eigenes Bad und eine kleine Küchennische, die man sich mit dem Zimmermitbewohner teilt. Die internen Bewohner teilen sich eine Gemeinschaftsküche, die jeder Bewohner der Gruppe nutzen kann. „Die Tatsache, dass man in Gruppe 15 auch mehr Geld bekommt, reizt einen schon“, sagt Michelle, die ebenfalls nicht in der Außenwohngruppe wohnt.

Gerne außerhalb des BBW arbeiten

Nach ihrer Ausbildung, die sowohl einen theoretischen als auch einen praktischen Teil beinhaltet, würden beide gerne im Grafikbereich außerhalb des BBW arbeiten. Wenn das nicht klappt, lassen sie sich vielleicht weiter ausbilden. „Wir halten uns noch alle Türen offen“, meint Thilo zuversichtlich, obwohl er einige ehemalige Auszubildende kennt, die heute arbeitslos sind.

Es war für uns eine interessante und gute Erfahrung, mit Thilo und Michelle zu reden, die uns aufgeschlossen und ehrlich unsere Fragen beantwortet haben. Wir hoffen, dass ihre beruflichen Wünsche in Erfüllung gehen.

Romi Jun, Johanna Benscheidt, Milena Dukic und Joy Rahn, Klasse 8d, Geschwister-Scholl-Gymnasium, Wetter

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