Weihnachten

Wie die Kugeln an den Baum kommen

Stillleben Weihnachtskugeln

Stillleben Weihnachtskugeln

Foto: Mark Sonneborn

Lauscha.   Zeus-Reporter Lennart Ahrens über Erfindung, Geschichte und Herstellung des heute unentbehrlichen Weihnachtsschmucks.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Jahre 1847 wurde in dem kleinen Glasbläserdorf Lauscha in Thüringen die gläserne Weihnachtskugel erfunden. Zu dieser Zeit schmückte man die Weihnachtsbäume mit Äpfeln und Nüssen, die sich die Glasbläser aber immer weniger leisten konnten. Der Absatz an Glasperlen ging immer weiter zurück und ließ sie verarmen.

Ein Glasbläser ersetzte daher die Äpfel durch selbst gemachte Glaskugeln. Schon ein Jahr später fand sich im Auftragsbuch eines anderen Glasbläsers eine Bestellung über sechs Dutzend Weihnachtskugeln.

Zunächst wurden die Weihnachtskugeln nur für den regionalen Gebrauch hergestellt. Kleine Glasbläsereien benutzten dazu wachsbetriebene Bunsenbrenner. Der Bau einer Gasanstalt 1867 in Lauscha ermöglichte es erstmals, gleichmäßig dünne Weihnachtskugeln in größerer Stückzahl herzustellen. Nachdem auch noch eine Eisenbahnstrecke zwischen Lauscha und Sonneberg, dem Sitz großer Verlagshäuser, gebaut wurde, stand dem europäischen Handel nichts mehr im Weg.

Frank Winfield Woolworth, Gründer der gleichnamigen Kaufhauskette, wurde auf die neue Erfindung aufmerksam und importierte sie in die USA. Das war der internationale Durchbruch. Bis vor dem ersten Weltkrieg waren die Thüringer Hersteller konkurrenzlos. Doch dann entstanden auch Fabriken in Wien, Böhmen und Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion durch Familienbetriebe wieder aufgenommen. In der DDR übernahmen die volkseigenen Betriebe (VEB) die Massenherstellung. In der Bundesrepublik hingegen wurden schon in den 50er Jahren Weihnachtskugeln aus Plastik gefertigt.

Heutzutage werden Weihnachtskugeln hauptsächlich aus Plastik hergestellt. Dazu wird der Kunststoff auf circa 300°C erwärmt und dann mit hohem Druck in eine halbrunde Form gepresst. Dann schweißt man zwei Halbkugeln zu einer ganzen Weihnachtskugel zusammen. Bei den Billigprodukten ist dann eine umlaufende Naht zu erkennen. Jedoch werden auch heute noch Weihnachtskugeln aus Glas hergestellt. Die Großproduktion erfolgt in Fabriken.

Doch auch die mundgeblasenen Kugeln sind wieder gefragt und das Kunsthandwerk der Glasbläserei erfreut sich steigender Beliebtheit. Doch die Herstellung ist recht aufwendig. Dazu werden die Rohlinge, auch Kolben genannt, in einer Gasflamme auf rund 800 °C erhitzt und dann zu einer Kugel geblasen. Dazu verwendet der Glasbläser meist eine halbrunde Form, in der er die Kugel unablässig dreht. Mit viel Mühe muss er jede Kugel einzeln in die gleiche Form drehen. Wenn die Kugel fertig ist, muss er sie noch von innen mit Silbernitrat verspiegeln und von außen einfärben.

Zurück zum kleinen Ort Lauscha. Seit 21 Jahren findet dort am ersten und zweiten Adventswochenende der Kugelmarkt statt. Dort gibt es eine große Auswahl an originellem Weihnachtsschmuck aus Glas.

Lennart Ahrens
Klasse 8c
Gesamtschule Velbert-Mitte
Velbert

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben