Jugendliche

Sind Jugendzentren noch up to date?

Im  Baeler Jugendkeller wird nicht nur gespielt oder gechillt. Hier werden auch leckere Pizzen gebacken.

Im Baeler Jugendkeller wird nicht nur gespielt oder gechillt. Hier werden auch leckere Pizzen gebacken.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Service

Moers.  Dieser Frage ging MC-Reporter Henning Rütten nach und unterhielt sich darüber mit Carsten Kirchholtes, Leiter des Baerler Jugendkellers.

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Laute Musik, Freudenschreie und das Geräusch von rollendem Kicker oder Billardbällen - diese Dinge hört man, wenn man an einem ganz normalen Wochentag durch die Türen des Baerler Jugendkellers tritt. Und dann fällt sofort auf, dass hier fast nur Kinder anzutreffen sind. „Aber wo sind die Jugendlichen?“, frage ich Carsten Kirchholtes, Leiter des Baerler Jugendkellers.

„Die meisten von ihnen haben wegen der langen Unterrichtszeiten und vielen anderen Dingen immer weniger Zeit und Lust noch zu kommen“, antwortet er.

„Wie hoch ist das ungefähre Durchschnittsalter der täglichen Besucher?“, will ich weiter wissen. „Das Durchschnittsalter der meisten Besucher hier liegt bei acht bis siebzehn Jahren. Es gibt aber auch Ausnahmen wie einen 52-jährigen, ehrenamtlichen Mitarbeiter, der sich auch schon bei meinem Vorgänger engagiert hat. Er ist jeden Montagabend Gast bei uns, da sich dann im Abendbereich die Ehrenamtlichen im JuKe (Jugendkeller) treffen“, so Kirchholtes. In anderen Jugendzentren in Deutschland liegt das Durchschnittsalter bei zehn bis zwanzig Jahren. Vieles deutet darauf hin, dass das Durchschnittsalter in den meisten Zentren sinkt. Auch in Baerl fällt dies auf.

„Kommen weniger Jugendliche als früher in den Jugendkeller?“, frage ich Carsten Kirchholtes.„Es kommen zwar weniger Jugendliche als früher, aber trotzdem nicht weniger Besucher. Was auffällig ist, ist die Tatsache, dass immer mehr Kinder zu uns kommen, auch an anderen Tagen als den für Kinder reservierten Mittwoch“, erklärt er.

Freies Wifi, Kinoabende, spielen oder chillen - alles ist möglich

Um die Zahl der Jugendlichen oder generell der Besucher zu steigern, gibt es viele verschiedene Angebote von Jugendzentren, wie zum Beispiel gemeinsame Fahrradtouren, Sportturniere, Kinoabende oder Bastelangebote. Auch viele kulturelle Veranstaltungen und Workshops werden in Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchengemeinden oder anderen Sponsoren beziehungsweise Veranstaltern organisiert.

In den Zentren selbst gibt es verschiedene Möglichkeiten, sich miteinander zu beschäftigen. Billard oder Kicker spielen, Brett- und Gesellschaftsspiele dürfen dort ebenfalls nie fehlen.

„Gibt es besondere Angebote für Kinder und Jugendliche im Baerler Jugendzentrum?“, frage ich Kirchholtes. „Es gibt viele verschiedene Angebote, die über das Jahr verteilt sind. In den ersten drei Sommerferienwochen gibt es zum Beispiel den Sommerspaß für Kinder (sechs bis zwölf Jahre alt). In dieser Zeit engagieren sich die Jugendlichen als Betreuer. Außerdem gibt es Ausflüge zu einer Eishalle oder zum Mais-Labyrinth. Monatliche oder jährliche Veranstaltungen wie das Kinderkino, Drachen bauen oder Meisenknödel herstellen, erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Besuchern und der Kirchengemeinde. Hin und wieder finden auch spontanere Veranstaltungen wie Kinoabende, Kicker- oder Konsolenturniere und Pizza backen statt“, berichtet der Leiter des Baeler Jugendkellers. An spontanen Kinoabenden können die Besucher Filme vorschlagen und darüber abstimmen, welcher Film geschaut wird, solange er nicht ab 18 ist oder ein Besucher ihn nicht sehen darf.“

Ein Grund dafür, dass immer weniger Jugendliche kommen, könnte auch sein, dass den Jugendlichen die Angebote nicht gefallen. Um dem entgegen zu wirken, führen immer mehr Jugendzentren freies Wifi oder sogar Spielekonsolen ein und können so auch die „Zocker“ oder generell mehr Jugendliche für sich gewinnen.

Ein Jugendausschuss vertritt die Interessen der Jugendlichen

Um die Jugendlichen mitbestimmen zu lassen, gibt es in vielen Zentren und Gemeinden einen Jugendausschuss, der die Interessen und Wünsche der Jugendlichen weitergibt und über Anschaffungen und Veranstaltungen mitentscheiden darf. Der Ausschuss besteht aus drei demokratisch gewählten Jugendlichen und drei Presbytern der Gemeinde. Auch im Baerler Jugendkeller gibt es diesen Ausschuss. Der entscheidet mit, ob etwas Neues angeschafft werden oder was sonst dort so passieren soll.

In Deutschland kommt es immer öfter vor, dass Jugendzentren oder andere soziale Einrichtungen schließen, obwohl Städte oder Gemeinden diese Zentren finanzieren. Manchmal lohnt es sich auch einfach nicht mehr eine Einrichtung oder ein Zentrum zu betreiben, weil zu wenige Besucher kommen. Der Baerler Jugendkeller ist gut besucht, weitere Gäste sind jederzeit herzlich willkommen.

Die Stadt Duisburg und die Kirchengemeinde Baerl finanzieren den JuKe. Das Geld reicht für die laufenden Kosten und einige neue Anschaffungen wie die Playstation 4, weiß Kirchholtes zu berichten.

Jugendzentren haben eine ganze Menge zu bieten

Der Aufenthalt im JuKe ist für die Kinder und Jugendlichen komplett kostenlos. Süßigkeiten und Getränke können für „kleines“ Geld an der Theke erworben werden.

Mein Fazit: Jugendzentren haben ihre Vor- und Nachteile und bieten eine Menge Möglichkeiten, sich zu beschäftigen und Spaß miteinander zu haben. Leider kommen aus verschiedenen Gründen immer weniger Jugendliche in die Einrichtungen, um sich mit anderen zu treffen. Doch es gibt noch Hoffnung in Form einer neuen Zielgruppe: Kinder.

Henning Rütten, Klasse 8D, Gymnasium Adolfinum, Moers

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