Soziales

Ein Tag im Friedensdorf Oberhausen

Die MC-Reporterinnen waren überrascht von der Lebensfreude der verletzten Kinder.

Die MC-Reporterinnen waren überrascht von der Lebensfreude der verletzten Kinder.

Foto: MC

Wesel/Oberhausen.   Die MC-Reporterinnen Julia Richter und Jasmin Adam verbrachten einen Tag in der Einrichtung, in der Kinder aus Kriegsgebieten untergebracht sind. Ihre Eindrücke schildern sie hier.

Spielende, lachende Kinder kommen zur Begrüßung im Friedensdorf Oberhausen auf uns zugelaufen, viele von ihnen mit schweren Verletzungen. Insgesamt leben hier rund 300 Kinder. Das seit 1967 bestehende Friedensdorf behandelt sie hier voraussichtlich ein halbes Jahr, wenn sie keine Chance auf Heilung in ihrem Heimatland haben.

Das sind beispielsweise Länder wie Angola, Afghanistan, Gambia, Gaza, Palästina, der Kaukasus in Georgien oder Nigeria. In diesen Ländern fehlt oft eine angemessene medizinische Versorgung. Die häufigsten Erkrankungen, an denen die Kinder leiden, sind Knochenentzündungen, Verbrennungen und angeborene Krankheiten. Auch Verbrennungen sind nicht selten. Diese entstehen zum Beispiel im Haushalt, wenn die Kinder in offenes Feuer fallen, oder durch Minen. Allerdings kann nicht jedes Kind im Friedensdorf aufgenommen werden. Partner-Organisationen helfen dem Friedensdorf, Kinder auszuwählen oder auch schon vor Ort zu behandeln.

Kinder müssen in ihre Heimat zurückkehren

Eine der Voraussetzungen für die Aufnahme ist die Garantie, dass die Eltern das Kind nach der Behandlung wieder zurücknehmen. Darüber hinaus müssen die Kinder eine realistische Chance auf Heilung haben. Das bedeutet unter anderem, dass die Behandlung in Deutschland nicht zu teuer sein darf. Das Friedensdorf versorgt die Kinder auch noch nach ihrem Aufenthalt in Deutschland mit Medikamenten. Allerdings dürfen die Patienten nicht älter als 13 Jahre alt sein.

Zusammen mit Mitarbeiterin Ricarda Kretschmann gehen wir auf das Gelände des Friedensdorfs. Wir sehen die Kinder spielen. Trotz all ihrer Verletzungen sind sie voller Energie und Lebensfreude. Der Anblick war anfangs sehr ungewohnt und wir wussten nicht so recht, wie wir mit den Kindern umgehen sollten. Doch dann sind sie sofort an uns hochgeklettert und wollten uns gar nicht mehr loslassen, eigentlich genauso wie andere Kinder es in dem Alter auch machen. Später haben wir ihre Verletzungen gar nicht mehr bemerkt.

Die Sprache direkt vor Augen

Schon nach kurzer Zeit im Friedensdorf Oberhausen können die Kinder bereits gut Deutsch sprechen. Sie lernen die Sprache unter anderem im Bildungswerk des Friedensdorfes. Dort gibt es zum Beispiel einen Raum, in dem bunte Zahlen und einfache Wörter an den Wänden hängen. So haben die Kinder die Sprache immer direkt vor Augen. Doch auch andere, ganz alltägliche Dinge werden ihnen dort beigebracht, die für uns selbstverständlich sind: unter anderem, dass man sich vor dem Essen die Hände wäscht oder seinen Müll nicht in den Fluss wirft. Außerdem – und das ist vielleicht das Wichtigste – lernen die Kinder dort den gewaltfreien Umgang miteinander.

Das Bildungswerk gehört zu den drei Arbeitsbereichen des Friedensdorfes. Die beiden anderen sind die Medizinische Einzelfallhilfe sowie diverse Projekte. Medizinische Einzelfallhilfe bedeutet hier, dass man nur einzelnen Kindern helfen kann. Zu den Projekten gehören Impfungen und Gesundheitsstationen vor Ort. Außerdem unterstützen Friedensdorfmitarbeiter die Ärzte in den Ländern bei Geburten und einfachen Operationen, damit die Ärzte die Kinder direkt vor Ort behandeln können.

Unterstützung durch Ärzte im Ruhestand

Krankenhäuser in ganz Deutschland unterstützen das Friedensdorf dadurch, dass sie die Kinder auf eigene Kosten behandeln. Außerdem arbeiten im Friedensdorf vor Ort ehrenamtliche, ehemalige Ärzte, die schon im Ruhestand sind. Abseits davon wird das Friedensdorf fast komplett aus Spenden finanziert.

Wer spenden will, findet dazu weitere Informationen auf der Internetseite des Friedensdorfes www.friedensdorf.de.

Julia Richter, Jasmin Adam, Klasse 8e, Konrad-Duden-Gymnasium, Wesel

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