Verkehr

Kreisrunde Löcher in der Straße

Labortechniker Andreas Vielhaber zeigt Zeus-Reporter David Giersbach im Labor verschiedene Asphaltzutaten.

Labortechniker Andreas Vielhaber zeigt Zeus-Reporter David Giersbach im Labor verschiedene Asphaltzutaten.

Foto: Zeus

Arnsberg/Dortmund.   Gibt es eine logische Erklärung für kreisrunde Löcher in der Straße, fragte sich Zeus-Reporter David Giersbach

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Dieses Foto eines Freundes mit der Frage „Wie kommen die Löcher in die Straße?“ hat mich sehr beschäftigt. Bei Straßenbauarbeiten oder nach Fertigstellung einer neuen Straße waren meinem Freund die Löcher in der neu aufgezogenen Asphaltdecke aufgefallen. Waren hier Vandalen am Werk oder sind etwa Aliens gelandet? Hatte die Baufirma nicht genug Asphalt?

Diese Fragen beschäftigten mich so sehr, dass ich der Sache nachgegangen bin. Als Reporter des Zeus-Projektes habe ich hierzu Labortechniker Andreas Vielhaber von der Firma Ingenieurgesellschaft PTM Dortmund mbH mit Sitz unter anderem in Arnsberg und Dortmund befragt.

Haben Sie eine Erklärung für diese kreisrunden Löcher im neuen Asphalt?

Ja, hier waren keine Außerirdischen am Werk, sondern die Löcher haben wir von der Firma PTM, einer Prüfstelle für Asphalt und Baustoffe, gebohrt.

Warum machen Sie denn neue Straßen wieder kaputt? Macht Ihnen das vielleicht Spaß?

Das hat alles einen tieferen Sinn. Das „Rezept“ für die Asphaltmischung wird zunächst nach den Vorgaben der Straßenbaubehörde für die jeweilige Nutzung entwickelt (zum Beispiel für eine Autobahn, Dorfstraße, Start-/Landebahn oder Rennstrecke) und von uns direkt an das Asphaltmischwerk weitergegeben und dementsprechend wird die Asphaltmischung hergestellt und aufgetragen. Wenn die einzelnen Asphaltschichten nacheinander aufgetragen worden sind, bohren wir an mehreren Stellen Asphaltbohrkerne aus der neuen Asphaltdecke. Wir machen sozusagen die Löcher in den Käse. Anschließend machen wir die Löcher natürlich ordnungsgemäß wieder zu. Diese Asphaltbohrkerne werden dann in unserem Labor auf Verdichtung und Hohlraumgehalt geprüft, und ergänzend dazu in mehreren, teils komplizierten Verfahren wird jede Einbaulage wieder in ihre Bestandteile zerlegt. Die einzelnen Bestandteile (Bitumen, Füller, Sand und Splitt in verschiedenen Größen) werden dann gewogen und ihre prozentualen Anteile errechnet. Stimmt dies mit der ursprünglich vorgegebenen Rezeptur überein, ist alles gut. Weicht die Mischung von der Vorgabe stärker als erlaubt ab, bekommt die Baufirma nicht das vereinbarte Honorar. Bei zu großen Abweichungen muss die Asphaltdecke wieder abgefräst und neu aufgezogen werden, diesmal zu Lasten der ausführenden Baufirma.

Das heißt, Sie kontrollieren mit dieser Bohrung praktisch, ob alles richtig und nach den Vorschriften ausgeführt wurde?

Das stimmt genau. Wenn Du Interesse hast, kannst Du Dir gerne mal einen solchen Prüfablauf in unserem Labor ansehen.

Durch diese Auskunft haben wir jetzt einen kleinen Einblick in diese Materie bekommen und vor allem weiß jetzt jeder unserer Leser, wieso neue Straßen wieder „kaputt“ gemacht werden. Das Angebot zu einer Führung durch das Labor nehme ich gerne an.

Ich habe mich kurze Zeit nach unserem Gespräch selbst im Labor von den teils komplizierten Arbeitsabläufen überzeugen können und einen solchen Prüfablauf mit Vielhabers Hilfe simuliert. Ich bin froh, dass es solche Prüfungen gibt. Hierdurch können bereits frühzeitig gewisse Risiken reduziert werden (beispielsweise Spurrillen auf Autobahnen, extrem glatte Straßenbeläge, schlechter Wasserablauf oder zu laute Beläge, Haltbarkeit). Dafür nimmt man gerne mal ein paar Löcher in der Straße in Kauf.

David Giersbach, Klasse: 8a

Franz-Stock-Gymnasium II

Arnsberg

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