Wissen

Introvertierte werden oft unterschätzt

Introvertierte würden sich manchmal gerne gegen den ganzen Trubel abschirmen.

Introvertierte würden sich manchmal gerne gegen den ganzen Trubel abschirmen.

Foto: WAZ FotoPool

Hagen.   Sie sind zurückhaltend und haben kein Problem mit dem Alleinsein – und werden deshalb oft schräg angeguckt. Introvertierte haben es nicht leicht in einer Gesellschaft, die wie gemacht ist für Extrovertierte. Dabei sind die Introvertierten genauso wichtig, kommentiert Zeus-Reporterin Alena Ulke.

In der heutigen Gesellschaft wird Teamwork und Kommunikation groß geschrieben, egal ob in der Schule oder in der Arbeitswelt. Es ist eine Gesellschaft der Lauten, der Selbstdarsteller, der Risikobereiten, der Kontaktfreudigen oder kurz gesagt: der Extrovertierten. Dabei übersieht man die Stillen, die Zurückhaltenden, die Introvertierten. Oft werden Introvertierte unterschätzt, weil sie ihre Leistungen nicht überzeugend genug präsentieren. Lauteren wird eher zugehört, deshalb haben Extrovertierte oft die eher wichtigen, gutbezahlten Jobs. Denn von jedem Geschäftsmann erwartet man Durchsetzungsvermögen und ein selbstbewusstes Auftreten.

Aber auch Introvertierte haben Stärken, so wie jeder andere. Zum Beispiel sind sie gute Zuhörer, stille Beobachter, die sich Zeit nehmen, ihr Gegenüber zu analysieren. Dadurch erkennen sie Eigenschaften an Menschen, die den Extrovertierten durch ihr ständiges Reden entgehen. Sie bekommen im Allgemeinen mehr mit, doch sie verbrauchen dabei wegen ihrer höhreren Gehirnaktivität mehr Energie, wie vor allem der Harvard-Psychologe Jerome Kagan herausfand. Dadurch sind Introvertierte schneller erschöpft. Außerdem lieben es introvertierte Menschen, zu lernen und das bis ins hohe Alter.

Wer gerne alleine ist, fällt auf

Schon früh werden Kinder darauf gepolt, extrovertiert zu sein. Wer sich in der Schule nicht miteinbringt, egal ob in Gruppenarbeiten oder im Unterrichtsgespräch, bekommt schlechtere Noten. Man macht sich Sorgen um Kinder, wenn sie es bevorzugen, alleine zu spielen. Auch im weiteren Lebensverlauf ändert sich das nicht, wer als Jugendlicher am Wochenende lieber zu Hause bleibt, anstatt mit Freunden feiern zu gehen, fällt auf. Und das nicht unbedingt positiv.

Man sollte jedoch beachten, dass jeder Mensch in verschieden Lebensbereichen verschieden stark intro- oder extrovertiert ist.

Introvertierte langweilen sich seltener

Heute muss man gerne und gut mit anderen interagieren können, um nicht aufzufallen, weshalb sich Introvertierte oft verleugnen oder nicht zu sich selbst stehen. Sie versuchen, sich an die extrovertierte Welt anzupassen, was sie jedoch als anstrengend und ermüdend empfinden.

Ein weiteres Problem, das zwischen Intro- und Extrovertierten auftauchen kann, ist, dass extrovertierte Menschen oft das Gefühl haben, Introvertierten helfen zu müssen, sie unter Leute zu bringen anstatt „immer alleine rumzusitzen“. Außerdem können sich Extrovertierte nicht vorstellen, dass man nicht gerne quatscht oder eben erst nachdenkt, bevor man redet. Gerne wird übersehen, dass Introvertierten nichts fehlt. Sie leben ihr Leben einfach nur anders. Zum Beispiel langweilen sie sich seltener und fühlen sich kaum einsam und benötigen weniger Reize, um glücklich und zufrieden zu sein. Aber für introvertierte Menschen ist es von großer Bedeutung, Zeit mit sich allein zu verbringen, um ausgeglichen zu sein.

Die Welt braucht beide Typen

Eines sollte man jedoch nicht vergessen: Eine erfolgreiche Gesellschaft braucht beide Persönlichkeitstypen, Extrovertierte und Introvertierte. Denn würde es eine Welt ohne Introvertierte geben, wäre dies eine Welt beinahe ohne Wissenschaftler, Ärzte, Mathematiker, Künstler, Musiker, Autoren, Philosophen etc. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass sich unsere Gesellschaft von einer extrovertierten zu einer ausgeglichenen ändert. Es werden meist die extrovertierten Menschen sein, die die Welt prägen.

Alena Ulke, Klasse EF11, Gesamtschule Haspe, Hagen

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben