Demenz

Ist mit Demenz ein Zusammenleben möglich?

Wenn an Demenz erkrankte Personen zuhause wohnen bleiben, müssen oft besondere Vorkehrungen getroffen werden.

Wenn an Demenz erkrankte Personen zuhause wohnen bleiben, müssen oft besondere Vorkehrungen getroffen werden.

Foto: dpa

Duisburg.  Viele ältere Menschen leiden an Demenz. In manchen Fällen sind die Angehörigen überfordert. Aber es gibt Lösungen. Elena Madzarevic stellt eine vor.

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Ich habe eine langjährige Nachbarin, die Alzheimer hat. Ihr besorgter Mann möchte sie nicht in ein Heim geben. Er hat sehr viel Mühe, mit ihr wie mit einem normalen Menschen umzugehen. Zum Beispiel dann, wenn sie fragt, wann sie denn endlich die so bunte Osterdeko aufhängen könne, obwohl es eigentlich Weihnachten ist. Oder auch dann, wenn sie plötzlich nicht mehr weiß, wo und wer sie ist. Auch hat sie sich charakterlich sehr verändert. Bevor sie an Alzheimer erkrankte, war sie eine aufgeweckte, neugierige Frau. Jetzt ist sie jedoch ganz ruhig und schüchtern, hat einen traurig-müden Blick.

Vergesslichkeit auf der Straße

Ich laufe täglich nach der Schule von meiner Bushaltestelle aus nach Hause. Meine Nachbarin spaziert oft um diese Zeit etwas auf unserer Straße. Sie kommt mir entgegen, lächelt mich schüchtern an, begrüßt mich freundlich. Ich laufe zu meinem Haus, stehe an meiner Haustür, als sie an mir vorbeigeht. Sie grüßt mich noch einmal. Hinter einem der Nachbarhäuser verschwindet sie, dann läuft sie plötzlich wieder zurück, schaut mich erst lange fragend an, begrüßt mich dann wieder.

Doch was passiert, wenn mehrere Demenzerkranke zusammenleben und wie gestaltet sich in dem Fall ihr Alltagsleben? Viele der Angehörigen demenzerkrankter Menschen sind mit ihnen überfordert und geben sie ins Heim. Andere geben sich die nötige Mühe und versuchen, die betroffene Person so gut wie möglich bei sich zu Hause zu versorgen und zu pflegen. Doch was viele nicht wissen, ist, dass es auch noch eine andere Möglichkeit gibt. So gibt es zum Beispiel in Hameln Tönebön am See das erste Demenzdorf Deutschlands. Dort leben 52 Demenzkranke auf 11000 Quadratmetern Gelände zusammen. Die Idee stammt von einem niederländischen Vorbild, das Projekt wurde jedoch vom deutschen Pflegerat (DPR) im März 2014 gegründet. Gefördert wird es aus den Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie aus dem Europäischen Sozialfond der Europäischen Union.

Einzelne Wünsche werden berücksichtigt

Einen strikten Tagesablauf gibt es dort nicht nicht. Wenn es heute Schokokuchen zum Kaffee geben soll, gibt es ihn auch. Bei einem Menschen mit Diabetes beispielsweise wird aber dann darauf geachtet, was derjenige sich im kleinen Supermarkt kaufen möchte.

Einkauf im Minisupermarkt

Der Einkauf im Minisupermarkt beginnt damit, dass eine Person sich etwas aussucht. Dann geht sie damit zur Kasse. Die Bezahlung erledigt aber die Begleitperson, einer der 35 Angestellten im Demenzdorf. Etwas anders läuft es an der Bushaltestelle. Ein Bus fährt dort nie vorbei.

Positiv gewertet wird die tolle Atmosphäre - in den großen Gebäuden als auch außerhalb von ihnen.

Das Dorf ist nicht jedermanns Sache

Nun, ich kann mir gut vorstellen, dass noch weitere Demenzdörfer in Deutschland eröffnet werden, denn das Konzept an sich funktioniert wirklich gut. Ich glaube aber nicht, dass alle Demenzkranken dann in solch ein Dorf einziehen würden. Grund dafür könnte vielleicht die Angst seni, es könne sehr einem Heim ähneln oder aber vielleicht auch deswegen, weil die Verwandtschaft das nicht möchte. Genauso, denke ich, ist es bei meiner Nachbarin auch. Sie würde lieber bei ihrem Mann weiterleben. Er würde es auch lieber haben, dass sie bei ihm bleibt. Aus diesem Grund glaube ich, dass sie wahrscheinlich nicht irgendwann in einem Heim oder einem Demenzdorf leben wird. Jeder mag es halt anders, aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich bei Demenz Hilfe zu holen.

Elena Madzarevic, Klasse 8e, Steinbart-Gymnasium Duisburg

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