Ernährung

„Also Vegan könnt ich nicht!“

Vegane Spinatsuppe – viele Menschen schreckt eine vegane Ernährung ab.

Vegane Spinatsuppe – viele Menschen schreckt eine vegane Ernährung ab.

Foto: Fredrik von Erichsen

Düsseldorf.  Ob aus gesundheitlichen, Umwelt- oder Tierschutzgründen, die vegane Lebensweise erlebt einen Aufschwung – mit steigender Tendenz. Zeus-Reporterin Nadine Blaszak befasst sich mit den grundlegenden Vorturteilen gegenüber veganer Ernährung.

Rund 900.000 Menschen in Deutschland leben vegan und ernähren sich rein pflanzlich, ohne tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milch, Eier oder Honig. Auch wird auf Leder, Seide, Wolle und kosmetische Produkte mit tierischen Inhaltsstoffen verzichtet.

VeggieWorld in Düsseldorf ein großer Erfolg

So wundert es niemanden, dass die diesjährige VeggieWorld in Düsseldorf vom 25. bis 27. Oktober ein absoluter Erfolg war, auf der sich die über 10.000 Besucher bei circa 70 Messeständen über die neuesten Produkte des vegetarisch-veganen Lifestyles informieren konnten. Doch womit, außer der Auseinandersetzung mit Lebensmitteln und der somit verbundenen tierleidfreien Lebensweise, werden Veganer tagtäglich konfrontiert?

Wie reagiert die Umwelt auf sie?

Den fünf gängigsten Standardaussagen von Nicht-Veganern bin ich, selbst vegan lebend, auf den Grund gegangen um herauszufinden, was dran an ihnen ist.


„Du verpasst echt etwas und weißt gar nicht wie lecker das ist!“
Die meisten Vegetarier und auch Veganer haben in ihrer Vergangenheit tierische Produkte konsumiert und sich freiwillig und aus guten Gründen gegen sie entschieden. Jeder Veganer kennt somit den Geschmack von Butter oder Milch, jedoch auch den Geschmack von einem reinen Gewissen, welches man erhält, wenn man auf diese verzichtet und somit den aktivsten Schutz vor Ausbeutung und Mord für Tiere betreibt. Die vegane und vegetarische Küche bieten viele abwechslungsreiche Gerichte, sodass die Geschmacksnerven in keinster Weise zu kurz kommen.

„Dir fehlen doch alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe!“

Dies ist jedoch nur der Fall, wenn man sich auch in der veganen Ernährung ungesund ernährt und es kann ebenso in einer anderen Ernährungsweise geschehen. Nährstoffe stecken sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln, sodass bei einer ausgewogenen veganen Ernährung kein Grund zur Sorge für eine Unterversorgung bestimmter Stoffe besteht. Eiweiße befinden sich in einer großen Zahl in Hülsenfrüchten, Sojaprodukten, Nüssen und Vollkornprodukten. Kohlenhydrate befinden sich in unzähliger Menge in Gemüse, Obst, Kartoffeln oder Reis. Eisen findet sich in Hülsenfrüchten, Getreide, Hirse oder Samen wieder. Jod kann über Salz aufgenommen und Kalzium über Soja, Tofu, Vollkornprodukte oder getrocknetes Obst. In Nährstofftabellen, welche im Internet zu finden sind, kann man sich einen schnellen Überblick über pflanzliche Lebensmittel und ihre Nährstoffe verschaffen.

„Du kannst ja gar nicht mehr in Restaurants essen gehen!“

Auch das ist nicht vollkommen korrekt. Immer mehr Restaurants bemerken den Trend zum veganen Lebensstil und versuchen diesem auf ihren Speisekarten zumindest ansatzweise zu folgen. Auch wenn es bis jetzt erst wenige vegane Restaurants gibt, so kann man sich im Vorhinein bei dem entsprechenden Restaurant informieren und den Koch bitten, ein pflanzliches Gericht vorzubereiten. Fleischfreie Gerichte trifft man heutzutage überall an und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch vegane Gerichte auf den Karten vermerkt sind.

„Wenn ich vegan leben würde, würde das den Tieren auch nicht helfen!“

Jeder einzelne von uns kann dazu beitragen eine bessere Welt zu schaffen und sollte als erstes bei sich selbst anfangen. Die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Produkten steigt und es existiert ein neuer Lebensstil, welcher den Tieren zugunsten kommt. Auch wenn man nicht direkt alle Schlachthäuser schließen und die Fleischtheke leerräumen kann, so kann man jedoch ein Zeichen setzen, sodass ein neues Augenmerk auf die Ausbeutung und das Leid der Tiere gesetzt wird. Schritt für Schritt kann so eine neue leidfreie Gesellschaft entstehen, in der Lebewesen nicht als Ware betrachtet werden, sondern als liebevolle, intelligente und empfindsame Geschöpfe.

„Ich esse nur Bio-Fleisch, den Tieren geht es besser!“

Auch die Tiere aus der Bioindustrie, werden nicht todgestreichelt oder geben ihre Milch freiwillig ab. Ist das Tier für das Unternehmen nicht mehr rentabel, gibt zu wenig Milch oder nicht genügend Eier, wird es geschlachtet. Hühner welche bis zu 20 Jahre alt werden können, erreichen somit meist nicht einmal ihr zweites Lebensjahr. Der Unterschied besteht in größeren Ställen und der Nahrung, die an die Tiere verfüttert wird, welches jedoch auch nicht ihrer Lebensqualität zugunsten kommt. Ob das Fleisch, die Eier oder die Milch aus Bioindustrie stammt oder nicht – es bleibt Ausbeutung und Mord.

Empathie, gegenseitiges Verständnis, der Mut zur Veränderung und das Brechen jahrelanger Tradition und verankertem Denken sind der Schlüssel für eine neue leidfreie und bessere Welt und ein jeder kann mit seiner Entscheidung zu dieser neuen Welt beitragen. “Niemand macht einen größeren Fehler als derjenige, der nichts tut, weil er glaubt, nur wenig tun zu können!” (Edmund Burke, 1729-97, englischer Philosoph)

Nadine Blaszak, Klasse: FOS 12.2, St. Ursula Berufskolleg, Düsseldorf

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