Handysucht

Heiligtum aller Jugendlichen – das Smartphone

Die Kommunikation der Heranwachsenden erfolgt heute zu einem großen Teil durch den Austausch von Kurznachrichten.

Die Kommunikation der Heranwachsenden erfolgt heute zu einem großen Teil durch den Austausch von Kurznachrichten.

Foto: dpa

Castrop-Rauxel.   Täglich ist es so zu sehen: Junge Menschen, kaum einen Blick abwendend von ihrem Smartphone, Schüler, die sich durchgängig Nachrichten senden, egal wie weit sie voneinander entfernt sind. Zeus-Reporterin Marlene Meier kennt sich mit dem Thema aus.

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Täglich ist es so zu sehen: Junge Menschen, kaum einen Blick abwendend von ihrem Smartphone, Schüler, die sich durchgängig Nachrichten senden, egal wie weit sie voneinander entfernt sind. Vertraut sind diese Bilder heute, denn immer mehr wird die Technik zum ständigen Begleiter der Pubertät. Immer niedriger wird das Alter, mit dem der Durchschnitt der Kinder ihr erstes Smartphone bekommen.

88% der Kinder und Jugendlichen unter 19 Jahren besitzen ein internetfähiges Handy. Allerdings haben nur 60% davon auch eine Internetflatrate. Technik, wie Handys, Laptops und ähnliches, ist zum Alltag in der Pubertät und darüber hinaus geworden. Die Anzahl der Jugendlichen im Besitz eines Smartphones ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Hirnforscher warnen vor digitaler Demenz, doch kaum eine solche Warnung kann zu den Jugendlichen durchdringen.

Auch im amerikanischen Raum wird seit Jahren gewarnt. Auf der TED-Konferenz mahnte die US-Soziologin Sherry Turkle, dass der Wunsch nach dauerhaftem Verbundensein nur zu noch größerer Einsamkeit und Selbstisolierung führe. Bei vielen Älteren liegt das Problem nicht dort, ins Netz hinein zu gelangen, sondern darin, wieder heraus zu kommen.

Laut Jugendmedienstudie JIM besaßen 2013 bereits über die Hälfte der zwölf- bis dreizehn-Jährigen ein Smartphone, die Jugendlichen bis 19 Jahre lagen schon bei über 70%. Die mobile Internetnutzung, nahm daher rasant zu und durchschnittlich sind Jugendliche nun 3 Stunden täglich online.

Eltern erkennen das Problem

Auch die Eltern erkennen mittlerweile das Problem und blicken mit Sorge auf die junge Generation. Sie kennen diese unerträgliche Unerreichbarkeit der Jugendlichen, die nahezu verschwunden sind in der Welt des Smartphones. Eigentlich ist das Problem, nur die fehlende Selbstbeherrschung der Jugendlichen. Beim gemeinsamen Frühstück und Abendessen, könnte man sein Smartphone zur Seite legen, ebenso wie bei gemeinsamen Gesprächen. Einige Schüler meldeten sich sogar von Facebook ab, allerdings weniger wegen einer Sucht, sondern eher wegen des NSA-Skandals. Die Ablenkung durch Medien ist enorm.

„Einerseits macht es natürlich Spaß und man erhält über Facebook ständig Neuigkeiten von Seiten, die man gelikt hat“, so Schüler Moritz Lang. Andererseits vergesse man das Gelesene in dem Überfluss von Nachrichten schnell wieder, ergänzte er, doch gab er zu, dass er sich da auch manchmal drin verfange.

Bildungseinrichtungen, wie Schulen, Berufskollegs etc. glauben längst nicht mehr an die Selbstkontrolle der Schülerinnen und Schüler, sondern setzen ein striktes Handyverbot. Dies herrscht in vielen Bildungseinrichtungen nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Pausen und auf dem gesamten Gelände. Bei Verstoß gegen die Regeln droht meistens der Entzug des Geräts; zurück erlangen tut man es meistens durch den Besuch eines Erziehungsberechtigten beim zuständigen Direktor.

Schüler holen alles im Unterricht nach

Aktivitäten, wie Gespräche führen, Essen, Trinken und der Gang auf die Toilette, holen die Schüler im Unterricht nach, so leidet auch die Konzentration und Aufmerksamkeit.

Für einige Leute ist diese Handysucht schon wieder verständlich. Internetsoziologe Stephan Humer gehört zu diesen Leuten. Allein aus dem Grund, dass Telefonzellen weniger werden, ist ein Handy notwendig, um unterwegs zu kommunizieren. Ähnliches gelte für das Internet: „Was früher Klavierstunden oder Hausunterricht war, ist heute die Zeit, die man online ist“, ließ Homer verlauten. Dass das Online-Dasein ein Teil des Lebensalltags geworden ist, belegte eine Bitkom-Studie zur „Jugend 2.0“. Die Studie belegte, dass sich circa die Hälfte der deutschen 13- bis 18-Jährigen ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen kann.

Jedoch zeigen aktuelle Umfragen in den USA von Common Sense Media Research und dem Pew Research Institute, dass soziale Netzwerke für Jugendliche öfter positive als negative Effekte haben. Viele Jugendliche in den USA sagen, dass der Umgang mit Netzwerken sie selbstbewusster und extrovertierter leben lässt. Dank Facebook und Co. habe sich sogar das Verhältnis zu Familie und Freunden verbessert. Trotz Textnachricht und Sprachnachricht bevorzugen die meisten Jugendlichen weiterhin die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Die aktivsten im sozialen Netzwerk suchen am meisten auch den Kontakt zu ihren Freunden. Also Vereinsamung und soziale Vereinsamung durch Technik und soziale Netzwerke? Eher nicht!

Eine Flexibilität ist in den USA noch erwiesen: Wenn die Jugendlichen von einem Netzwerk genervt sind, ziehen sie weiter und sind nicht von einem einzigen Dienst abhängig. Der Großteil aller Teenager in den USA ist bei weitaus mehr, als nur einem Netzwerk angemeldet.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/mediennutzung-von-jugendlichen-immer-online-nie-mehr-allein/9652054.html

Zeus-Reporterin Marlene Meier, 8d, Ernst-Barlach-Gymnasium, Castrop-Rauxel

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