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Gesunde Freude am Sport oder Schönheitswahn?

So wie diese Bodybuilderin trainieren bereits viele Schüler in Fitnessstudios. Mit dem Einverständnis der Eltern ist dies meist möglich – aber ist es auch gesund?

So wie diese Bodybuilderin trainieren bereits viele Schüler in Fitnessstudios. Mit dem Einverständnis der Eltern ist dies meist möglich – aber ist es auch gesund?

Foto: Kai Kitschenberg

Bottrop.   Was immer mehr Jugendliche in Fitnessstudios treibt, versucht Anna Nagel herauszufinden. Ist es das Streben nach falschen Idealen?

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Immer mehr Jugendliche gehen schon in jungen Jahren in Fitnessstudios. Aber aus welchen Gründen? Und betreiben sie ihren Sport überhaupt noch gesund?

Die Muckibuden, die am frühen Morgen die dunklen Straßen beleuchten, haben schon geöffnet. Viele Jugendliche mit Sporttaschen, Schultonnen und müden Gesichtern stehen davor. Bevor sie zur Schule oder Uni gehen, wollen sie noch einen Abstecher beim Sportcenter machen. Viele sehen sich davor noch ein Bild auf Instagram an, von einer Person mit perfektem Körper. „So will ich auch mal aussehen“, erklärt ein junges Mädchen mit sehnsüchtigem Blick, „zehn Kilo muss ich dafür abnehmen“. Doch warum ist es den Jugendlichen so wichtig, eine Figur wie beispielsweise Kylie Jenner zu haben?

Zwar besagt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2013 zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern in rund 40 Ländern, dass 80 Prozent der Jugendlichen in Deutschland zwischen elf und 15 Jahren zu wenig Sport treiben und bei den 15-Jährigen nur noch 13,6 Prozent der Jungen und 8,6 Prozent der Mädchen sich ausreichend bewegen – doch der Trend, in Sportcenter zu gehen und zu „pumpen“ oder auf dem Laufband zu laufen, steigt – vor allem bei Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren.

Nur noch Prominente mit Modelmaßen

An sich ist das keine schlechte Sache und gesund, aber was geht zu weit und was treibt die Jugendlichen dazu an? Grund dafür könnte sein, dass auch viele Prominente „perfekte“ Figuren haben. Gerade bei den weiblichen Models laufen nur noch spindeldürre Mädchen über den Laufsteg, die sich an strenge Diäten halten. Pummelige Sängerinnen ohne Modelmaße gibt es kaum noch.

Das Schönheitsideal der Frauen im Jahr 2016 sind haarlose Beine, eine schlanke Figur und teure Markenklamotten. Bei den Männern gilt: ebenfalls haarlos, muskulös gebaut und mit schönen Haaren auf dem Kopf. Die Oberflächlichkeit und die Wichtigkeit des Aussehens sind von Jahr zu Jahr gestiegen, was man beim Vergleich heutiger Zeitschriften mit älteren Zeitschriften sehen kann. Kurven sind für die meisten Jugendliche out geworden.

Mit Krafttraining Stress abbauen

Doch warum genau treiben Jugendliche nun Sport? Ich habe meine Brüder, die ebenfalls regelmäßig in Fitnessstudios gehen, befragt. „Um sich wohl zu fühlen“, sagt Johannes (17). „Wenn ich eine unförmige Figur hab’, fühl ich mich halt nicht so wohl.“ „Außerdem ist man schneller schlapp, viele Klamotten sitzen nicht richtig und wenn ich keinen Sport mache, bin ich gestresster. Mit Krafttraining kann ich einfach gut Stress abbauen“, ergänzt Aaron (21). Ich frage meine Brüder, ob sie Sport auch machen, um schöner auszusehen. Till (23) antwortet ziemlich schnell: „Schon, man ist zufriedener mit sich selbst, wenn man in den Spiegel guckt. Aber ich tu es hauptsächlich wegen der Gesundheit. Wenn man keinen Sport treibt, ist das ungesund, aber übertreiben sollte man es ja auch nicht.“

Also geht es den dreien eher um Spaß und um körperliches Wohlbefinden. Als ich sie frage, ob sie Leute, die keinen Sport treiben, unschön finden, sagen sie nein. Doch um herauszufinden, ob es generell in der Jugend von Belang ist, welche Figur man hat, habe ich einige Schüler im Alter von 13 bis 15 gefragt, ob sie schon mal zu ihrer Figur negative Kommentare bekommen haben. Franzi (13) meint: „Also früher hieß es, dass ich dick bin. Dabei war ich nur etwas fülliger, weswegen ich nicht mehr so viel gegessen habe. Jetzt bin ich aber gewachsen und sehe schlanker aus.“ „Früher wurde mir immer gesagt, ich wäre viel zu dünn und untergewichtig. Meine Eltern wollten dann, dass ich Sport mache, aber schlussendlich habe ich mir doch nur Workouts über YouTube angesehen“, schildert Jasmin (13) hingegen.

Sport birgt für Unerfahrene ein großes Verletzungsrisiko

Wie bereits erwartet, sind viele Jugendliche unzufrieden mit ihrem Körper, allein aufgrund blöder Kommentare. Manche reagieren mit gesundem Sport darauf, andere mit ungesundem und viele auch mit Diäten. Zum gesunden Sport gehört ausreichend Trinken wie auch eine gesunde Ernährung, das Vermeiden von Überbelastung, Sportpausen bei Krankheiten und Ausheilung bei Verletzungen. Doch der Großteil der Jugendlichen informiert sich nicht sorgfältig genug über seine Sportart. Dadurch machen sich manche Jugendliche beim Krafttraining zum Beispiel Gelenke kaputt und bekommen dadurch Probleme im höheren Alter. Gerade bei günstigen Sportcentern mit vielen Kunden gibt es zu wenigen Trainer, die auf die Jugendlichen aufpassen und ihnen bei Übungen helfen. Auf YouTube-Videos sollte man sich auch nicht verlassen. Wenn man nicht an Sport AG´s teilnehmen möchte und dennoch Sport machen will, sollte man auf jeden Fall einen Trainer im Sportcenter um Rat bitten.

Fazit: Mit Sicherheit geht ein großer Teil der Jugendlichen wegen falscher Schönheitsideale und weil es gerade Trend ist ins Fitnessstudio. Allerdings haben die Jugendlichen keine Erfahrung und sind verletzungsgefährdet. Der Spaß am Sport ist eher bei den schon reiferen jungen Erwachsenen vorhanden. Was gesund ist und was nicht, übersehen die meisten, da sie nur das Endergebnis vor Augen haben, zum Beispiel von Bilder auf Instagram. Sport ist eine gute Sache. Doch Jugendliche sollten besser informiert werden.

Anna Nagel, Klasse: MSD Publizistik, Josef-Albers-Gymnasium, Bottrop

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