Inklusion

Gemeinsames Lernen - Inklusion ausgerechnet am Gymnasium?

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Foto: dapd

Bochum.   Lernbehinderte Kinder besuchen Hellweg-Gymnasium in Wattenscheid.

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Die Stadt Bochum hat beschlossen, dieses Jahr an der Hellweg-Schule eine Inklusionsklasse einzurichten. Deswegen besuchen seit dem Schuljahr 12/13 5 Inklusionskinder unsere Schule.

Lena* freut sich, sie ist Klassensprecherin geworden, dabei war vor ein paar Jahren nicht einmal klar, ob sie auf eine Regelschule gehen kann. Denn Lena* ist ein besonderes Kind, sie und 4 andere Kinder sind lernbehindert und besuchen jetzt die Inklusionsklasse der Hellwegschule.

Ist das nicht ein Widerspruch? Lernbehinderte Kinder besuchen das Gymnasium, eine Schule, die Leistung fordert und zum höchsten deutschen Schulabschluss, dem Abitur führt?

Vorteile für alle Schüler

Hierzu sagt das Schulministerium in NRW auf seiner Homepage: „Es ist das Ziel der nordrhein-westfälischen Landesregierung, das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen in den Schulen des Landes auszubauen. Die Förderung auch von Schülerinnen und Schülern mit unterschiedlichen Behinderungen soll in den allgemeinen Schulen der Regelfall werden, der Unterricht in Förderschulen auf Wunsch der Eltern aber weiterhin möglich bleiben. Zahlreiche Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass dieses gemeinsame Lernen sowohl Vorteile für die Lernentwicklung der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen als auch der Schülerinnen und Schüler ohne Behinderungen hat.“

Seit 2010 rückt die Inklusion als eine zentrale Forderung der EU, der Bundesregierung und unserer Landesregierung in den Mittelpunkt der Bildungspolitik.

Teilhabe am sozialen Miteinander

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch als selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft anerkannt wird und am sozialen Leben teilnehmen kann, unbeachtet dessen persönlichen Unterstützungsbedürfnisse.

„Der Unterricht der Inklusionsklasse findet immer mit zwei Lehrern im Team statt“, erklärte Frau Zisowski, eine der Teamlehrerinnen der Inklusionsklasse. „Insgesamt wird die Klasse von 5 Lehrern und einer Förderschulschullehrerin unterrichtet, die sich auf diese Aufgabe besonders vorbereitet haben.“ Sie besprechen in wöchentlichen Teamsitzungen Unterricht und andere wichtige Dinge.

Stationenlernen und Wochenpläne

Im Unterricht wird versucht auf jedes Kind individuell einzugehen. „Besonders geeignet sind dafür Stationenlernen und Wochenpläne, bei denen die Kinder ihr Lerntempo selber bestimmen “, erzählte Frau Zisowski.

Individuell sind auch die Abschlüsse. Während die Regelkinder ihr Abitur machen, können die Inklusionskinder hier ihren Förderschulabschluss ablegen.

Zusammenhalt wird gestärkt

Zum Abschluss fragten wir zwei Schüler der Inklusionsklasse, wie es ihnen dort gefällt. „Ich finde es hier sehr gut“, erzählte Jan*. „Wir sind eine sehr ruhige Klasse“, ergänzte Lisa*. Jan* meinte auch: „Der Zusammenhalt in unserer Klasse ist sehr stark, jeder wird respektiert“. „Bis vor kurzem war auch niemandem klar, wer die Inklusionskinder sind, das spielt aber auch keine Rolle, lernen mit ihnen macht genauso viel Spaß wie mit den anderen“, fügte Lisa* hinzu.

An dem Beispiel dieser 5. Klasse erkennt man, wie gut der Unterricht und das Zusammenleben in einer Inklusionsklasse funktionieren. Vielleicht finden wir bald solche Klassen an allen Schulen und es gibt keine Unterteilung oder Ausgrenzung mehr.

*Namen von der Redaktion geändert.

Hannah Dißelbeck und Isabell Thal, Klasse 8d, Hellweg-Gymnasium, Bochum-Wattenscheid

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