Interview

„Wölfe sind scheu, aber neugierig“

Ein Wolfsrudel tollt im hessischen Wildpark Knüll bei Homberg/Efze herum. Die CDU fordert aktuell eine Obergrenze für Zahl der Wölfe im benachbarten Niedersachsen .

Ein Wolfsrudel tollt im hessischen Wildpark Knüll bei Homberg/Efze herum. Die CDU fordert aktuell eine Obergrenze für Zahl der Wölfe im benachbarten Niedersachsen .

Foto: Uwe Zucchi

Bochum.   Seit einigen Jahren gibt es wieder Wölfe in Deutschlands Wäldern. Nele Dörnbaum sprach mit einem Wolfsexperten über das Verhältnis Mensch-Wolf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In fünf Bundesländern wurden Wolfsrudel im vergangenen Jahr gesichtet. Auch, wenn NRW noch nicht dazu gehört, stellt man sich darauf ein, dass sich der Wolf auch wieder im Flächenland NRW ansiedelt.

Mehr als hundert Jahre lang gab es keine Wölfe mehr in Deutschland. Seit 2000 siedelt sich das größte Raubtier aus der Familie der Hunde wieder an. Ob der Wolf überhaupt noch in die deutschen Wälder passt und wie Schäfer reagieren, erzählt Manfred Albracht, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Luchs-Wolfsberatung NRW, MC-Reporterin Nele Dörnbaum..

Nele: Was denken sie über die Rückkehr der Wölfe? Passen sie überhaupt noch in die deutschen Wälder?

Manfred Albracht: Nicht in alle. Entscheidend sind zum Beispiel Faktoren wie: ungestörte Rückzugsgebiete, Wilddichte, Bevölkerungsdichte. Genug Beutetiere, wie zum Beispiel Rehwild, sind vorhanden. Dabei entsteht keine wirkliche Konkurrenz zur Jägerschaft.

Nele: Zäune bieten für die Schafe keinen wirklichen Schutz gegen Wölfe. Was meinen Sie, wie sollten Schäfer reagieren?

Manfred Albracht: Es gibt Herdenschutzzäune, die sich Schäfer ausleihen können, sobald der erste Wolf sich in NRW ansiedelt. Inzwischen bezuschusst das Land NRW in zukünftigen Wolfsgebieten Schutzmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde.

Nele: Es kam schon öfters in Deutschland vor, dass Wölfe gegenüber Menschen und Hunden keine Scheu hatten. Sollte man nur noch mit angeleinten Hunden in Gruppen gehen?

Manfred Albracht: Junge Wölfe sind neugierig. Wölfe sind aber scheue Tiere und Menschen gehören nicht zu ihrem Beuteschema. Werden sie jedoch von Menschen gefüttert, gewöhnen sie sich daran, verlieren ihre natürliche Scheu und werden weniger berechenbar. Hunde sollten im Wald immer angeleint sein, zum Schutz der Wildtiere.

Nele: Aktuell sind es angeblich wieder knapp 40 Rudel, besteht die Gefahr, dass die Wölfe überhand nehmen und so die Rehe ausrotten?

Manfred Albracht: Nein. Im Moment ist die Rehpopulation sehr groß. Dazu gibt es aber auch wissenschaftliche Studien, die besagen, dass sich die Beutepopulation durch die Ansiedlung von Wölfen nicht signifikant ändert.

MC-Reporterin Nele Dörnbaum, Klasse 8, Lessing-Schule, Bochum

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben