Gesundheit

Wenn die Welt dunkel wird

Ein sehbehinderter Schüler lernt mit einer Lupe. Noch immer hat die Medizin kein Heilmittel gegen Blindheit gefunden.

Ein sehbehinderter Schüler lernt mit einer Lupe. Noch immer hat die Medizin kein Heilmittel gegen Blindheit gefunden.

Foto: Oliver Berg

Xanten.   Rund 1,2 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Sehbehinderung. Hannah Schwarz hat ihren blinden Großvater zu dem Thema interviewt.

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Sehbehinderung ist eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten. Allein in Deutschland leben rund 1,2 Millionen Menschen mit dieser Art der Behinderung. Doch was versteht man überhaupt unter einer Sehbehinderung oder Blindheit? Wenn eine Person trotz des Verwendens einer Brille oder Kontaktlinsen nicht einwandfrei sehen kann, bezeichnet man sie als sehbehindert. Das kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Es gibt beispielsweise Erkrankte, die nur noch wenig Sehkraft haben. Andere können nur noch Lichtschein wahrnehmen. Blind ist ein Mensch, wenn er überhaupt nichts mehr sehen kann. Die Ursache der Seheinschränkung ist ebenfalls bei jedem Betroffenen eine andere. Es gibt viele verschiedene Dinge, durch die man erblinden kann. Manche Leute können von Geburt an nichts sehen, andere verlieren ihr Augenlicht durch einen Unfall. Selbst aufgrund von Krankheiten wie Diabetes ist eine Sehbehinderung möglich.

Zudem gibt es unterschiedliche Schäden im Auge, durch die eine Person nicht mehr einwandfrei sehen kann. Manchmal kommt es vor, dass der Augapfel die Ursache ist. Die meisten Menschen, die ohne Schwierigkeiten sehen, können sich nicht vorstellen, wie es ist, blind zu sein. Aus diesem Grund habe ich meinem Opa Kurt Schorn, der selbst sehbehindert ist, einige Fragen zu diesem Thema gestellt. Früher konnte er noch ohne Einschränkung sehen, doch seit 40 Jahren werden seine Augen aufgrund einer Krankheit immer schlechter. Mittlerweile kann er kaum noch etwas sehen.

Hannah Schwarz: Welche Probleme bereitet dir deine Augenkrankheit im Alltag?

Kurt Schorn: Es ist schon ziemlich schwierig, im Alltag klarzukommen. Beim Gehen muss ich aufpassen, nirgendwo gegen zu laufen. Außerdem kann ich nicht mehr Auto fahren; es ist es schwierig für mich, an Informationen zu kommen, da ich nicht fernsehen kann und auch Zeitung lesen kann ich nicht mehr.

Bist du durch deine Behinderung auf Hilfe anderer Menschen angewiesen?

Ja, das kommt sehr oft vor. Wenn ich beispielsweise in die Stadt möchte, muss ich gebracht werden. Oder wenn ich mit dem Bus fahre, muss ich zuerst nach der Linie fragen. Auch, wenn ich beim Einkaufen etwas suche, benötige ich Hilfe von der Bedienung.

Ist deine Sehbehinderung ein großes Problem für dich oder hast dich mit ihr abgefunden? Führst du trotz der Krankheit ein glückliches, zufriedenes Leben?

Ich brauchte eine bestimmte Zeit, um mit der Behinderung klarzukommen. Anfangs war sie ein großes Problem für mich. Doch ich konnte mein Leben nach und nach einrichten. Jetzt kann ich auch ein glückliches Leben führen. Allerdings gibt es auch Menschen, die es nicht schaffen, sich an die Behinderung zu gewöhnen, weil sie das Leben sehr beeinträchtigt und große Probleme bereitet.

Wie war deine Reaktion, als du erfahren hast, dass du irgendwann gar nichts mehr sehen kannst?

Zuerst wollte ich den Ärzten nicht glauben, was sie mir erzählten und dachte, sie hätten die falschen Unterlagen. Dann habe ich es einfach ignoriert und war frustriert. „Wieso eigentlich ausgerechnet ich“, habe ich mich selbst gefragt. Natürlich spürte ich Zorn in mir und niedergeschlagen war ich auch. Doch ich war dazu gezwungen, mich mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Es ist wichtig, zu sehen, was man alles kann, nicht, was man nicht mehr kann

Was genau an deinen Augen ist dafür verantwortlich, dass du nicht mehr sehen kannst?

Meine Netzhaut ist defekt. Es handelt sich um eine fortschreitende Erkrankung.

Bekommst du auch manchmal blöde Sprüche, weil du behindert bist?

Ja, das liegt daran, dass die meisten Leute nichts von meiner Behinderung wissen. Sie wundern sich, wenn ich mich deshalb in manchen Situationen komisch verhalte.

Ich habe beschlossen, dass ich, wenn ich beim nächsten Mal jemanden mit einem weißen Stock an der Ampel sehe, ihn nicht fragen werde, wieso er nicht die Straße überquere. Ich werde dieser Person einfach mitteilen, dass jetzt grün ist.

Hannah Schwarz, Klasse 8a, Marienschule Xanten

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