Behinderte

Wenn Alltägliches zum Problem wird

Mal ist der Bordstein zu hoch oder der Durchgang zu eng. Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, müssen täglich mit diesen Problemen kämpfen.

Mal ist der Bordstein zu hoch oder der Durchgang zu eng. Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, müssen täglich mit diesen Problemen kämpfen.

Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool

Olpe.   Wie fühlt es sich an, mit einer Behinderung zu leben. Kristin Halbe und ihre Klasse haben in Olpe mit dem Rollstuhl einen Selbsttest durchgeführt.

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Einen Tag lang haben wir ausprobiert, wie es ist, behindert zu sein. Im Rollstuhl sitzend, mit einer das Sehen stark einschränkenden Brille oder mit Augenklappen, waren wir in der Olper Innenstadt unterwegs. Dabei erlebten wir bei dem Projekt „Wie es sich anfühlt, mit einer Behinderung zu leben“ hautnah, welche Schwierigkeiten Menschen mit Behinderungen bei der Erledigung alltäglicher Dinge haben.

Lebensmittel in einem Discounter einzukaufen, stellt sich für einen Blinden als Problem dar. Welche Sorte Toastbrot habe ich jetzt in der Hand? Ist es eine Vollmilch- oder Nussschokolade? Bezahlen ist auch nicht einfach, da man nicht weiß, wie viel Geld man in der Hand hat. Egal wo wir hinkommen, es entstehen immer neue Probleme. Wir können die Fahrzeiten des Busses nicht lesen, kommen mit dem Rollstuhl nicht in alle Geschäfte, oder der Bordstein ist einfach zu hoch.

Erfahrung bei der Betreuung eines Blinden

Meistens sind die Ursachen für eine Behinderung Unfälle oder Erkrankungen. Ich selbst besuche regelmäßig einen älteren Mann, der blind geworden ist. Seine Blindheit kam nicht plötzlich, es war ein schleichender Prozess. Von Tag zu Tag verlor er immer mehr von seinem Augenlicht, bis er nur noch schwarz sehen konnte. Für ihn und seine Familie war es sehr schwierig, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Früher Alltägliches stellt sich jetzt als Problem dar. Zum Beispiel kann er kein Auto mehr fahren oder ganz einfache Sachen, wie die Uhrzeit herausfinden.

Am schlimmsten jedoch ist für ihn die ständige Dunkelheit. Nichts sehen, nur noch hören. Kein Fernsehen mehr schauen, seine Enkelkinder oder seine Frau nicht mehr sehen, das macht ihn manchmal traurig, manchmal auch wütend. Ständig ist er auf die Hilfe Anderer angewiesen. Seine Frau sitzt leider auch im Rollstuhl. Auch sie braucht Hilfe. Trotz ihres Leidens haben sich aber beide nie aufgegeben.

Für die übrige Familie bedeutet dies ebenfalls Einschränkungen. So kann zum Beispiel eine Urlaubsfahrt nur stattfinden, wenn zeitgleich die Versorgung durch einen Pflegedienst oder eine stationäre Pflegeeinrichtung gewährleistet ist.

Behinderte sind wie wir - nur etwas anders

Mir ist durch das Projekt „Wie es sich anfühlt, mit einer Behinderung zu leben“ bewusst geworden, dass es nicht einfach ist, mit derartigen Einschränkungen zurechtzukommen. Es entstehen viele Probleme, aber trotz einer Behinderung, kann man am Leben teilnehmen. Man sollte Menschen mit Behinderung so begegnen, wie jedem anderen Mitbürger auch. Aber warum fällt es so schwer, behinderte Menschen einfach in das gesellschaftliche Leben zu integrieren? Vielleicht, weil wir es gewohnt sind, Menschen danach zu beurteilen, was sie nicht können? Behinderte Menschen sind Menschen wie wir...vielleicht nur etwas anders.

Kristin Halbe, Klasse: 8a, St.-Franziskus-Gymnasium, Olpe

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