Tierheim

Tiere unter dem Weihnachtsbaum - ein kritischer Blick

Viele Tiere, darunter auch Katzen, warten im Tierheim Duisburg auf ein neues Zuhause.

Viele Tiere, darunter auch Katzen, warten im Tierheim Duisburg auf ein neues Zuhause.

Foto: MediaCampus

Duisburg.   Niedliche Welpen und Kleintiere landen oft als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum. Sarah Bolten sieht das kritisch.

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Weihnachten rückt immer näher und oft werden Tiere verschenkt, die nicht selten im Tierheim landen.

Verantwortung übernehmen – auch für Tiere. Das kommt in der Weihnachtszeit oft zu kurz. Unüberlegt angeschafft werden die von den Kindern gewünschten Tiere oft nur wenig später ins Tierheim gegeben. Von diesem Moment an wird versucht, einen neuen Halter zu finden. Geeignet sind Tiere als Weihnachtsgeschenk nicht, da solch eine große Verantwortung nur nach sorgfältiger Abwägung der Vor- und Nachteile übernommen werden sollte.

Vor Weihnachten versprechen die Kinder zwar hoch und heilig sich um die Fellnase zu kümmern, doch ein Kind kann nicht die Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen. Eine Alternative zu einem lebendigen Tier als Geschenk wäre beispielsweise ein Stofftier oder eine Modellfigur. Wenn man sich sicher ist, dass man bereit für ein Haustier ist, kann man auch einen „Gutschein“ für einen Tierheimbesuch verschenken.

Tiere werden einfach ausgesetzt

Es kommt auch vor, dass Kinder den Eltern ein Haustier schenken, wenn diese allein leben. Oft ist es aber so, dass die Senioren gar keine Lust auf einen tierischen Mitbewohner haben oder den Aufwand einen Hund zu erziehen, unterschätzen. Betroffen vom verschenkt werden sind fast alle Tierarten, doch bei der Auswahl des Tieres kommt es vor allem auf den Geldbeutel an. Denn ein Hund ist in der Anschaffung, sowie beim Tierarzt, deutlich teurer, als ein Hamster. „In den letzten Jahren häufen sich die Abgaben von Reptilien in der Zeit nach Weihnachten“, erzählte Daniel May, der Büroleiter des Duisburger Tierheims. Der süße Welpe oder das niedliche Kaninchen werden oft nur wenig später ins Tierheim oder zu Bekannten gegeben. Einige Tiere werden auch erst beim nächsten Urlaub abgegeben oder - noch schlimmer – einfach ausgesetzt.

Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von unerwarteten Kosten bis hin zu Betreuungs- oder Zeitproblemen. Leider gibt es auch Menschen, die ihr Tier einfach aussetzen. So gab es beispielsweise im letzten Jahr den Fall, dass ein Hund am Weihnachtsabend vor dem Tierheim angebunden und erst am nächsten Morgen gefunden wurde. Auch wurde bei eisigen Temperaturen und Regen im Januar ein Karton mit mehren Parson-Russel- Welpen vor dem Tierheim abgestellt.

Tierheim vom 14. bis 26. Dezember geschlossen

Einige Tiere werden auch einfach irgendwo ausgesetzt und kommen dann als Fundtiere oder gar nicht ins Tierheim. Aufgrund der Gefahr der unüberlegten Anschaffung bleibt das Tierheim vom 14.12.2015 bis zum 26.12.2015 geschlossen, hat allerdings vom 27.12.2015 bis zum 30.12.2015 wieder geöffnet. In Tierhandlungen sieht das anders aus, denn ihr Geschäft boomt zur Weihnachtszeit. Bei Tierheimen ist besonders hervorzuheben, dass vor- und nach der Übernahme eines Tieres Kontrollen durchgeführt werden, um zu prüfen, ob die Haltungsbedingungen erfüllt werden. Letztendlich kann das Tierheim auch dem Interessenten den Kauf des Tieres verwehren, wenn dieser nicht die nötigen Voraussetzungen mitbringt. Das Tierheim Duisburg empfiehlt daher, sich im Tierheim nach einem Haustier umzusehen, denn dort findet man junge und alte Tiere verschiedener Rassen und Charaktere mit fachlicher und fundierter Beratung zu jedem Tier.

Schlimm ist der Kauf beim (Hunde-)Vermehrer, denn die Tiere, die man dort erwerben kann, kommen oft aus Rumänien oder anderen östlich gelegenen Ländern, sind krank oder noch zu jung, um von ihrer Mutter getrennt zu werden. Ernsthafte Interessenten sollten nach Weihnachten mal im Tierheim vorbeischauen, denn dort warten Hunde, Katzen und Kleintiere auf ein liebevolles Zuhause. Von einem Kauf in der Weihnachtszeit sollte generell abgesehen werden, da es in dieser Zeit oft stressig zugeht und ein Tier eine gewisse Eingewöhnungszeit braucht. Stattdessen könnte man sich schon mal nach artgerechtem Spielzeug oder Lektüre zur Haltung des Wunschtieres umschauen.

„Die abgegebenen Tiere sind glücklicherweise meist in einem relativ guten Zustand“, sagte Harald Lück, der für die Öffentlichkeitsarbeit im Duisburger Tierheim zuständig ist. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, wie zum Beispiel beschlagnahmte Tiere, die in einem sehr schlechten Zustand sind. Das Tierheim versucht, den Alltag der Tiere, die es aufnimmt, möglichst schön zu gestalten, doch leider ist das nicht immer möglich.

Streichelnde Hände für Katzen gesucht

Während es bei den Hunden genug ehrenamtliche Spaziergänger gibt, wird bei den Katzen nach „streichelnden Händen“ gesucht. Ich selbst habe bei meinem Rundgang durchs Tierheim das Katzenhaus besucht und gesehen, wie unterschiedlich die Tiere sind. Eine Katze hörte ich gleich Maunzen und zwei, offensichtlich etwas schüchternere Vertreter, versteckten sich sofort. Eine Katze blieb jedoch einfach in ihrem Korb liegen und ließ sich kraulen. Mehr noch als das Katzenhaus wird mir wohl das Hundehaus in Erinnerung bleiben. Schon beim Runtersteigen der Treppe zum Zwingerbereich hört man das erste Bellen. Wenn man dann eins der Häuser betritt, hört man nur noch Gebell. Das Bellen ist keineswegs aggressiv, sondern eher erwartungsvoll. Einige Hunde springen an den Gittern hoch und andere bleiben eher passiv.

Ich hoffe, sie verstehen nun, warum man keine Tiere zu Weihnachten oder zu einem anderen Anlass verschenken sollte. Wenn sie an einem Haustier interessiert sind, dann besuchen sie doch mal das Tierheim.

MediaCampus-Reporterin Sarah Bolten, Klasse 8b, Steinbart-Gymnasium Duisburg

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