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Sechs-Seen-Platte: die grüne Oase

Ein Blick auf den Haubachsee. Dieser See ist als letzter der Sechs-Seen-Platte entstanden. Heute ist er ein Rückzugsort für Tiere und für Menschen fast komplett gesperrt.

Ein Blick auf den Haubachsee. Dieser See ist als letzter der Sechs-Seen-Platte entstanden. Heute ist er ein Rückzugsort für Tiere und für Menschen fast komplett gesperrt.

Duisburg.  Einst diente die Sechs-Seen-Platte als Rohstofflieferant. Doch seitdem hat die Region einen Wandel durchlebt - Tim Dixkens zeigt ihn.

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Einst diente die Sechs-Seen-Platte in Duisubrg als Rohstofflieferant. Kies und Sand wurde massenweise abgegraben. Doch seitdem hat die Region sich verändert - MediaCampus-Reporter Tim Dixkens ist dem Wandel auf der Spur.

„Da vorne kannst du bis auf den Grund tauchen, da liegt der Kies in drei Metern Tiefe“, erzählte mir meine Tante Corinna bei einem Familienausflug zum Tag der offenen Tür des Duisburger Yachtklubs. „Und pass auf, wenn du zum See gehst, da liegt überall Gänsekot auf der Wiese“, ergänzte sie schnell. Das war mir auch schon aufgefallen und ich fragte mich, ob das nicht nur für mich, sondern auch für den See problematisch sein könnte. Außerdem wunderte ich mich, wie der ganze Kies in den See gelangt ist. Um diese Frage zu klären, besuchte ich Förster Axel Freude und fragte ihn danach. Kurzerhand entschloss er sich dazu, mit mir um die Sechs-Seen-Platte zu gehen.

Der Anfang der Abgrabungen

Bei den Seen der Sechs-Seen-Platte handelt es sich um Baggerseen. Vor über 100 Jahren ist das erste Mal dort Kies abgegraben worden. 1912 beauftragte die Eisenbahndirektion die Firma Peter Fix Söhne GmbH, das von Graf von Spee erhaltene Gelände trocken zu legen. „Das Gelände war vorher sehr sumpfig“, erklärt Förster Axel Freude. Noch im selben Jahr fing die Firma Peter Fix Söhne GmbH mit dem Abgraben von Kies und Sand an. Diese wurden ganz in der Nähe gebraucht. Die Reichsbahn hatte damals einen Rangierbahnhof und die Wohnsiedlung „Wedau“ für Bedienstete der Eisenbahn geplant. Aus Kostengründen entschloss man sich dazu, das erforderliche Baumaterial direkt vor Ort zu gewinnen. Gleichzeitig legte man damit das Baugelände trocken. So begann die Abgrabung am Masurensee. „Von hier oben kann man gut die Nähe des Sees zur Wohnsiedlung und zu dem Rangierbahnhof erkennen“, sagt Axel Freude. Später wurden die Rohstoffe mit Hilfe von Güterzügen abtransportiert. Die Abbaumengen betrugen zu Beginn der 40er Jahre etwa 100 000 Tonnen pro Jahr. Dann kam der Zweite Weltkrieg und die Abbauarbeiten erlahmten fast vollständig.

Nach Kriegsende wurde schnell wieder mit den Arbeiten begonnen. Bis 1950 betrugen die Abbaumengen 200 000 Tonnen, bis 1960 sogar bis zu 600 000 Tonnen pro Jahr. „Das entspricht etwa 15 000 Lkw-Ladungen, damit man sich die Menge mal vorstellen kann“, erläutert Axel Freude. Nach dem Krieg begann die Zeit des Wiederaufbaus. Viele Gebäude waren zerstört und mussten neu errichtet werden. In den Zeiten des „Wirtschaftswunders“ wurde daher eine große Menge an Baumaterialien, also Sand und Kies, benötigt.

Ein empfindliches Ökosystem

Bis 1976 waren der Wolfssee und der Böllertsee bereits abgegraben. Bei den Abbauarbeiten wurde in der Anfangszeit noch nicht auf die ökologischen Auswirkungen geachtet. „Leider haben die Seen heute auch Probleme mit zu vielen Nährstoffen im Wasser, weil damals wenige Flachwasserzonen für Wasserpflanzen geschaffen wurden“, weiß Freude. Die überschüssigen Nährstoffe kommen auf vielen verschiedenen Wegen in die Seen. Durch die Bäche, die in die Seen fließen, durch alle Sommergäste, die den See nutzen und durch das Füttern von Vögeln. Natürlich auch durch die Gänse.

„Ein See ist wie eine Nährstoff-Falle, alles was hineinkommt, bleibt auch drin. Die Gänse tragen auch ihren Teil dazu bei. Im Sommer gibt es Beschwerden über die Gänse, die Wege und Wiesen verunreinigen. Die Schwimmbadbetreiber versuchen, die Gänse mit Zäunen von den Wiesen fernzuhalten. Das gelingt aber nur zum Teil. Deshalb muss der Kot jeden Tag von Helfern abgesammelt werden.“, so Axel Freude.

Neue Rekultivierungskonzepte geschaffen

1976 wurde die Firma Hülskens GmbH & Co. damit beauftragt, die restlichen Seen auszukiesen. Diesmal sollte allerdings mehr auf die Natur und die Umwelt bei Abbau und Abtransport geachtet werden. Mit den Arbeiten konnte allerdings erst 1990 begonnen werden, da die Vertragsverhandlungen wegen mehrer Einsprüche bis 1989 gedauert haben.

Um das abgegrabene Gelände zu rekultivieren, wurde nach Absprache mit der Unteren Landschaftsbehörde und dem Grünflächenamt der Stadt Duisburg die Firma Oekoplan aus der Schweiz beauftragt. „Im Rahmen der Rekultivierung wurden ein neues Wegesystem angelegt, die Ufer mit Flachböschungen und mit standorttypischen Pflanzen angelegt sowie Informationstafeln an Beobachtungsplätzen aufgestellt“, erklärt Axel Freunde. Als 1994 der Wildförstersee fertig abgegraben war, entstand dort ein Naturschutzgebiet. Als letzter der sechs Seen wurde der Haubachsee abgegraben. „Auch dieser See ist heute ein Rückzugsort nur für Tiere und deshalb für Menschen fast komplett gesperrt“, sagt Freude.

Mehr als nur ein See zum Schwimmen und Segeln

Bisher habe ich die Sechs-Seen-Platte immer nur als einfache Seen zum Schwimmen oder zum Segeln wahrgenommen und mir keine Gedanken über die Entstehung der Seen gemacht. Mir war nicht bewusst, wie empfindlich die Ökologie der Seen ist und dass es für die Seen wichtig ist, viele Flachwasserzonen zu besitzen. Das ist natürlich zum Schwimmen super, aber auch für Wasserpflanzen wichtig. Ich kann nur jedem Leser empfehlen, diesen schönen Platz in Duisburg gut zu behandeln, damit er noch lange erhalten bleibt.

MediaCampus-Reporter Tim Dixkens, Klasse 8e, Steinbart-Gymnasium Duisburg

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