Freizeit

Schwindel und weiche Knie auf der „highline179“

Die „highline179“ ist 406 Meter lang.

Die „highline179“ ist 406 Meter lang.

Foto: Harald Schneider/dpa

Bochum/Allgäu.   Die „highline179“ zählt zu den längsten Fußgängerhängebrücken der Welt. Beate Schwarze erzählt euch, wie man sie ohne Angstschweiß überquert.

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Im Jahr 1999 hatte der Architekt Armin Walch eine Vision: Er wollte bei Reutte im Allgäu eine Hängebrücke über die B179 bauen. Der Haken an der ganzen Sache war aber, dass ein Investor für die Brücke fehlte. Es dauerte nicht lange, bis sich ein Investor aus der Region gefunden hatte, der dieses spektakuläre Projekt aus eigener Tasche bezahlte. Im November 2014 war es dann auch endlich so weit: Die siebzig Tonnen schwere Brücke wurde eröffnet und zog als „längste Tibet Style Fußgängerhängebrücke“ ins Guinness-Buch der Rekorde ein.

Schon bei der Anfahrt ist sie hoch oben zu sehen, die „highline179“, die nach der darunterliegenden Bundesstraße 179 benannt ist: Ein schmaler Streifen setzt sich deutlich vom blauen Himmel ab, auf dem viele kleine bunte Punkte, die sich bewegen, auszumachen sind. Schon der Anblick von unten lässt den Nervenkitzel erahnen.

Bleiche Gesichter

Folgt man der Beschilderung „Highline 179/Burgenwelt Ehrenberg“, so findet man sich auf einer geräumigen Hofanlage mit vielen Parkmöglichkeiten wieder. Die nötigen Eintrittskarten erlauben eine einmalige Überquerung der Brücke und zurück. Nach einer Viertelstunde Fußmarsch bergauf erhebt sich majestätisch die Burgruine Ehrenberg. Passiert man das Drehkreuz, kann das Abenteuer beginnen.

Zunächst ist es einfach, selbstsicher auf dem 1,20 Meter breiten Gehsteig zu laufen. Schließlich passiert man zunächst nur Gestrüpp, das grobmaschige Gitter lässt einen uneingeschränkten Blick nach unten zu. Doch je weiter man geht, desto tiefer kann man hinunterblicken. An der höchsten Stelle erhebt sich die Hängebrücke 114,60 Meter über dem Abgrund. Vielleicht hätte der Architekt doch besser eine geschlossene Bauweise für den Gehsteig wählen sollen?

Menschen auf ihrem Rückweg mit teils bleichen, teils euphorisierten Gesichtern kommen entgegen. Jedes Mal ist man gezwungen, sich an das nicht gerade hohe Geländer zu lehnen und man versucht, den Blick nach unten zu vermeiden. Nach Bewältigung der halben Wegstrecke wird das Gitter des Gehsteigs dichter. Jetzt steht man unmittelbar über der Bundesstraße 179. Durch die engmaschige Bauweise an dieser Stelle soll vermieden werden, dass Kleinteile durchfallen und somit Autofahrer unter Umständen in Gefahr geraten. Aber nur nicht auf die Autos gucken: Also Konzentration auf den Horizont, wo bereits das “rettende Ufer“ in Gestalt einer weiteren Burgruine zu sehen ist. Der herrliche Ausblick auf die Burgruine Ehrenberg gegenüber und das atemberaubende Alpenpanorama entschädigt für den Angstschweiß und die weichen Knie.

Fantastisches Panorama

Der Rückweg über die „highline179“ verläuft mit deutlich weniger Herzklopfen. Milde belächelt man jene Passanten, die versuchen, den Hinweg tapfer zu bewältigen. Aufbauende Worte wie „Der Rückweg ist nicht mehr so schlimm“ oder „Schauen Sie einfach geradeaus und nicht nach unten“ werden unter den Touristen ausgetauscht. Kommt jedoch einmal Wind auf und die Brücke gerät merklich ins Schwanken, bleibt nur noch auf die Pionierleistung der Ingenieure zu hoffen, dass die vier Tragseile mit je sechzig Millimeter Durchmesser und die acht Felsanker die „highline179“ ausreichend sichern.

Nach Erkundung der Burgruine Ehrenberg kehrt man leichtfüßig an den Parkplatz zurück und kann sich in der dort ansässigen Gastronomie für neue Abenteuer stärken. Eines steht fest: Das Allgäu ist mit seiner „highline179“ und dem fantastischen Panorama um eine große Attraktion reicher.

MC-Reporterin Beate Schwarze, Klasse 8d, Schiller-Schule, Bochum

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