Jahresrückblick

Krisenjahr 2015: Europas Zerreißprobe

Nach den Anschlägen auf die französisches Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ demonstrierten auch in Berlin die Menschen am Brandenburger Tor für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland und für Meinungs- und Religionsfreiheit.

Nach den Anschlägen auf die französisches Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ demonstrierten auch in Berlin die Menschen am Brandenburger Tor für ein weltoffenes und tolerantes Deutschland und für Meinungs- und Religionsfreiheit.

Foto: dpa

Monheim.   Terrorattacken in Paris, drohende Griechenland-Pleite und die Flüchtlingskrise haben Europa auf eine harte Probe gestellt, meint Fabian Willemsen.

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Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu und so mancher dürfte in politischer Hinsicht meinen, dass dieses Jahr sicherlich eines der härtesten für die Europäische Union war.

Das Jahr fing durch den Eurozonen- Beitritt Litauens an, wenig später gewann es jedoch an Brisanz – leider auch und vor allem in negativer Hinsicht. Am 7. Januar ging ein Aufschrei durch Europa aufgrund eines religiös motivierten Anschlags auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris. Zwölf Menschen verloren dabei ihr Leben, ein weiterer starb an diesem Tag bei einem Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt. Weltweit wurden die Anschläge scharf verurteilt und zogen mehrere Festnahmen aufgrund der „Verherrlichung des Terrorismus“ nach sich.

Die Terroranschläge in Frankreich erschüttern die Welt

Das Kapitel „Terrorismus in Frankreich“ musste in diesem Jahr leider noch um ein weiteres ergänzt werden. So starben bei Terroranschlägen unter anderem im Pariser Konzerthaus „Bataclan“ bei einem Konzert der US-Band „Eagles of Death Metal“ insgesamt 130 Personen. Zur selben Zeit versuchten Selbstmordattentäter ins „Stade de France“ zu gelangen, wo zu diesem Zeitpunkt ein Länderspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Frankreich stattfand. Der Islamische Staat bekannte sich zu den Anschlägen von Paris. Die Gefahr, die vom Terrorismus ausgeht, ist größer als je zuvor.

Milliardenschweres Hilfsprogramm für Griechenland

Wenn es um von Krisen gebeutelte Länder geht, ist auch Griechenland mit seiner andauernden Finanzkrise zu nennen. Seit 2010 befindet sich das Land bereits in einer Wirtschaftskrise, doch 2015 gab es einen erneuten Rückfall für die griechische Regierung um Ministerpräsident Alexis Tsipras (SYRIZA) und seinen inzwischen zurückgetretenen Finanzminister Varoufakis (SYRIZA). Am 27. Juni brach Tsipras die monatelangen Verhandlungen über ein dringend notwendiges drittes EU-Hilfspaket plötzlich ab und erklärte für den 5. Juli ein Volksreferendum. Das griechische Volk sollte über den weiteren Umgang mit den Sparforderungen der Gläubiger, also der EU, entscheiden. Ganz Europa fragte sich, was ein möglicher „Grexit“ (der Austritt Griechenlands aus der Eurozone) für Auswirkungen hätte. In Deutschland äußerten zudem viele Menschen ihre Bedenken bezüglich eines weiteren dritten Hilfspakets.

Am 5. Juli sprachen sich 61,3 Prozent der Griechen gegen die Forderungen der Gläubiger aus. Die Folge war ein 17-stündiger Sitzungsmarathon, an dessen Ende sich Tsipras und die Euro-Gruppe auf Sparmaßnahmen einigten, die jedoch sehr denjenigen ähnelten, die das griechische Volk im Referendum abgelehnt hatte. Griechenland erhielt nun ein drittes milliardenschweres Hilfsprogramm.

Flüchtlingskrise spaltet Europa

2015 ist auch geprägt durch eine Flüchtlingskrise, die Europa spaltet, wie vielleicht niemals zuvor. Millionen Schutzsuchende flohen und fliehen noch immer vor Bürgerkrieg, Armut und Unterdrückung oder vor dem Terror des Islamischen Staates in ihren Ländern. Ihr Ziel: Europa und dort besonders Deutschland. Für ihre „Wir schaffen das“-Politik ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch in der eigenen Partei in die Kritik geraten. Eines der größten Probleme in der Europäischen Union ist die Frage der Verteilung der Flüchtlinge. Manche Länder sind einfach nicht bereit, gewisse Mengen an Flüchtlingen aufzunehmen. In der Folge wird das Schengen-Abkommen ausgesetzt, Grenzkontrollen kehren zurück und Länder wie Ungarn und nun auch Österreich ziehen Grenzzäune zu ihren europäischen Nachbarländern hoch. Andererseits reisen Flüchtlinge in verrosteten alten Schlepperbooten über das Mittelmeer und bezahlen für ihre Flucht eine Menge Geld. Trotzdem sterben viele einen qualvollen Tod vor den Küsten Europas.

In solch schwierigen Zeiten muss die EU stark sein. Dass sie stark sein kann, hat sie allemal bewiesen. 2015 war sicherlich ein Krisenjahr, auch wenn nicht alles schlecht war. Doch Krisen gehören dazu, man kann aus ihnen stärker denn je hervorgehen.

MediaCampus-Reporter Fabian Willemsen, Klasse 8c, Otto-Hahn-Gymnasium Monheim

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