Kommentar

In Zeiten des Terrors Menschlichkeit zeigen

Am 12. Dezember 2015 starben erneut 16 Menschen bei der Explosion einer Autobombe in der syrischen Stadt Homs. Mindestens 100 weitere Menschen wurden dabei verletzt.

Am 12. Dezember 2015 starben erneut 16 Menschen bei der Explosion einer Autobombe in der syrischen Stadt Homs. Mindestens 100 weitere Menschen wurden dabei verletzt.

Foto: dpa

Monheim.   Sandra Kolb und Laura D’Amato fragen sich, warum die Anschläge in Paris uns Europäer mehr erschüttern als der jahrelange Krieg in Syrien.

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Die Terroranschläge in Paris mit mindestens 130 Toten haben bei den Mensch auf der ganzen Welt tiefe Erschütterung ausgelöst. Doch es gibt derzeit weitaus mehr Gebiete, in denen der Terror schon fast Alltag ist. Empfinden wir die Terroranschläge außerhalb Europas als Normalität? In solchen Tagen muss man sich fragen, warum es bei uns nicht jeden Tag Schweigeminuten gibt und ob für uns Europäer jedes Menschenleben wirklich gleichviel wert ist. Ein sehr gutes Beispiel für so ein anderes Land mit ständigen Terroranschlägen ist Syrien.

Syrien befindet sich jetzt seit mehr als vier Jahren im Bürgerkrieg. Viele Länder kämpfen an der Seite des syrischen Militärs gegen die Terrormiliz ,,Islamischer Staat (IS)“. Seit den Anschlägen in Paris bombardiert Frankreich mit Hilfe von Russland verstärkt syrische Gebiete. Dabei sterben täglich auch viele Zivilisten, die mit dem Terror nichts zu tun haben. Nach Schätzungen von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gibt es seit Beginn des Bürgerkriegs im März 2011 schon 250.000 Todesopfer. Mehr als vier Millionen Syrer sind laut UNHCR bereits aus ihrem Heimatland geflohen, um zu überleben. Viele der Flüchtlinge sind bei uns in Deutschland, auch in unserer Stadt, eingetroffen.

Bei den Anschlägen von Paris sind mindestens 130 Menschen ums Leben gekommen. Vor allem in den Nachbarstaaten wird um die Opfer von Paris getrauert. In sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook oder Twitter posten Promis und viele andere Leute unter dem Stichwort „#prayforparis“ Bilder, Kommentare und vieles mehr, um ihr Mitgefühl für die Hinterbliebenen der Opfer auszudrücken.

Wieso reagieren Menschen auf Terroranschläge vor der eigenen Haustür viel mehr? Vielleicht ist der Terror so greifbarer und die Angst davor realer. Bei allen, die den Terror schon hautnah miterleben mussten, löst er Traumata aus, und die Menschen rücken überall näher zusammen.

Gerade weil wir jetzt selbst Angst vor dem Terror haben, haben wir die Chance, den Flüchtlingen, die aus Terrorgebieten zu uns kommen, noch besser zu helfen. Denn im Moment können wir vielleicht ein wenig erahnen, wie sich die Flüchtlinge in ihrer Heimat gefühlt haben und wie viel Angst sie gehabt haben müssen. Wir selbst ängstigen uns ja bereits vor dem Terror, obwohl der Terror Europa „erst“ erreicht hat. Leider nehmen manche Politiker die Anschläge von Paris als Vorwand, um eben keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen, obwohl die Menschen aus Syrien vor genau der gleichen Terrorgruppe fliehen, die auch für die Pariser Anschläge verantwortlich war. Diese Anschläge sollten nicht dazu benutzt werden, um Aufnahmequoten festzulegen.

Wir sollten den Flüchtlingen helfen, ihre Terrorerlebnisse zu verarbeiten. Das wäre nicht nur menschlich, sondern auch ein Zeichen gegen den Terror, der die Menschheit nicht trennt, sondern solidarisiert.

MediaCampus-Reporterinnen Sandra Kolb und Laura D’Amato, Klasse 8c, Otto-Hahn-Gymnasium Monheim

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