Sprache

Hoşgeldiniz mülteci! Wilkommen Flüchtlinge!

Der Sprachkurs ist für die ankommenden Flüchtlinge der erste Schritt zur Integration.

Der Sprachkurs ist für die ankommenden Flüchtlinge der erste Schritt zur Integration.

Foto: FUNKE Foto Services

Duisburg.  Wie schwierig ist es, sich ohne Sprachkenntnisse in einem fremden Land zu verständigen? Iva Wolff und ihre Freundinnen machten den Selbsttest.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Merhaba benim adim Rosa.“ – Wie, nichts verstanden? So geht es Shiraya auch. In einem Experiment testen meine Mitschülerin Chiara Mintendi (13) und ich, wie sich Flüchtlinge wohl fühlen, wenn sie in ein anderes Land oder auf einen anderen Kontinent fliehen, ohne die dortige Sprache zu sprechen.

Bei unserem Experiment helfen uns die 21-jährige Studentin Shiraya und die 13-jährige Schülerin Rosa. Rosa, die türkisch spricht, und Shiraya, die indisch spricht, sollen sich gegenseitig vorstellen und etwas über sich erzählen. „Na, dann mal los!“

Mit Händen sprechen

Rosa fängt an. Ihren Namen zu verstehen ist kein großes Problem, da man diesen aus dem Satz heraushören kann. Rosa sagt etwas auf Türkisch und merkt, dass sie damit nicht weiter kommt. Sie versucht es mit Zeichensprache: Mit ihren Händen formt Rosa ein Dach, deutet dann auf ein Familienfoto und zeigt mit ihren Händen Zahlen. Shiraya überlegt ... „Mehrfamilienhaus“. Richtig! Doch weiter geht’s: Nun wiehert Rosa wie ein Pferd. Sie versucht, Shiraya mitzuteilen, dass sie ein Pferd hat, aber so richtig klappt es nicht. Also werden die Plätze gewechselt.

Shiraya erklärt – Rosa versucht zu verstehen. Shirayas Name ist wie bei Rosa leicht aus dem Satz herauszuhören. Shiraya tut es Rosa gleich und wechselt zur Zeichensprache. Mit den Fingern zeigt sie, wie alt sie ist. Das ist leicht. Nun nimmt sich Shiraya das Familienfoto zur Hand, geht in den Flur zu einer Weltkarte und deutet auf Indien. Shirayas Familie lebt also in Indien. Doch mehr fällt ihr nicht ein. Oft kann man bei beiden Mädchen ein hilfloses Lachen beobachten.

„Oft fühlt man sich hilflos“

Nach dem Experiment sprechen wir mit den beiden. „Wie habt ihr euch dabei gefühlt?“ „Hilflos“, antwortet Rosa spontan. Es sei wirklich nicht einfach, sich mit jemand anderem in einer anderen Sprache zu verständigen. „Manchmal fühlte man sich auch missverstanden oder gar nicht verstanden.“

So ähnlich wird es wohl auch den Flüchtlingen gehen, deren Flucht nach Europa durch viele Länder geht. In Duisburg leben derzeit 5280 Asylbewerber und der Zustrom ebbt nicht ab. Fast alle diese Menschen kennen das Problem der Sprache. Sie können nicht einfach wieder deutsch sprechen wie unsere Testpersonen. Die meisten Flüchtlinge haben auch nicht die Möglichkeit, schnell an Deutschkursen teilzunehmen. Deswegen können sich viele dann hier auch kein Leben aufbauen. Denn ohne Sprache kann man keine Kontakte knüpfen, keine Arbeit finden und so auch kein unabhängiges Leben führen. Wir hoffen, dass sich dies bald ändert, denn das Experiment hat mir und meiner Mitschülerin auf jeden Fall gezeigt, wie schwer es ohne Sprache sein muss.

MediaCampus-Reporterin Iva Wolff, Klasse 8e, Steinbart-Gymnasium, Duisburg

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben