Integration

Grundstein für das spätere Leben

In der Internationalen Klasse werden Kinder aus Flüchtlingsfamilien unterrichtet. Nach zwei Jahren sollen sie mit den Regelklassen zusammengeführt werden.

In der Internationalen Klasse werden Kinder aus Flüchtlingsfamilien unterrichtet. Nach zwei Jahren sollen sie mit den Regelklassen zusammengeführt werden.

Foto: dpa

Bochum.   An der Märkischen Schule in Wattenscheid gibt es Klassen für Flüchtlingskinder. MC-Reporterin Emina Bureković erklärt, wie das funktioniert.

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Schulische Bildung dient heutzutage vielen Schülern als Grundstein für das spätere Leben. Vor diesem Hintergrund ist es aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen dringend notwendig, zeitnah integrative Maßnahmen in der Schule umzusetzen. Die Märkische Schule ist ein Beispiel dafür.

Bochum, 8 Uhr morgens. Der Gong zur ersten Stunde hallt melodisch durch das Schulgebäude des Märkischen Gymnasiums. Schülermassen strömen durch die Gänge, aufgeregt zu den Unterrichtsräumen. Unter ihnen auch neue Gesichter, die sich schüchtern und zugleich neugierig umschauen. Es sind die Schüler der Internationalen Klasse.

Unmittelbar nach Beginn des zweiten Schulhalbjahres wurde diese Klasse an der Märkischen Schule eingerichtet. Dort werden Flüchtlinge unterrichtet, die eine spezielle Förderung benötigen, da sie über keine oder unzureichende Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen oder noch alphabetisiert werden müssen. Dementsprechend weist der Unterricht im Vergleich zu einer Regelklasse eine andere Gestaltung auf: Eine große Rolle spielen hierbei der Erwerb sowie die Vertiefung und Erweiterung der deutschen Sprachkenntnisse. Neben dem Fach Deutsch, in welchem besondere Fördermaßnahmen ergriffen werden, bietet das gewöhnliche Fächerangebot von Physik bis Kunst und Sport eine willkommene Abwechslung. Da jeder Schüler einen anderen Lernstand und damit andere Problemfächer hat, gehen die Lehrpersonen auf diese individuellen Bedürfnisse ein, wodurch eine lernfreundliche und angenehme Atmosphäre entsteht.

Neue soziale Kontakte

Auch die Schüler, welche zwischen elf und sechzehn Jahren alt sind, knüpfen neue soziale Kontakte, indem sie Freundschaften mit ihren Klassenkameraden schließen. Überdies kommunizieren sie auch immer häufiger mit gleichaltrigen Schülern aus den Regelklassen, die Mauer der anfänglichen Zurückhaltung wird somit nach und nach gebrochen. Die verschiedenen Sprachen der Kinder, die durch die unterschiedlichen Heimatländer wie Syrien, Pakistan, Rumänien und Serbien bedingt sind, stellen bei den Konversationen meistens kein Hindernis dar, sondern sorgen für kulturelle Bereicherung auf beiden Seiten.

9.35 Uhr, Pause: Mit dem Läuten des Gongs verabschieden sich die ersten beiden Schulstunden. Schüler laufen auf den Gang, auch die der Internationale Klasse. Nachdem die erste Schüchternheit überwunden ist, scheuen sie den Kontakt zu anderen nicht. Ein Mädchen tippt verlegen einer Achtklässlerin auf die Schulter und versucht, sich zu erkundigen, wo sich das stille Örtchen befindet. Aufgeschlossen hilft die Schülerin, was durch die Tatsache, dass sie dieselbe Sprache beherrscht, erleichtert wird.

„Ein Ziel, welches verfolgt wird, ist eine möglichst schnelle Integration der Schüler in eine Regelklasse des gleichen Alters, was nach spätestens zwei Jahren geschehen sollte. Doch ebenso ist denkbar, dass eine Integration zunächst nur in einigen Fächern, wie Physik oder Mathe durchgeführt wird“, so Alfred Pieper-Eiselen, Schulleiter des Gymnasiums. Alle Beteiligten, sowohl die Schulleitung als auch die Lehrer, die sich freiwillig der Herausforderung stellen, können schon auf erste Erfolge zurückblicken. Den Beginn machte damals ein Erlass des Schulministeriums, der eine Internationale Klasse vorsah. Eine Inspiration gaben bereits Unterrichtsbesuche in anderen Schulen, die das Konzept „Internationale Klassen mit Integration und Förderung für Flüchtlinge“ bereits umgesetzt haben.

Hilfsbereite Paten

Als produktive und soziale Unterstützung helfen auch Paten aus der Schülerversammlung bei Verständigungsproblemen oder außerschulischen Fragen. Fast jedem der 14 Schüler aus der Internationalen Klasse konnte so ein Pate mit ähnlichen Sprachkenntnissen zur Verfügung gestellt werden. Mit den hilfsbereiten Bezugspersonen fällt die Eingewöhnung in den schulischen Alltag den Flüchtlingen leichter. Ebenso bieten Freiwillige aus der Oberstufe ihre Hilfe bei großen Lernschwierigkeiten an, zum Beispiel beim Erlernen des Alphabets. Bei diesem Prozess profitieren alle Beteiligten gleichermaßen voneinander. Jede Hilfe ist dabei gern gesehen und wird dankend angenommen. Unterstützung bieten auch der Förderverein und die Ehemaligen der Schule mit Spenden für die Bereitstellung von Hilfsmaterialen, wie beispielsweise Plakaten.

Hier wird deutlich, dass sich das Märkische Gymnasium vielseitig für seine Schüler engagiert und zahlreiche Fördermaßnahmen ergreift, denn es ist für die Geflüchteten nicht immer selbstverständlich gewesen, in eine Schule zu gehen und mit der beigebrachten Bildung einen Schlüssel für das spätere Leben in der Hand zu halten. Es ist mehr als nur Unterricht für sie, es ist der Weg zur Integration in das neue Leben.

Emina Bureković, Klasse 8b, Märkische Schule, Bochum-Wattenscheid

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