Umwelt

Essen wir unsere Welt auf?

Palmöl ist ein begehrter Rohstoff, doch die Produktion ist umstritten. Indonesische Konzerne roden riesige Regenwaldflächen.

Palmöl ist ein begehrter Rohstoff, doch die Produktion ist umstritten. Indonesische Konzerne roden riesige Regenwaldflächen.

Foto: Getty Images

Bottrop.   Um unseren Konsumhunger zu stillen, beuten wir rücksichtslos die Natur aus. Hannah Gathmann über die Folgen, die uns alle betreffen.

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Die umweltbelastende Massenproduktion von Lebensmitteln und die globale Lebensmittelversorgung tragen viel zur Umweltzerstörung bei. Stellt man sich die Welt als Baum vor, ist die Menschheit dabei, den Ast, auf dem sie sitzt, abzusägen.

Durch die Massenproduktion von Lebensmitteln sinken zwar die Kaufpreise. Doch diese Art der Produktion geht zu Lasten des Tier- und Umweltschutzes und der menschlichen Gesundheit, da diese Lebensmittel häufig mit Schadstoffen belastet sind und die Produktion außerdem Lebensräume von Tieren zerstört.

In der konventionellen Landwirtschaft werden Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um die Ernteerträge zu steigern. Die Rückstände dieser Mittel lassen sich häufig noch im Endprodukt nachweisen. In der Massentierhaltung werden massiv Antibiotika eingesetzt. Diese Mittel werden einerseits zur Vermeidung von Infektionen bei den gestressten und anfälligen Tieren und anderseits (verbotener Weise) als Mastbeschleuniger verwendet. Eine unerwünschte Nebenwirkung dieser Verfahrensweise ist es, dass sich das Risiko der Bildung von resistenten Bakterien stark erhöht. Tatsächlich haben viele Antibiotika bereits ihre Wirkung bei der Behandlung von Krankheiten verloren; dies kann für erkrankte Menschen zu einem tödlichen Risiko werden. Laut Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) wurden im Jahr 2012 in 82 Prozent der Masthuhnbetriebe, in 77 Prozent der Mastschweinbetriebe und in 100 Prozent der Mastkalbbetriebe Antibiotika eingesetzt. Außerdem verbraucht die Fleischproduktion riesige Mengen an Rohstoffen, vernichtet wertvolle Landschaften, belastet Böden und ist klimaschädlich.

Palmöl für die Lebensmittel- und Kosmetikindustrie

Für Palmölplantagen werden riesige Flächen von Regenwäldern gerodet, indem man sie einfach abbrennt. Neben den Pflanzen sterben dabei auch unzählige Tiere – unmittelbar im Feuer oder durch die Vernichtung ihres Lebensraumes. Tierarten wie Tiger, Gorillas, Orang-Utans, Waldelefanten und Graupapageien sind bereits stark vom Aussterben bedroht. In Indonesien soll die Anbaufläche für Palmöl bis 2025 auf 26 Millionen Hektar ausgeweitet werden. Dabei handelt es sich um eine Fläche, die fast sechsmal so groß ist wie die Schweiz.

Allerdings sind nicht nur der Wald und dessen Bewohner, sondern auch das Meer und seine Bewohner von dem Raubbau durch die Lebensmittelindustrie betroffen. Viele Bestände sind überfischt, zahlreiche Fangmethoden verursachen gravierende Umweltschäden.

Ein weiteres Problem stellt die Herstellung von Konserven und Tiefkühlfertigprodukten dar. Die Produktion vieler Fertigprodukte verbraucht Unmengen an Wasser und Energie und verursacht viele Abgase und andere Schadstoffe, welche bei der Produktion und bei Transporten verursacht werden.

Eine besonders verstörende Tatsache ist darüber hinaus die Überproduktion und damit einhergehende Vernichtung von Nahrungsmitteln. Während Menschen in Teilen unserer Welt noch nicht einmal das lebensnotwendige Minimum an Nahrungsmitteln zur Verfügung steht, werden in anderen Teilen der Welt ganze Ernten vernichtet, um die Marktpreise stabil zu halten. Auch im Lebensmittelhandel, in Gaststätten und in Privathaushalten werden häufig Lebensmittel verschwendet.

Ausbeutung der Natur kommt uns teuer zu stehen

Unter Berücksichtigung aller schädlichen Auswirkungen einer rücksichtslosen Ausbeutung der Natur und umweltschädlichen sowie tier- und menschenfeindlichen Produktionsmethoden lässt sich feststellen, dass uns unser Konsumverhalten in Bezug auf unsere Nahrungsmittel wesentlich teurer zu stehen kommt, als auf dem Preisschild ablesbar ist.

Die gute Nachricht ist: Wir können durch unser Kaufverhalten Einfluss auf diese Zustände nehmen. Eine Möglichkeit besteht darin, möglichst regional produzierte Bio-Produkte zu kaufen. Diese werden umweltfreundlich produziert und beinhalten keine schädlichen Zusatzstoffe. Wenn man auf Wochenmärkten einkauft, ist es sehr wahrscheinlich, dass die dort angebotenen Produkte regional angebaut wurden und somit weniger transportbedingte Abgase entstanden sind. Außerdem sollte man beim Obst- und Gemüsekauf auf die Jahres- und Anbauzeiten achten. Erdbeeren im Dezember stammen mit Sicherheit nicht aus regionalem Anbau. Und selbst wenn diese Erdbeeren ein Biosiegel tragen, ist zumindest der weite Transportweg nicht umweltfreundlich.

Rücksicht auf Mensch und Umwelt nehmen

Bei Produkten wie Kaffee, Tee und Gewürzen wählt man besser fair gehandelte Produkte, z. B. mit dem „fairtrade“-Siegel. So wird sichergestellt, dass die Erzeuger einen fairen Preis für ihre Güter erhalten. Auf diese Weise ist es eher möglich, bei der Produktion Rücksicht auf Mensch und Umwelt zu nehmen.

Die Produktion von Tiefkühlkost verbraucht viel Energie. Es ist daher umweltfreundlicher, frische Lebensmittel zu kaufen und diese selbst zuzubereiten. Dies vermeidet oder reduziert außerdem Verpackungsmüll und ist obendrein auch noch günstiger.

Wichtig ist es auch, den Fleischkonsum zu reduzieren, da die Herstellung von Fleisch nicht nur unter Tierschutz-, sondern auch unter Umweltschutzaspekten problematisch ist. Wenn man auf Fleisch nicht verzichten möchte, sollte man möglichst Biofleisch aus der Region kaufen.

Um der Verschwendung von Lebensmitteln entgegen zu wirken und Gutes zu tun, spenden mittlerweile viele Lebensmittelhändler an die Hilfsorganisation „Die Tafel“. Die Tafeln in Deutschland versorgen mit diesen gespendeten Lebensmitteln bedürftige Menschen.

MC-Reporterin Hannah Gathmann, Klasse MSD Publizistik 8, Josef-Albers-Gymnasium, Bottrop

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