Schule

Das Steinbart-Gymnasium - Ein Blick in die Vergangenheit

Eugen Weiler ist auf das Duisburger Steinbart-Gymnasium gegangen. Er blickt auf die Zeit zurück.

Eugen Weiler ist auf das Duisburger Steinbart-Gymnasium gegangen. Er blickt auf die Zeit zurück.

Foto: MediaCampus

Duisburg.   Das Steinbart-Gymnasium hat sich in den letzten 60 Jahren verändert. Wie, das berichtet Matthias Wehner.

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„Früher war alles besser!“ Diese Aussage hört man immer wieder. Ich wollte dies überprüfen und habe deshalb über unsere Schule recherchiert.

Das Steinbart-Gymnasium existiert schon seit 140 Jahren und hat sich ganz schön verändert. Mich interessierte vor allem die Veränderungen der letzten 60 Jahren. Ich führte ein Interview mit Eugen Weiler (77), der von 1951 bis 1957 ein Schüler des Gymnasiums war. Er erzählte mir zum Beispiel, dass das Gymnasium nach dem Krieg neu aufgebaut werden musste.

Oder dass die Schule ein eigenes Schullandheim besaß. Dieses Schullandheim lag in Burscheid Maxhan, in der Nähe vom Altenberger Dom. Dort wurde zwar auch Unterricht abgehalten, doch man unternahm mehr Aktivitäten im Freien.

Er erzählte mir, dass es eine Aufnahmeprüfung gab, um überhaupt auf die Schule gehen zu dürfen. Heute werden lediglich die Zeugnisse der Schüler verglichen. Zudem musste man früher Schulgeld bezahlen. Heute ist die Schule grundsätzlich kostenlos für alle. Ich fragte ihn dann, ob es in der Schule eine Mensa oder eine Cafeteria gab. Darauf antwortete er mit einem Nein. „Es gab keine Mensa. Man konnte aber in den Pausen in den Keller gehen und sich dort an der Ausgabe Milch, Kakao oder so eine Art Brei holen“.

Ein Jungengymnasium

Dann fragte ich, wie es mit der Gleichberechtigung zwischen Jungen und Mädchen aussah: „Ganz einfach, es gab keine. Das Steinbart war ein Jungengymnasium.“ Er erzählte mir aber auch, dass es ein Mädchen doch irgendwie auf das Steinbart geschafft hat, woraufhin dann später die Schule noch mehr Mädchen aufnahm. Wie genau es dieses Mädchen auf unsere Schule geschafft hat, konnte Eugen Weiler mir leider nicht erklären.

Dann sprachen wir über die Bücher, die man früher noch bezahlen sollte. Heute muss man höchstens die Arbeitshefte selber kaufen.

Aber auch hier gab es wieder Ausnahmen. Denn für die Ärmsten aus der Klasse wurden extra Bücher bestellt, die weder die Schüler, noch die Eltern bezahlen mussten. Dies wurde geheim zwischen den betroffenen Eltern und den Lehrern abgesprochen.

Freund- oder Feindschaften zwischen den Klassen?

Es gab, genauso wie bei uns, Klassenzüge für jedes Schuljahr. Klassenzüge sind die einzelnen Klassen in jedem Schuljahr, wie zum Beispiel die Klasse 8e. Nur gab es damals nur zwei Züge für jede Jahrgangsstufe. Wenn man heute auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Klassen der Jahrgangsstufe sieht, stellt man fest, dass es immer unterschiedlich ist. So versteht sich die „b“ besser mit der „d“ als mit der „a“. Doch früher gab es nur Rivalitäten zwischen den Klassen. Beispielsweise nannte die Klasse von Eugen Weiler die Parallelklasse immer die „Parallelhunde“. Allerdings waren diese Rivalitäten eher zum Spaß gedacht. „Es war einfach nur ein Konkurrenz-Denken“. Die Parallelklassen selber hatten fast keine gemeinsamen Kurse. Auch nicht in Religion, weswegen Weiler, als einziger Katholik in der Klasse, bei der anderen Klasse den Unterricht mitmachen musste.

Gefeiert wurde immer schon

Bei Schulaufführungen oder Schulfesten half die ganze Schule mit. Das hat sich in den letzten 60 Jahren nicht geändert, zumindest beim Schulfest. Für die Aufführungen haben wir heute eine „Theater-AG“. Doch damals, gab es noch keine AGs.

Das „neusprachliche“ Gymnasium

Es gab insgesamt dieselben Fächer damals wie heute auch. Doch heute haben wir noch die ganzen „WP2“ Fächer, die ab dem achten Schuljahr unterrichtet werden. Die meisten Wahlfächer, bis auf Spanisch, gab es damals noch nicht. Das einzige Wahlfach war Spanisch; man konnte es erst in der Oberstufe wählen. Generell konnte man erst ab der Oberstufe die Fächer wählen, die man machen wollte. Das galt auch für Französisch und Latein. Es gab sogar Altgriechisch, was vor 8 Uhr morgens stattfand. Während man heute spätestens ab dem sechsten Schuljahr eine der beiden Sprachen wählen muss, mussten die Schüler früher beide Fächer machen. Das lag daran, dass das Steinbart-Gymnasium ein „neusprachliches“ Gymnasium war.

Bei ihm war es so, dass er vorher drei Jahre auf das Mercator-Gymnasium ging und dort Latein lernte. Als er schließlich auf das Steinbart wechselte, musste er noch Französisch dazu lernen, ohne, dass ihn vorher jemand gefragt hatte, ob er das überhaupt möchte.

Der Geschichtsunterricht endete vor dem Dritten Reich

Er erzählte mir auch, dass sie im Geschichtsunterricht alles bis auf das Dritte Reich gemacht hatten. „Man hatte das Thema lediglich kurz angedeutet. Sonst nichts“.

Apropos Unterricht. Es gab früher den sogenannten Frontalunterricht. Dort stand der Lehrer die ganze Zeit vorne und ging bei Arbeitszeiten nicht durch den Raum, um bei den Schülern nach dem Rechten zu sehen.

Nur bei Kunst ging der Lehrer umher, wenn die Schüler zeichnen sollten. Außerdem wechselten sich Chemie und Biologie pro Halbjahr ab, genauso, wie es bei einigen Klassen einen halbjährigen Wechsel zwischen Kunst und Musik gibt.

Wie lange dauert eine Schulstunde?

Die Schulstunden selber dauerten 45 Minuten. Davon gab es allerdings sechs Stück, was auch heißt, dass man das Schulmaterial für sechs Fächer mitnehmen musste. Die Pausen hatten genauso viele Minuten wie heute auch. Die kleinen fünf bis zehn Minuten und die große 15 bis 20 Minuten. In den Pausen hat man meistens getobt. Später, im Alter von 16 oder 17 Jahren, ging man in die Tanzschule.

Aber um zur Stundenanzahl zurückzukommen: Es gab ab und zu auch sieben Schulstunden am Tag, was dann der Nachmittagsunterricht gewesen sein muss. Arbeiten wurden drei- bis viermal im Halbjahr geschrieben, was sich bei uns nicht verändert hat. Allerdings änderte sich die Zahl der Arbeiten immer wieder, da das Ministerium immer andere Richtlinien verfasste. Ansonsten gab es noch die üblichen Vokabeltests. Für die Arbeiten gab es meistens Doppelstunden, wenn die Zeit nicht reichte.

Das Lineal als Schlagstock

Die Lehrer waren damals, wie heute unterschiedlich. Sowohl vom Unterricht her, als auch bei den damaligen Strafen. „Wir hatten einen Lehrer, der hatte eine besondere Art der Ohrfeige. Er holte immer mit der einen Hand aus, sodass man den Kopf wegzog, aber der Schlag kam dann immer von der anderen Seite,“ berichtete Eugen Weiler. Aber dies war nicht die einzige Strafe, die ihr heute nicht mehr kennt. Kopfnüsse, am Ohr hochziehen, oder ein Lineal auf dem Kopf eines Schülers zerbrechen. Dies alles waren übliche Strafen, wenn man Unsinn gemacht hatte. Es gab sogar kollektive Strafen, wenn die ganze Klasse Unsinn machte. Auch hier waren die Strafen sehr kreativ.

Ein Beispiel wäre, dass die Klasse die ganze Stunde lang stehen musste. Aber auch die Klassensprecher mussten für das, was ihre Kameraden angestellt haben, büßen. Das führte dann in der Klasse von Eugen Weiler dazu, dass kein Klassensprecher gewählt wurde, weil keiner wollte. Sie regelten das dann so, dass zwei Konsuln gewählt wurden. Dies fand das Direktorat nicht so toll. Doch das Direktorat und die Klasse wurden sich doch noch einig und konnten sich mit ihren Konsuln durchsetzen.

Ansonsten gab es die Strafen, die man heute auch noch kennt. Klassenbucheintrag, Nachsitzen, Strafarbeiten usw. Doch die Strafarbeiten sahen anders aus als heute. Denn früher musste man nur den Satz „Ich soll nicht im Unterricht stören“ 100-mal abschreiben. Die meisten Strafen gab es für hartnäckiges Schwatzen oder mit Verspätung zum Unterricht kommen. Für nicht gemachte Hausaufgaben gab es nur einen Klassenbucheintrag. Doch wenn man die Hausaufgaben zu oft nicht hatte, dann gab es schlechtere Noten oder gleich den blauen Brief.

Kommen wir nun zu den Lehrern, die genau so waren wie heute. Einige sind ganz normal, andere sind etwas strenger. „Es gab aber auch mal einen Vorfall, wo der Direktor einen Klassenkameraden gefragt hat, ob sie mal eben rausgehen wollen und einen Boxkampf bestreiten. Denn die beiden konnten Boxen. Doch zu diesem Kampf ist es nie gekommen.“

Was hat sich also verändert?

Die Schule hat sich in den letzten 60 Jahren deutlich verändert. Heute haben wir weder körperliche Strafen, noch ein eigenes Schullandheim. Dafür haben wir aber ein Wahlrecht auf einige Fächer schon vor dem Abitur und einige AGs. Und wenn ich selber auf diesen Artikel schaue, finde ich, ist das Steinbart-Gymnasium an sich eine sehr gute Schule. Sowohl damals, wie auch heute.

Matthias Wehner, Klasse 8e, Steinbart-Gymnasium, Duisburg

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