Die Stadt hat im Herbst 2024 im dritten Jahr in Folge eine Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Das Ziel: Verwaltung und Politik wollen Meinungen und Einstellungen der Duisburgerinnen und Duisburger zum Leben in der Stadt erfahren und auswerten. Die Ergebnisse seien „eine wichtige Möglichkeit, um Anliegen der Bürgerinnen und Bürger in das Handeln der Stadt einfließen zu lassen“, sagt Stadtdirektor Martin Murrack. Von 25.000 zufällig ausgewählten Bewohnern ab 16 Jahren beteiligten sich 7341 an der schriftlichen und anonymen Befragung. Einen festen Platz darin hat auch die Frage nach den fünf größten Problemen.

Die Teilnehmer der Duisburger Bevölkerungsbefragung 2024 haben Kriminalität und Unsicherheit am häufigsten als eines von Duisburgs fünf größten Problemen benannt. (Archivbild)
Die Teilnehmer der Duisburger Bevölkerungsbefragung 2024 haben Kriminalität und Unsicherheit am häufigsten als eines von Duisburgs fünf größten Problemen benannt. (Archivbild) © FUNKE Foto Services | STEFAN AREND

„Was sind Ihrer Meinung nach zurzeit die fünf größten Probleme in Duisburg insgesamt?“, wollte die Stadt bereits 2022 und 2023 wissen. Die Befragten konnten aus 28 vorgegebenen Antwortmöglichkeiten auswählen und diese anklicken beziehungsweise ankreuzen. (6287 Teilnehmer nutzten den Online-Fragebogen, 1054 füllten einen Papier-Fragebogen aus.) Zur Wahrnehmung der größten Duisburger Probleme in der Bevölkerung dokumentieren die Umfrageergebnisse teils deutliche Veränderungen in den vergangenen drei Jahren.

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Umfrage in Duisburg: Zuwanderung wird nicht mehr als größtes Problem betrachtet

So wurde „Zuwanderung“ zuletzt nicht mehr am häufigsten genannt. 2023 wählten noch 50,1 Prozent der Befragten diese Antwort, 2024 war es 46,7 Prozent. Noch drastischer aber fallen die Unterschiede zum Jahr 2022 aus. Damals gaben noch deutlich weniger Teilnehmer „Zuwanderung“ als eines der fünf größten Duisburger Probleme an: 37,8 Prozent der Befragten.

Solche Schwankungen sind aus repräsentativen Umfragen zum Stimmungsbild in Deutschland bekannt. Die Forschungsgruppe Wahlen fragt regelmäßig: „Was ist Ihrer Meinung nach gegenwärtig das wichtigste Problem in Deutschland?“ Höchstwerte für die Antwortmöglichkeit „Ausländer/Integration/Flüchtlinge“ wurden während der sogenannten Flüchtlingskrise 2015/16 gemessen (über 80 %). Nach dem Solingen-Attentat 2024 stieg der Wert wieder stark (45 %), ebenso vor der Bundestagswahl 2025 (42 %).

Auch Duisburger Umfrageergebnisse von Migrationsdebatten geprägt

Zu den Erklärungen hat jüngst Dr. Conrad Ziller vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen eine Analyse veröffentlicht: „Aktivierte Vorbehalte: Wie Migration zum Schlüsselthema der Bundestagswahl 2025 wurde“. Der Grund für die sprunghafte öffentliche Problemwahrnehmung seien „weniger Veränderungen in den Grundhaltungen der Menschen“. Ursächlich sei vielmehr „die Aktivierung vorhandener Einstellungen und ihre politische Instrumentalisierung – insbesondere in Zeiten verstärkter öffentlicher und politischer Debatten (wie bei Wahlen).“

So nutze und konstruiere die AfD gezielt Ereignisse, um latente Einstellungen zu aktivieren und politisch zu mobilisieren. Nach dem Solingen-Anschlag sei es den Rechtspopulisten auch dank einer verstärkten Berichterstattung gelungen, „die Migrationsdebatte zu dominieren und das Thema als wahlentscheidend zu positionieren“, so Ziller.

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Das dürfte die Duisburger Befragungen ebenfalls beeinflusst haben: 2024 wurden die Einwohner im September und Oktober befragt, also während der Migrationsdebatten nach dem islamistischen Messerangriff von Solingen. Vor der Befragung Ende 2023 hatte Bundeskanzler Scholz gefordert: „Wir müssen endlich im großen Stil abschieben.“ Unabhängig von gesamtdeutschen Themen haben aber sicher auch Duisburger Faktoren großen Einfluss auf das Stimmungsbild, etwa der starke Zuzug von Bulgaren und Rumänen, der die Kommune seit Jahren überfordert und zu sozialen Spannungen führt.

Duisburger bewerten Kriminalität und Unsicherheit als größtes Problem

Am häufigsten als eines der fünf größten Duisburger Probleme wurde in der 2024er-Erhebung „Kriminalität/Unsicherheit“ genannt: 49,3 Prozent der Befragten entschieden sich dafür, noch mehr als in der Vergangenheit (2023: 45,2 %; 2022: 45 %). Ein Grund dürfte der Anstieg der Messer- und Jugendkriminalität, auch in Duisburg, und die verstärkte mediale Berichterstattung darüber sein, etwa über die Furcht vor Jugendbanden in Meiderich oder vor südosteuropäischen Zugewanderten in Neumühl.

Für ein verschlechtertes subjektives Sicherheitsempfinden der Duisburger spricht auch: Unter den zehn am häufigsten genannten Problemen ist neben der „Unsicherheit auf Straßen oder öffentlichen Plätzen“ (Rang 5; 2024: 30,1 %; 2023: 29 %) erstmals auch die „Unsicherheit an Haltestellen oder Bahnhöfen“ vertreten (2024: 17,1 %; 2023: 16,4 %).

Straßenschäden und mangelhafte Sauberkeit in den Top 5

Wie 2022 und 2023 zählen die „Schäden im Straßenraum (Schlaglöcher u.a.)“ zu den drei meistgenannten Problemen, diesmal mit 43,9 Prozent, was einem leichten Rückgang entspricht (2023: 45,4 %).

Ein Dauerärgernis in Duisburg: Dass die Stadt über Jahre hinweg sparen musste, bekommen Auto- und Radfahrer noch heute zu spüren.
Ein Dauerärgernis in Duisburg: Dass die Stadt über Jahre hinweg sparen musste, bekommen Auto- und Radfahrer noch heute zu spüren. © FUNKE Foto Services | Volker Herold

Am vierthäufigsten nannten die Befragten die „Mangelhafte Sauberkeit von Straßen und Grünanlagen“ (2024: 32,3 %; 2023: 30,8 %). Die Umfrageergebnisse zu Verschmutzung und Unsicherheit dürften dazu beigetragen haben, dass die Stadt im September auf SPD-Initiative den Städtischen Außendienst (SAD) um einen Bezirksdienst und 15 Stellen für Kontrollen in den sieben Stadtbezirken aufgestockt hat.

Baustellen stören weniger

Die deutlichste Veränderung in den „Top 10“:  Viel weniger Duisburger betrachten „Zu viele Baustellen“ 2024 als eines der größten Probleme. Im Jahr zuvor nannten dies noch 29,9 Prozent der Befragten, 2024 nur noch 21,7 Prozent. Zur Erinnerung: In der Stadt herrschte 2023 wegen etlicher Autobahn-Baustellen und der Sperrung wichtiger innerstädtischer Verbindungen zeitweise Verkehrschaos.

Problembewusstsein hängt vom Wohnort ab

Bei der Benennung des größten Problems im Stadtteil gibt es abhängig vom Wohnort der Befragten freilich große Unterschiede, hier zeigt sich die soziale Spaltung der Stadt. Das größte Problem in ihrem Umfeld sind die Straßenschäden aus Sicht der Menschen in den vier Stadtbezirken Rheinhausen, Süd, Homberg/Ruhrort/Baerl und Mitte. Die Einwohner der drei Bezirke Walsum, Meiderich/Beeck und Hamborn dagegen betrachten Zuwanderung und Kriminalität als größtes Problem.

>> Stadt: Lebensqualität in Duisburg wurde besser bewertet als 2023

Unter den 7341 Befragten sind im Vergleich zur Duisburger Gesamtbevölkerung Ältere (ab 45 Jahren) überrepräsentiert, Jüngere deutlich unterrepräsentiert.

Die Stadt fasst die Ergebnisse der Befragung 2024 zum „Leben in Duisburg“ und zur „Freizeitgestaltung“ so zusammen:

  • „Über zwei Drittel der Personen leben gerne in Duisburg.“
  • „Die Lebensqualität in Duisburg wurde besser bewertet als im Vorjahr.“
  • „Am wenigsten zufrieden zeigen sich die Befragten mit dem Angebot an Frei-, Hallen- und Allwetterbädern in Duisburg.“
  • „Dürften sich die Menschen in Duisburg etwas für die Zukunft der städtischen Freizeitangebote wünschen, wären dies vor allem mehr günstige bzw. kostenlose Angebote sowie eine bessere Erreichbarkeit mit Bussen und Bahnen.“

Die ausführlichen Ergebnisse der Bevölkerungsbefragungen hat die Stadt auf duisburg.de veröffentlicht.