Bei der Bundestagswahl hat Cansin Köktürk, 31, im Februar in Bochum mit 12,1 Prozent für Die Linke ein Rekordergebnis eingefahren, seit Ende März ist sie nun Teil des Deutschen Bundestages. Doch zum Start veröffentlichte sie ein Foto, das eine bundesweite Debatte auslöste.

Der Grund liegt in dem Stück Stoff, das sich die 31-Jährige auf dem auf Instagram veröffentlichten Bild im Bundestag um den Hals geknotet hat: die schwarz-weiße Kufiya, auch „Palästinensertuch“ genannt. Für die einen ein Symbol, um Solidarität mit der palästinensischen Zivilbevölkerung auszudrücken. Für die anderen ein antisemitisches Zeichen, weil zum Beispiel auch die bestialische Terrororganisation Hamas dieses Tuch trägt, die Israel vernichten will. Die Bild-Zeitung schrieb deswegen: „Linken-Politikerin provoziert mit Pali-Tuch“.

Cansin Köktürk gibt eine Stellungnahme auf Instagram ab

Cansin Köktürk war für diese Redaktion nicht zu erreichen. Sie veröffentliche allerdings auf Instagram eine Stellungnahme, in der sie angibt, dass sie das Tuch trage, „weil ich die vom Internationalen Gerichtshof, vom internationalen Strafgerichtshof, der Vereinten Nationen, aber auch unzähliger namhafter Menschenrechtsorganisation angemahnten Menschenrechtsverletzungen durch die israelische Regierung ernst nehme. So wie ich es von jedem Bundestagsabgeordneten erwarte“. Und weiter: „Ich möchte betonen, dass das Tragen der Kufiya und die Solidarität mit Palästina nicht gleichzusetzen ist mit der Unterstützung für die Terrororganisation Hamas.“

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Hintergrund ist der Krieg der israelischen Regierung gegen die Terrororganisation Hamas im Gazastreifen als Reaktion auf das grausame Hamas-Attentat am 7. Oktober 2023 mit 1182 Todesopfern und zahlreichen verschleppten Geiseln. Nach palästinensischen Angaben wurden seit Kriegsbeginn mehr als 46.000 Palästinenserinnen und Palästinenser in Gaza getötet und weitere 110.000 verletzt. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat wegen Menschrechtsverstößen Haftbefehl gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erlassen.

Kritik von der CSU und der deutsch-israelischen Gesellschaft Rhein-Neckar

Cansin Köktürk bezeichnet das Vorgehen Israels als Völkermord und sagt: „Die Dämonisierung der Solidaritätsbekundungen von tausenden Menschen weltweit, die friedlich für den Erhalt der Menschenrechte auf die Straße gehen, als ,antisemitisch‘ weise ich entschieden zurück.“ Die Kufiya sei kein Zeichen des Hasses, „sondern der Solidarität und der Sichtbarkeit Palästinas“.

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Daniela Ludwig (49, CSU), die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für jüdisches Leben in Deutschland und für die Beziehungen zum Staat Israel, beklagt hingegen in der Bild-Zeitung: „Es ist eine unerträgliche Provokation, dass eine Abgeordnete der Linken mit dem Palästinensertuch bei der konstituierenden Sitzung des Bundestages posiert. Unser Parlament ist ein Ort des friedlichen Dialogs.“

Und die deutsch-israelische Gesellschaft Rhein-Neckar, die Teil der zentralen Organisation in Deutschland ist, erklärt bei Facebook, dass die Kufiya längst kein neutrales Kleidungsstück mehr sei. „Sie steht symbolisch für eine Ideologie, die in ihrer radikalisierten Form die Vernichtung Israels propagiert.“

Ursprünglich stammt das Palästinensertuch aus der Region Kufa im Irak, es sollte Arbeiter vor der Sonne schützen. In Deutschland erlangte es unter anderem Bekanntheit durch den 2004 verstorbenen Jassir Arafat, Anführer der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“. Dadurch entwickelte sich das Tuch zum Symbol des palästinensischen Befreiungskampfes.