Haustiere

Wenn sich Hund und Katze mit dem Coronavirus infizieren

Coronavirus - kann sich mein Haustier anstecken?

Eine Nachricht aus Hongkong, wonach sich ein Hund bei seiner Besitzerin mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt hat, alarmiert Menschen in aller Welt. Doch Experten zweifeln daran, dass die Übertragung tatsächlich so stattgefunden hat. Coronavirus-Infektionen bei Hunden sind allerdings nichts neues.

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Berlin.  Nicht nur Menschen, sondern auch Hunde und Katzen können sich anstecken – das muss sogar gemeldet werden. Was Halter wissen sollten.

Was noch vor wenigen Monaten als unwahrscheinlich galt, ist nun Realität: Auch Haustiere können sich mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren. Dafür gibt es mittlerweile weltweit Beispiele.

Im International Wildlife Conservation Park, kurz Bronx Zoo, in New York beispielsweise steckten sich Anfang April gleich mehrere Großkatzen an: Fünf Tiger und drei afrikanische Löwen wurden positiv auf Covid-19 getestet. Letztere entwickelten nach Angaben des Zoos gar deutliche Krankheitssymptome, wie sie auch von menschlichen Virusträgern bekannt sind, darunter trockenen Husten.

Angesteckt haben sollen sich die Tiere bei einem Mitarbeiter, der laut Angaben des zoogischen Gartens entweder asymptomatisch war, oder aber noch keine Beschwerden entwickelt hatte. Die gute Nachricht: Alle erkrankten Großkatzen erholten sich binnen weniger Wochen von ihrer Infektion.

Dennoch: Experimentelle Untersuchungen chinesischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass eine Infektion mit dem Virus vor allem für manche Haustiere gefährlich werden kann. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Haustiere können sich mit dem neuartigen Coronavirus infizieren?

Nach bisherigen Erkenntnissen sind vor allem Hunde, Katzen, Nerze und Frettchen betroffen. Die Fallzahlen jedoch sind bislang sehr gering. „Weltweit wurden kaum mehr als ein Dutzend Infektionen dokumentiert“, sagt Thomas Vahlenkamp, Direktor des Instituts für Virologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig.

Für eine Studie haben Forscherinnen und Forscher um Jianzhong Shi vom Harbin Veterinary Research Institute in China kürzlich sowohl Hunde als auch Katzen mit SARS-CoV-2 infiziert. Während Hunde keinerlei Symptome gezeigt hätten, entwickelten die getesteten Katzen – ähnlich wie infizierte Menschen – infolgedessen teils Atemwegsbeschwerden und sogar Durchfall.

Können sich Haustiere bei infizierten Personen anstecken?

Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, ist das – je nach Tierart – nicht komplett auszuschließen. Allerdings bedeute eine Infektion von Haustieren nicht automatisch, dass sich das Virus in den Tieren vermehren und so weiterverbreiten kann.

Laut Vahlenkamp, scheint das aber zumindest bei Katzen unter Artgenossen möglich zu sein, wie experimentelle Studien zeigten. der Fall zu sein. Ähnliche Erfahrungen haben darüber hinaus auch Betreiberinnen und Betreiber von Nerzfarmen in den Niederlanden und Dänemark gemacht, wo einige Tiere in Folge einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Atemwegsbeschwerden entwickelt hätten und zum Teil daran gestorben seien.

„Infektionen sind möglich, treten aber sehr selten auf, und sie standen immer im Zusammenhang mit einem humanen Fall“, sagt Virologe Vahlenkamp. Wenn also Hunde- oder Katzenbesitzer mit dem neuen Coronavirus infiziert sind, besteht auch für deren Haustiere eine Infektionsgefahr.

Aus diesem Grund sollten Halter, die zuvor positiv getestet wurden, engen Kontakt zu ihren Haustieren wenn möglich vermeiden und besonders auf Hygiene achten. Heißt: Die Tiere weder anhusten noch anniesen, regelmäßig Hände waschen und sich nicht von Hund oder Katze durchs Gesicht lecken lassen.

Hunde sollen Covid-19 erschnüffeln
Hunde sollen Covid-19 erschnüffeln

Können Haustiere wie Katzen und Hunde SARS-CoV-2 auf den Menschen übertragen?

Obwohl experimentelle Studien gezeigt haben, dass Katzen das Virus übertragen könnten, gibt es bislang keinen dokumentierten Fall, indem ein Haustier seinen Halter angesteckt hat, so Vahlenkamp. Die Pandemie würde vor allem durch die Übertragung von Mensch zu Mensch getrieben.

Wer mehrere Hunde und Katzen hält, sollte allerdings wissen, dass sich die Tiere untereinander anstecken können. Im Fall eines positiv getesteten Tieres, könnte es daher sinnvoll sein, dessen Kontakt zu anderen zumindest zeitweise zu unterbrechen.

Beispielsweise durch eine Art Quarantäne in einem separaten Zimmer oder durch die Unterbringung auf einer Quarantänestation eines Veterinäramts. Die Quarantänezeit liegt ähnlich wie beim Menschen bei etwa zwei Wochen.

Bilden Haustiere Antikörper gegen das Virus?

Eine weitere Studie der chinesischen Forscherinnen und Forscher vom Harbin Veterinary Research Institute legt zumindest nahe, dass dies bei einigen Tieren der Fall sein dürfte.

Dafür untersuchten sie insgesamt 120 Katzen aus der besonders von Covid-19 betroffenen chinesischen Stadt Wuhan auf Antikörper gegen SARS-Cov-2. Elf von ihnen hätten nach Angaben der Forschenden Antikörper gebildet. Deren Vorhandensein deutet laut aktuellem Forschungsstand auf eine durchgemachte Infektion hin.

Wie finde ich heraus, ob mein Haustier am Virus erkrankt ist?

Tatsächlich verlaufen die meisten Infektion weitgehend symptomfrei. „Es könnte dennoch sein, dass eine Infektion von Tieren mit entsprechenden Vorerkrankungen, ähnlich wie bei Menschen, tödlich enden kann“, sagt Vahlenkamp. Ein Test lohne sich allerdings nur dann, wenn es im Haushalt auch humane Fälle gegeben hätte. Denn bei Katzen beispielsweise, seien die Symptome kaum von einem normalen Katzenschnupfen zu unterscheiden, so Vahlenkamp.

Wer glaubt, dass sein Hund oder seine Katze mit SARS-CoV-2 infiziert ist, kann das Tier bei einem Veterinär testen lassen. Auch das Institut für Virologie der Universität Leipzig bietet solche Tests an. Doch selbst wenn Halter den Verdacht haben, ihr Haustier könnte infiziert sein, sind sie keineswegs dazu verpflichtet, eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufzusuchen.

Was kostet ein Coronatest für Haustiere?

Laut Vahlenkamp liegen die Kosten „im unteren zweistelligen Bereich.“ Wer sein Haustier freiwillig testen lassen will, muss das selbst bezahlen.

Sind infizierte Haustiere meldepflichtig?

Tiere, die sich nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, müssen nach einer Entscheidung des Bundesrates seit dem 14. Juli einer Veterinärbehörde gemeldet werden. Das funktioniert in der Regel direkt über die Tierärztin oder den Tierarzt, der die Untersuchung vorgenommen hat. Das Veterinäramt wiederum meldet den Fall an das Tierseuchennachrichtensystem. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Institutes kann das Veterinäramt auch eine Quarantäne anordnen.

Ziel der Vorgabe ist es, eine Übersicht über Vorkommen und Ausbreitung der Krankheit bei Tieren zu erhalten, um weitergehende Erkenntnisse zur Epidemiologie von SARS-CoV-2 gewinnen zu können.

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