Radfahren

Strom unterm Sattel – Das Geschäft mit E-Bikes boomt weiter

Das E-Bike ist im Aufwind. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so viele verkauft wie nie.

Das E-Bike ist im Aufwind. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so viele verkauft wie nie.

Foto: Schindelhauer / sps

Berlin  Die Deutschen sind im Elektro-Rausch: Im Jahr 2018 wurden hierzulande mehr als 900.000 E-Bikes verkauft. Und damit mehr als je zuvor.

In diesem Jahr werden in Deutschland so viele Fahrräder mit elektrischem Unterstützungsmotor auf den Straßen unterwegs sein wie nie zuvor. 2018 wurden mehr als 900.000 E-Bikes­ verkauft – fast doppelt so viele wie 2014, so erste Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands. Die Deutschen sind im Elektro-Rausch.

Neueren Modellen sieht man dabei oft erst auf den zweiten Blick an, dass hier ein integrierter Motor mithilft – eher schon verrät dies der entspannte Gesichtsausdruck des Radfahrers, der mit seinem Gefährt scheinbar mühelos selbst steile Berge hochstrampelt.

Wer in diesem Jahr auf ein Rad mit Akku aufsteigen will, hat beim Kauf eine so große Auswahl wie noch nie. Ein Überblick über die interessantesten Entwicklungen aus der E-Bike-Welt.

Mehr Motorenvielfalt

Wer heute E-Bike sagt, meint eigentlich ein Pedelec. Denn streng genommen bezeichnet der Begriff E-Bike nämlich nur die Räder, die wie ein elektrisches Moped allein mit Motorkraft fahren können. Auf einem Pedelec hingegen muss der Fahrer stets in die Pedale treten, der Motor unterstützt ihn nur dabei.

Wie stark der Motor mithilft, wird dabei durch Sensoren bestimmt. Sie messen, wie schnell und ob gerade kräftig oder nur leicht in die Pedale getreten wird. Bei den klassischen Pedelecs ist ab 25 Stundenkilometern Schluss. Wer schneller fahren will, muss die Kraft wieder komplett selbst aufbringen. Zwar gibt es auch sogenannte S-Pedelecs, die bis zu Geschwindigkeiten von 45 km/h mithelfen, sie gelten aber als Leichtkraftrad und unterliegen einer Führerscheinpflicht – ihr Anteil am Markt beträgt etwa ein Prozent.

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Für die klassischen Pedelecs ist das Angebot mittlerweile aber riesig. Tatsächlich sei vor allem die große Vielfalt von Antriebstypen ein Trend in der Branche, sagt Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f): „Vor ein paar Jahren hatten Händler meist nur ein einziges E-Bike im Angebot. Heute gibt es dagegen für jeden Einsatzzweck ein passendes Antriebskonzept.“

Im Citybereich braucht es fließendes Fahrgefühl

So unterscheiden sich die Bedürfnisse von Mountainbikern und Stadtradlern deutlich – entsprechend verschieden sind Pedelec-Motoren heute ausgelegt. „Mountainbiker brauchen vor allem Power und Rückenwind am Berg, außerdem fahren sie meist mit einer deutlich höheren Trittfrequenz als Alltagsradler. Auch wird ein ganz anderes Ansprechverhalten des Motors benötigt als etwa beim Fahren in der Stadt“, sagt Geisler.

Wer sein Pedelec vor allem im urbanen Umfeld für kurze Strecken nutze, profitiere dagegen von einem „harmonischen System – man fährt mal an der Ampel los, muss wegen eines Fußgängers abbremsen. Im City-Bereich braucht man nicht den Wumms eines E-Mountainbikes, sondern ein gemächliches, fließendes Fahrgefühl.“

Die großen Hersteller Bosch, Shimano und seit Kurzem auch Brose bieten jeweils fünf verschiedene Motoren an – für Stadt- und Tourenfahrer bis hin zu leistungsorientierten Mountainbikern. Ganz neu ist etwa der Drive C von Brose. Mit 50 Newtonmetern (Nm) Drehmoment liefert er zwar weniger Leistung als sportlich orientierte Motoren, die bis zu 90 Nm Drehmoment bieten, soll sich dafür aber durch ein besonders harmonisches Fahrverhalten auszeichnen und sei zudem sparsamer als die Kraftpakete in Mountainbikes. Auch bei Shimano ist das jüngste Motorenmodell E5000 für Stadtfahrten optimiert – der Motor ist auf 40 Nm Drehmoment ausgelegt und mit 2,5 Kilogramm zudem sehr leicht.

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Neue Formen

Die häufigste Bauform von Elektromotoren ist der Mittelmotor – er sitzt direkt am Tretlager, zwischen den Kurbeln und Pedalen. Längst gibt es aber auch Motoren, die an der Vorderrad- oder der Hinterradnabe angebracht sind. Das ermöglicht auch den Einsatz an Falträdern wie etwa beim Brompton Electric (ca. 3000 Euro, bald in Deutschland erhältlich). Immer beliebter werden zudem auch Lastenräder mit E-Motor.

Eine interessante Besonderheit hat das Hamburger Start-up Nüwiel entwickelt: einen Fahrradanhänger mit E-Motor. Der soll das Fahrrad nicht schieben, sondern ist nur dann aktiv, wenn der Anhänger gezogen wird. Der Radfahrer spürt so kein zusätzliches Gewicht. Dabei soll Nüwiel aber ein Gewicht von bis zu 150 Kilogramm ziehen können. Derzeit wird der Anhänger im gewerblichen Umfeld getestet, eine kleinere Variante für Privatanwender sei geplant.

Mehr Zubehör und Extras

Nicht nur bei den Motoren hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan, auch im Bereich Zubehör gibt es viel Neues, sagt Geisler. Schon seit fünf Jahren sei es etwa erlaubt, das Licht am Fahrrad auch direkt aus dem Akku zu speisen – und das eröffne den Lichtgestaltern ganz neue Möglichkeiten. Recht neu sind etwa Scheinwerfer mit Fernlicht, das außerhalb von Ortschaften angeschaltet werden kann, zum Beispiel der IQ-XM 80 LUX von Busch und Müller (ab 160 Euro) oder der noch deutlich hellere Supernova M 99 Mini Pro-25 (ab 270 Euro).

Bosch hat zudem ein anderes Sicherheitselement aus dem PKW-Bereich für E-Bikes verfügbar gemacht: ABS. Geisler bewertet das positiv: „Ich finde das vor allem für weniger geübte Radfahrer sinnvoll, da es ihnen beim Bremsen mehr Sicherheit gibt.“ Auch bei den Reifen haben sich die Hersteller angepasst. „Durch die höheren Geschwindigkeiten und die höheren Kräfte, die bei den Pedelecs wirken, müssen die Reifen auch anders ausgestattet sein.

Die Änderungen reichen hier von der Gummimischung über ein angepasstes Profil bis hin zur verstärkten Flanke.“ Fahrradreifen-Hersteller Schwalbe hat in diesem Jahr gleich mehrere spezielle Reifen für elektrisch unterstützte Räder vorgestellt – darunter sogar einen für E-Rennräder.

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