Gesundheit

Mit dem Rauchen aufhören: Wie wirksam ist Hypnose?

Alkohol und Bier

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Berlin.  Eine Art Halbschlaf soll Tabaksüchtigen helfen, dem Nikotin zu entsagen. Wie das funktioniert und was die Methode tatsächlich bringt.

Rauchen ist in den Industrienationen das größte Gesundheitsrisiko und die Hauptursache vorzeitiger Sterblichkeit. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO stirbt alle sechs Sekunden ein Mensch an Krankheiten, die durch das Rauchen verursacht werden: Lungen- oder Kehlkopfkrebs, Herzleiden, Diabetes. Und Aufhören ist schwierig.

Nur jeder Zwanzigste siegt im Kampf gegen die Tabaksucht beim ersten Versuch und ohne fremde Hilfe. Seit Februar 2015 steht in den Leitlinien zur Behandlung des „schädlichen und abhängigen Tabakkonsums“ auch die Hypnose als mögliche Methode. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum ist es so schwierig, mit dem Rauchen aufzuhören?

„Beim Rauchen handelt es sich nicht um ein Gewohnheitsproblem, sondern um eine ordentliche, teilweise stark ausgeprägte Sucht“, sagt Psychologin und Raucherentwöhnungstherapeutin Cornelie Schweizer aus Tübingen in einem Web-Interview. Sie hat über den Rauchstopp per Hypnose promoviert, mehrere Jahre dazu geforscht und Bücher zu dem Thema verfasst.

Was passiert im Körper, wenn man aufhört zu rauchen?

„Das Suchtpotenzial von Nikotin ist extrem hoch“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Nikotin- und Tabakforschung (DGNTF). Wenige Zigaretten könnten ausreichen, ein Abhängigkeitssyndrom zu entwickeln. In Deutschland sind laut DGNTF rund sieben Millionen Menschen derart nikotinabhängig, dass sie ohne ärztliche Hilfe nur schwer rauchfrei werden könnten.

Was passiert bei einer Hypnose zur Raucherentwöhnung?

„Bei einer Hypnose sollen Bewusstseinszustände erreicht werden, die einen Rauchstopp begünstigen“, erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Ein Therapeut versetze den aufhörwilligen Raucher in eine Art Halbschlaf.

In dieser Trance versuche der Therapeut, die unbewussten Verknüpfungen des Rauchens mit bestimmten positiven Emotionen und suchtförderlichen Überzeugungen des Patienten aufzulösen: „Ziel ist es, das Sucht- durch neue positive Reaktionsmuster zu ersetzen.“

Therapeutin Cornelie Schweizer sagt: „Meist geht es nicht darum, das Rauchen unangenehm oder eklig zu machen, sondern dass man fragt, was daran wichtig war, was schön daran war und wie ich das, was das Rauchen mir gegeben hat, auch auf eine andere und gesündere Art erreichen kann.“

Studien zur Wirksamkeit nicht eindeutig

Schweizer selbst bettet die Hypnose in eine Gesamtbehandlung ein, die sich das Tübinger Programm nennt: Vorgespräch, Tipps für die erste rauchfreie Zeit, Hypnosesitzungen, Auffrischung und Nachbetreuung. „Es gibt ganz unterschiedliche Arten, mit Trancezuständen zu arbeiten“, sagt Schweizer. Ein guter Hypnotherapeut werde zusammen mit dem Raucher herausfinden, welche die passende Art sei.

„Eine ‚typische‘ Nichtrauchersitzung mit Hypnose gibt es nicht. Jeder Therapeut arbeitet anders“, erklärt der Verband für Hypnose. Einige Hypnotiseure bevorzugten die One-Stop-Methode, bei der man in nur einer einzigen Sitzung mit dem Rauchen aufhört, andere streckten die Behandlung über drei bis fünf Sitzungen hinweg.

Wie wirksam ist das?

„Die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit von Hypnotherapien bei der Tabakentwöhnung wird von Fachleuten als inkonsistent bezeichnet“, berichtet die BZgA. Das bedeutet: Es gibt Studien, die positive Effekte für den Rauchstopp nachweisen – und es gibt Untersuchungen, die keine Effekte zeigen.

Cornelie Schweizer verweist auf einige methodisch hochwertige Studien, die eine Wirksamkeit nachgewiesen hätten. Vor allem bei Gruppenbehandlungen gebe es eine Erfolgsquote von etwa 50 Prozent nach einem Jahr. In der Suchtbehandlung sei das eine sehr gute Quote. Schweizer rät zu drei bis sechs Sitzungen, um dauerhaft rauchfrei zu bleiben.

Für Raucher, bei denen andere Methoden fehlgeschlagen sind

Im Februar 2015 ist die Hypnotherapie von den Fachgesellschaften als eine mögliche Behandlung bei Tabaksucht eingestuft worden. Neben der Verhaltenstherapie sei es im psychotherapeutischen Bereich damit das zweite Verfahren, das eine solche Einschätzung bekommen habe, sagt Schweizer (siehe dazu auch Infokasten). Gleichzeitig wird in der entsprechenden Leitlinie gefordert, die Studienlage zu ergänzen.

Auch die Stiftung Warentest, die im vergangenen Jahr die Wirksamkeit verschiedener Rauchstopp-Methoden untersucht hatte, hielt die Studienlage für ausbaufähig. „Manche Anwender aber berichten über positive Erfahrungen“, heißt es in einem Bericht.

Die Verbraucherschützer empfahlen die Methode vor allem jenen Rauchern, bei denen die Entwöhnung mit anderen Methoden bisher fehlgeschlagen war.

Was sollten Interessierte tun?

Eine Internetsuche zeigt: Das Angebot ist riesig. Und die Versprechungen sind vollmundig. Bei Interesse an einer Hypnotherapie sollten Raucher einen „in klinischer Hypnose ausgebildeten ärztlichen oder psychologischen Hypnotherapeuten aufsuchen und nicht auf ‚Laienhypnotiseure‘ vertrauen“, heißt es in der Behandlungsleitlinie.

Schweizer empfiehlt, einen zertifizierten Therapeuten auszuwählen. Und: In einer Gruppentherapie sollte die Teilnehmerzahl nicht zu groß sein.

Was kostet das?

Die Preise legen die Behandler fest: Sie können mehrere Hundert Euro betragen – für einen oder mehrere Termine, in Gruppen oder einzeln. Einige Krankenkassen bezuschussen eine Hypnosebehandlung mit etwa 80 Euro. Auskunft geben die Kassen auf Nachfrage.

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