Ernährung

Krebsvorsorge: Welche Lebensmittel vor Tumoren schützen

Viel Gemüse und Obst, wenig Alkohol gehören zu einem gesunden Lebensstil.

Viel Gemüse und Obst, wenig Alkohol gehören zu einem gesunden Lebensstil.

Foto: Istockphoto/AlexRaths

Berlin.  Experten gehen davon aus, dass 30 bis 50 Prozent aller Krebsfälle vermeidbar wären. Eine gesündere Ernährung kann vor Tumoren schützen.

Allein in Deutschland erkranken aktuell jedes Jahr rund 500.000 Menschen neu an Krebs – eine Krankheit, die je nach Tumorart nicht nur hoch aggressiv ist, sondern oft auch nur schwer bis gar nicht zu heilen ist. Wäre es da nicht ein Segen, man könnte sich vor ihr schützen?

„Zwischen 30 und 50 Prozent aller Krebsfälle wären tatsächlich vermeidbar“, erklärt Verena Katzke vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Die Zahlen decken sich mit der Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und sind erschreckend hoch. Zu den vermeidbaren Risikofaktoren zählen unter anderem eine ungesunde Ernährung, Übergewicht, regelmäßiger Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und das Rauchen.

Krebs: Mit dem richtigen Lebenswandel kann man einer Erkrankung vorbeugen

Auch wenn ein gesunder Lebensstil und das Meiden der genannten Krebsrisikofaktoren keine Garantie darstellen, nicht an Krebs zu erkranken, könnte nach aktuellem Stand der Wissenschaft also rein rechnerisch jedes Jahr bis zu 250.000 Menschen in Deutschland die Krebsdiagnose erspart bleiben.

Hierzu hat der World Cancer Research Fund (WCRF) entsprechende Leitlinien veröffentlicht, denen auch das DKFZ folgt. Diese fassen den aktuellen Forschungsstand zusammen und bieten so einen umfassenden und validierten Überblick. Ergänzend spielen aber auch Infektionen, Umweltverschmutzung, krebserregende Substanzen der Arbeitsumgebung und Strahlung eine Rolle.

Der Mensch ist oft bequem, selbst wider besseren Wissens

„Ich denke, dass es grundsätzlich schwer ist, seine Lebensgewohnheiten umzustellen, solange noch kein einschneidendes Erlebnis vorgefallen ist“, so Katzke. „Erst muss das Kind in den Brunnen fallen, und dann wird was gemacht.“ Das merke jeder bei sich selbst. Der Mensch ist eben oft bequem, selbst wider besseren Wissens. Katzke rät daher, Lebens- und insbesondere die Ernährungsgewohnheiten langsam umzustellen. „Ein Punkt nach dem anderen.“

Am Ende stehen eine ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Sport. So wie es auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zur generellen Krankheitsprävention rät. „Die allererste Empfehlung, um das eigene Krebsrisiko zu senken, ist, man sollte so schlank wie möglich bleiben“, erklärt Katzke, die am DKFZ im Bereich Ernährungsepidemiologie arbeitet, „natürlich innerhalb des normalen Bereichs des Body-Mass-Index.“

Laut Klassifikation der WHO liegen die BMI-Werte bei Normalgewicht zwischen 18,5 und 25, wobei sich die Grenzen je nach Alter etwas verschieben. Zweitens solle man körperlich aktiv sein. „Hier liegt die Empfehlung bei etwa 150 Minuten moderater Aktivität in der Woche oder 75 Minuten intensiver Bewegung als Minimum“, so Katzke. Nach oben seien eigentlich keine Grenzen gesetzt.

Verkaufsstrategien statt Wunderwaffen: Eine Krebsdiät gibt es nicht

Im Detail geht das DKFZ in seinen Empfehlungen auch auf die Ernährung ein. Wer bei diesem Thema jedoch Krebswunderwaffen erwartet oder spezielle Krebsdiäten, von denen er gehört oder gar in Büchern gelesen hat, der wird enttäuscht. „Das sind alles Verkaufsstrategien“, betont Katzke. „Von solchen Versprechungen darf man sich nicht verleiten lassen.“

Denn auch wenn unter anderem Glukoseentzug, bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe wie beispielsweise der rote Farbstoff in Beeren oder das Sulforaphan in Brokkolisprossen in der Petrischale oder in Tierversuchen tolle Ergebnisse zeigten, seien diese Daten nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar. Das belegen auch erste klinische Studien. „Eine Krebsdiät gibt es nicht“, so die Expertin. „Genauso wenig wie DAS Lebensmittel, das uns vor Krebs schützt.“

So profan es klingt: Was nachgewiesenermaßen hilft, ist eine gesunde Ernährung – sich an Vollkornprodukte halten, viel Gemüse und Obst verzehren, ergänzend Hülsenfrüchte. Den Konsum von verarbeiteten Produkten einschränken, vor allem von sogenanntem Fast Food. Das sei relativ energiereich, enthalte im Vergleich recht wenige Nährstoffe, so Katzke.

Experten empfehlen fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag

Außerdem solle man den Konsum von gezuckerten Getränken limitieren und am besten gar keinen Alkohol zu sich nehmen oder eben nur sehr wenig. Auch auf Nahrungsergänzungsmittel solle man zur Krebsprävention verzichten – abgesehen von sehr wenigen Ausnahmen, beispielsweise während der Schwangerschaft.

„Ernährt man sich ausgewogen, dann bekommt der Körper ohnehin alle Nährstoffe, die er braucht“, bestätigt auch Ingeborg Rötzer, Leiterin der Ernährungsberatung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg und der Ernährungstherapie im Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. „Es gibt eine Vielzahl an sekundären Pflanzenstoffen – mehrere Zehntausend“, so die Expertin. „Es ist wichtig, dass unser Körper diese Vielzahl auch bekommt.“ Ernährungswissenschaftler empfehlen dafür fünf Portionen Gemüse und Obst pro Tag – laut DGE sind es 400 Gramm Gemüse und 250 Gramm Obst.

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Lieber Kohl essen und Granatapfel als süße Getränke und Alkohol

Gute Lebensmittel sind hier aus Rötzers Sicht beispielsweise auch sämtliche Kohlsorten oder der Granatapfel. Die spezialisierte Ökotrophologin empfiehlt, das Gemüse und Obst saisonal anzupassen. Das sorge für Abwechslung. Eine einseitige Ernährung, bei der bestimmte Lebensmittel isoliert gegessen würden, hält sie dagegen für gefährlich und kontraproduktiv. Das gelte insbesondere dann, wenn bereits eine Tumorerkrankung vorliege.

Im Falle einer Krebserkrankung ist Rötzers wichtigster Rat, darauf zu achten, nicht abzunehmen: „Die Daten zeigen alle, dass ein Gewichtsverlust von zehn Prozent vom eigenen, über lange Zeit üblichen Gewicht deutlich prognoserelevant ist.“ Schon mit einem Gewichtsverlust von fünf Prozent beginne der negative Einfluss auf die Therapietoleranz, auf die Lebensqualität und auf die Komplikations­rate.

Ist man bereits an Krebs erkrankt, werden Nüsse, Avocado und Fisch empfohlen

Außerdem hätten viele Patienten während der Therapie einen erhöhten Eiweißbedarf – ganz unabhängig von der Krebsart. Des Weiteren zeige die aktuelle Forschungslage, dass eine fettreiche Ernährung von Vorteil sein könnte, sofern aktuell Tumorgewebe im Körper sei. „Gemeint ist hier die Energie aus gesunden Fetten“, erläutert Rötzer und denkt dabei an Avocado, Nüsse, Fisch oder auch Milchfette.

Die Hoffnung, beispielsweise auf eine ketogene Diät zu setzen, bei der der Krebs durch Glukoseverzicht und viele Fette ausgehungert werden soll, davor warnt Rötzer aber. Eine Diät sei nur schwer einzuhalten, die Gefahr einer Mangelernährung sei hoch und die Wirkung beim Menschen nicht nachgewiesen. Teilweise wirkten sich einseitige Ernährungsformen sogar negativ auf den Therapieverlauf aus.

In jüngster Zeit gab es zudem Hinweise, dass Tumorzellen bei Glukosemangel zwar kurzzeitig langsamer wachsen, sich nach einiger Zeit aber anpassen und dann sogar schneller wachsen. „Der Tumor nimmt sich die Energie einfach woanders her“, ergänzt Katzke vom DKFZ. „Genauso wenig wie eine präventive Krebsdiät gibt es eine bestimmte Diät, die die Therapie fördert oder hinterher dafür sorgt, dass der Krebs nicht wiederkommt. Leider.“

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